„Schmerz der Nachkommen“: Fotoausstellung in Ukrinform zeigt Geschichte einer deutsch-ukrainischen Familie

„Schmerz der Nachkommen“: Fotoausstellung in Ukrinform zeigt Geschichte einer deutsch-ukrainischen Familie

Ukrinform Nachrichten
In der Nachrichtenagentur Ukrinform wurde am 24. November die Dokumentar-Fotoausstellung „Schmerz der Nachkommen“ zum 100. Jahrestag der Tragödie der Liebe in einer deutsch-ukrainischen Familie eröffnet.

Die Schwarz-Weiß-Bilder und Farbfotos erzählen eine wahre Geschichte über das unglaubliche Leid der deutschen Frau Magda Homann, die nach zwei Weltkriegen fremd im eigenen Land wurde und keine neue Heimat in der Ukraine fand. In Deutschland verzichtete die Familie auf sie, in der Ukraine erlebte sie Grausamkeiten und Zerstörungskraft der Entkulakisierung, Zwangskollektivierung, des Holodomors, der stalinistischen Repressionen. Und diese Geschichte hat noch kein faires Ende.

Der Generaldirektor der Nachrichtenagentur Ukrinform Olexandr Kharchenko sagte bei der Eröffnung der Ausstellung, dass diese Geschichte zeigt, welche starke und mächtige Feinde das menschliche Gedächtnis hat. Das sind totalitäre Regime, Kriege, Menschenhass, Zynismus, Karrierismus. Gleichzeitig zeigt diese Geschichte, wie man diese Feinde bekämpfen und das historische Gedächtnis bewahren kann. „Das ist gut, dass sich sowohl die deutsche Regierung als auch der ukrainische Staat heute vereinten, um den Menschen die Geschichte dieser einfachen, angeblich nicht herausragender Frau, aber die sehr wichtige und emotionale Geschichte zu erzählen. Und alles begann mit einem Faden, mit dem Bruder von Magda, der sich gegen den Willen der Familie stellte und seine Schwester unterstützte, dann übernahm den Staffelstab ein Großneffe. Konkrete Menschen können viel tun, um dieses Gedächtnis zu erhalten. Schließlich fallen Imperien, die Sowjetunion war verschwunden, die Berliner Mauer fiel, beide deutsche Staaten nach einer künstlichen Teilung vereinigten sich und die Geschichte von Magda lebt und vereinigt heute Ukrainer und Deutsche“, betonte Kharchenko.

Ludmila Kowalenko-Schneider, Mitglied des Präsidiums des „Rates der Deutschen in der Ukraine“ und Leiterin des Zentrums der deutschen Kultur „Widerstrahl“, sagte, dass Zehntausende von Repressionen betroffenen Sowjetdeutsche bis jetzt auf die Rehabilitierung warten. „Es gibt viele tragische Seiten in der Geschichte der ethnischen Deutschen in der Ukraine, die noch unbekannt sind. Heute bleibt das Schicksal von Zehntausenden Opfern der Repressionen ungeklärt, ihre Verwandte warten noch auf die Rehabilitierung. Für uns, die ethnischen Deutschen, ist es sehr wichtig, Recherche- und Bildungsarbeit durchzuführen. Man muss keine Vermisste geben, die als „Volksfeinde“ gebrandmarkt sind. Mann muss verlässliche historische Fakten wiederfinden, den Familien bei der Suche nach Verwandten und Angehörigen zu helfen. Das auffälligste Beispiel dafür sind die Familien von Magda Homann“, sagte sie.

Der Urenkel von Magda Homann und Leiter des Pressezentrums von Ukrinform, Serhij Saj-Bodnar, erforschte mehrere Jahre das Schicksal seiner Uroma und ihre Familiengeschichte und hat während dieser Forschung verstanden, das die Ukrainer nicht viel über ihre Geschichte und ihre Ahnen wissen. „Wir klagen oft, dass wir aus irgendeinem Grund anders als Deutsche, Italiener oder Polen sind. Wir sind wirklich anders, weil uns extra beigebracht wurde, unsere Geschichte nicht zu erhalten. Jeder, der nichts über seine Familiengeschichte, über seine Abstammung weiß, kann kein wahrer Patriot sein. Bei meinen Recherchen konnte ich Angaben in Archiven nur bis Jahr 1863 finden. Und Peter Homann (Großneffe von Magda Homann – Anm. der Red.) konnte Archivdaten aus dem Jahr 1536 finden. Stellen Sie sich diesen großen Unterschied vor, Peter konnte seinen Familienstammbaum 12 Generationen tiefer zurückverfolgen, als ich. Als ich ihn zum ersten Mal ihn besuchte, war ich stark beeindruckt davon, dass sein Familienarchiv die Hälfte seines Hauses einnimmt, alles ist ordentlich in Aktenordnern. Wenn man in unserer Schule einen Schüler fragt, wie deine Uroma heißt?, Diese Frage, glaube ich, kann nicht jeder beantworten“, sagte Saj-Bodnar.

Der Historiker, Professor an der Taras-Schewtschenko-Universität Kyjiw, Wolodymyr Serhijtschuk, meint, dass die Arbeit, die Serhij Saj-Bodnar gemacht hat, kann im Prinzip nur von ganzen Forscherteams geleistet werden. „Er hat mehrere Jahre die Arbeit gemacht, die nur Forscherteams machen können. Das ist ein Beispiel dafür, wie die Recherchen gemacht werden müssen – einerseits die Gewissenhaftigkeit des Forschers, andererseits die Verantwortung vor der eigenen Familie, vor dem dem Blut der Ahnen, vor Genen. Die Genen machten ihre Arbeit, die Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt beider Völker vereinten sich und haben eine gute Arbeit gemacht. Das ist wirklich ein Denkmal für ihre direkte Vorfahrin. Und ich kann nicht zustimmen, dass Madga Homann nach seiner Ausreise aus Deutschland in die Ukraine in Vergessenheit geriet. Sie ist unsterblich geworden, weil Deutschland und die Ukraine dank ihrem Urenkel über sie wissen und alle Völker wissen werden“, so Serhijtschuk.

Die Veranstalter der Fotoausstellung sind das Zentrum der deutschen Kultur „Widerstrahl“, das „Leipziger Haus“. Das Projekt wird auf Initiative des „Rates der Deutschen in der Ukraine“ mit finanzieller Unterstützung des deutschen des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat durch den Wohltätigkeitsfond „Gesellschaft für Entwicklung“ umgesetzt.

Die Ausstellung ist in den Schaufenstern von Ukrinform zwei Wochen lang zu sehen.


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