Dieser Tag in der Geschichte. Emser Erlass - ein Versuch, die ukrainische Kultur zu vernichten

Dieser Tag in der Geschichte. Emser Erlass - ein Versuch, die ukrainische Kultur zu vernichten

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Ukrinform
Am 30. Mai 1876 hatte der russische Zar Alexander II in der deutschen Stadt Bad Ems den Emser Erlass unterzeichnet, eine Verordnung für die Vernichtung der ukrainischen Kultur.

Es war nicht der erste Versuch des russischen Imperiums, die ukrainische Kultur, Sprache und schließlich die nationale Idee zu unterdrücken. Emser Erlass kam als nächster nach dem berühmten Valuev-Zirkular von 1863, ein Schritt, der seine Hauptbestimmungen nur ergänzte. Einer der formalen Gründe der Erscheinung des Emser Erlasses war ein Memorandum, das an den Zar vom russischen, politischen und kulturellen Funktionär Mikhail Uzefovich (der ein eifriger Russenfreund, Monarchist und Antiukrainer war) geschickt worden war, in dem er die Ukrainer beschuldigte, in der freien Ukraine „in Form einer Republik mit dem Hetman an der Spitze“ leben zu wollen. An demselben Tag wurde der Beschluss des Zaren nach Petersburg geschickt und am 5. Juni, ergänzt durch detaillierte Anweisungen, hatte er Kiew erreicht. Emser Erlass verbot die Einfuhr auf das Territorium des russischen Reiches der ukrainischen Bücher, die Herausgabe von Originalwerken in der ukrainischen Sprache und Übersetzungen aus Fremdsprachen, Texte für Noten, Musik- und Theateraufführungen und öffentliche Lektüren. Die örtliche Gemeindeverwaltung wurde angewiesen, die Kontrolle zu erhöhen, damit in den Grundschulen in ukrainischer Sprache nicht unterrichtet wird und aus den Bibliotheken Bücher in ukrainischer Sprache beschlagnahmt werden. Auf der Basis des Emser Erlasses waren die Süd-Westliche Abteilung der Russischen Geographischen Gesellschaft in Kiew geschlossen, die Ausgabe von „Kiewer Telegraph“ eingestellt, die Gemeinden abgeschafft, Professoren ukrainischer Abstammung aus der Kiewer Universität entlassen worden.

Dieser Erlass war eine der Erscheinungsformen der kolonial-nationalen Politik der Russischen Zarenherrschaft gegen die Ukraine und strich die Tatsache der Existenz des 25 Millionen großen Volkes durch.

Emser Erlass hemmte zwar die Entwicklung der ukrainischen Kultur und der nationalen Befreiungsbewegung, konnte aber nicht, sie komplett einstellen. Nach dem Verbot, in der ukrainischen Sprache zu drucken, hatten viele Autoren (Iwan Netschuj-Lewyzkyj, M. Drahomanow, etc.) im russischen Reich einen Ausweg gefunden, sie begannen, ihre Werke in Galicien zu veröffentlichen, das damals unter der Herrschaft der österreichisch-ungarischen Monarchie war. Dies verstärkte die Positionen der ukrainischen Kräfte und vereinigte die Ukrainer, die auf verschiedenen Seiten der Grenze lebten.

Emser Erlass wurde offiziell nicht aufgehoben, aber er verlor die Kraft am 17. Oktober 1905 mit der Veröffentlichung des so genannten „Manifests der Bürgerfreiheiten“ vom Kaiser Nicholas II.

yv

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