Selenskyj: Russland hat fünf Szenarien für Ausweitung des Krieges in Nordukraine, wir bereiten Gegenmaßnahmen vor

Selenskyj: Russland hat fünf Szenarien für Ausweitung des Krieges in Nordukraine, wir bereiten Gegenmaßnahmen vor

Ukrinform Nachrichten
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte bei Telegram, dass während der Stawka-Sitzung die russischen Pläne für Offensivoperationen in Richtung Tschernihiw-Kyjiw erörtert wurden.

„Ich habe die Stawka abgehalten. Wir haben die uns vorliegenden Geheimdienstinformationen über die russischen Pläne für Offensivoperationen in Richtung Tschernihiw-Kyjiw detailliert analysiert. Wir bereiten Gegenmaßnahmen für jede mögliche Variante des Vorgehens des Feindes vor, falls die Russen es tatsächlich wagen sollten, ihre Aggression auszuweiten. Unsere Kräfte in dieser Richtung werden verstärkt“, so Selenskyj.

Er merkte an, dass auch die Möglichkeiten externer Aktivitäten geprüft werden.

„Ich habe das Außenministerium der Ukraine angewiesen, zusätzliche diplomatische Einflussmaßnahmen gegenüber Belarus vorzubereiten, das Russland für eine solche Kriegsausweitung nutzen kann. Es gibt auch entsprechende nicht-öffentliche Aufgaben für die ukrainischen Geheimdienste“, erklärte der ukrainische Präsident.

Er betonte, die Ukraine werde sich definitiv verteidigen können, und nun gehe es darum, den Staat so zu stärken, dass „keines der fünf russischen Szenarien zur Ausweitung des Krieges auf die Nordukraine funktionieren wird“.

Laut Selenskyj wurden während der Stawka-Sitzung auch die Fragen einer möglichen Mobilisierung in Russland angesprochen.

„Wir haben auch die Informationen über die Vorbereitung neuer Mobilisierungsschritte in Russland – plus 100.000 Soldaten – zur Kenntnis genommen. Wir glauben, dass Russland zum heutigen Stand kein solches Potenzial für eine verdeckte Mobilisierung hat. Daher sollten wir russische politische Entscheidung in einem anderen Format erwarten, insbesondere solche, die kürzlich in Bezug auf die Region Transnistrien in Moldau gefallen war“, stellte das Staatsoberhaupt fest.

Er berichtete außerdem, die Ukraine werde die Ausweitung der Geographie der weitreichenden Sanktionen (ukrainische Raketen- und Drohnenangriffe – Red.), „die sich bereits sehr bewährt haben“, weiter vorbereiten.

Wie berichtet begannen am 18. Mai in Belarus gemeinsame Militärübungen mit der Russischen Föderation zum Kampfeinsatz von Atomwaffen und zur nuklearen Unterstützung.

Am 24. Februar 2022 erklärte der russische Präsident Wladimir Putin eine umfassende Invasion in die Ukraine, eine sogenannte „Spezialmilitäroperation“. In der Ukraine wurde der Verteidigungszustand verhängt und die allgemeine Mobilisierung ausgerufen. Russische Truppen beschießen und zerstören seither wichtige Objekte der kritischen Infrastruktur, befeuern massiv die Wohngebiete ukrainischer Städte und Gemeinden mit Artillerie, Raketenwerfern, ballistischen Raketen und anderen tödlichen Waffen. Das Land wehrt sich heldenhaft gegen die Eindringlinge und unternimmt Gegenoffensiven.

Russland hat Teile der Regionen Donezk, Luhank, Saporischschja und Cherson vorläufig besetzt.

Die Europäische Union (EU), die USA und andere Länder haben harte Sanktionen gegen das Aggressor-Land verhängt.

Im März 2025 wurde in Dschidda (Saudi-Arabien) ein erster Impuls für Friedensgespräche gegeben und ein Treffen der US-amerikanischen und ukrainischen Delegationen abgehalten. Die Parteien gaben im Anschluss an die Ergebnisse des Treffens eine gemeinsame Erklärung ab.

Aus dem Dokument ging insbesondere hervor, dass die Ukraine ihre Bereitschaft bekundet hat, den US-Vorschlag zur sofortigen vorläufigen Feuereinstellung für 30 Tage anzunehmen. Dieser kann im gegenseitigen Einvernehmen der Parteien verlängert werden, vorbehaltlich die Russische Föderation ihn annimmt und gleichzeitig umsetzt.

Im Anschluss an die Verhandlungen kündigten die USA die Wiederaufnahme ihrer Sicherheitshilfe für die Ukraine und den Austausch geheimdienstlicher Informationen an.

Unmittelbar nach dem Treffen in Saudi-Arabien begann die ukrainische Seite mit der Arbeit an Algorithmen zur ordnungsgemäßen Überwachung der Einhaltung der möglichen Waffenruhe sowie an den Modalitäten künftiger Friedensabkommen.

Bisherige Gespräche zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation in Istanbul, wohin der ukrainische Präsident gereist war, in der Hoffnung, dort den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen, brachten keine Ergebnisse, außer dass der Gefangenenaustausch „1000 gegen 1000“ vereinbart wurde.

Russland hat bisher der Waffenruhe nicht zugestimmt.

Die Trump-Regierung hat laut amerikanischen Medien gemeinsam mit Moskau einen 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine entwickelt.

Kyjiw sollte demnach die kontrollierten Gebiete im Donbass abtreten, seine Armee und einen Großteil seiner Waffen reduzieren. Im Gegenzug werden Sicherheitsgarantien für den Fall künftiger russischer Aggressionen angeboten. Die Ukraine sollte außerdem eine Bestimmung in ihre Verfassung aufnehmen, die einen Nato-Beitritt ausschließt, und die Nato soll eine entsprechende Klausel in ihre Charta eintragen. Die Nato wiederum wird keine Truppen auf ukrainischem Territorium stationieren.

Darüber hinaus sah der Plan Wahlen in der Ukraine 100 Tage nach Unterzeichnung des Abkommens vor.

Trump erklärte, sein „Friedensplan“ für die Ukraine sei kein endgültiger Vorschlag.

Präsident Selenskyj berichtete in einer seiner Videoansprache, dass einige Punkte aus der Liste gestrichen und viele „richtige Dinge“ berücksichtigt worden seien.

Die Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA wurden nach dem Iran-Krig auf Eis gelegt.

Unlösbar bleiben nach wie vor die Fragen über die Gebiete der Region Donezk, die Russland will, dass die Ukraine sie einfach so abtritt, und das Kernkraftwerk Saporischschja.


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