Wofür hat Wolodymyr Hrojsman „sehr starkes Signal“ in der Türkei bekommen

16.03.2017 16:29 226

Türkische Zitrusfrüchte für die Krim haben die Konkurrenz mit der ukrainischen Luftfahrtindustrie nicht ausgehalten.

Vorgestern hatte die ukrainische Seite am ersten Tag des Besuchs des Ministerpräsidenten der Ukraine, Wolodymyr Hrojsman, in der Türkei eine Note über das Verbot für türkische Schiffe erhalten, auf die Krim zu fahren. „Das ist ein sehr starkes Signal“, sagte in diesem Zusammenhang unser Regierungschef. Und der türkische Regierungschef Binali Yıldırım hat dem ukrainischen Kollegen versichert, dass die Türkei die Annexion der Krim verurteilt und die territoriale Integrität der Ukraine unterstützt.

Die türkischen Häfen haben aufgehört, Schiffe aus der besetzten Krim noch seit Anfang des Monats einzulassen. Informationen darüber begleitete der Kommentar, dass niemand versteht, warum das passiert ist. Drei Jahre lang handelten die türkischen Unternehmen rege mit der durch Russland bei der Ukraine annektierten Krim, geliefert wurden Zitrusfrüchte, Gemüse, Baustoffe und Konsumgüter. Und nun ein entschlossenes Verbot, wobei völlig überraschend, ohne Warnung, so dass die Schiffe, die aus der Krim ankamen, die Frachten nicht entladen konnten (der Zoll nahm keine Dokumente von den Krimer Häfen). Sie wussten nicht weiter, warten, dass das Verbot aufgehoben wird, oder zum anderen russischen Hafen (nicht auf der Krim) fahren, um neue Papiere zu besorgen. Und jetzt, als Hrojsman kam, wurde die Situation klar: Ankara hat zur Unterstützung der territorialen Integrität der Ukraine beschlossen, die dreijährige Praxis zu beenden.

Offensichtlich ist es entweder ein eigentümliches Geschenk, oder eine Vorleistung für die Ukraine seitens der Türkei. Das heißt, dass sich eine Perspektive auf eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern abgezeichnet hat, dermaßen ernsthafte Perspektive, dass die Türken wegen ihrer Umsetzung entschieden haben, Gewinne aus dem Handel von Zitrusfrüchten mit der Krim zu opfern. Noch einfacher: was braucht jetzt die Türkei von der Ukraine?

Gerade jetzt sehen wir, wie rapide sich die Beziehungen der Türkei mit der Europäischen Union verschlechtern (Gründe dafür sind ein anderes Thema). In einer solchen Situation darf Ankara überhaupt nicht mit allen streiten, im Gegenteil, man soll die Annäherung an die größtmögliche Anzahl von Ländern suchen, um in die internationale Halbisolation nicht zu geraten. Zum Beispiel an die Ukraine, warum nicht? Die Ukraine ist die Nachbarin der Türkei, großes Land mit einem potenziell großen Absatzmarkt und Produzentin vieler Produkte, die in der Türkei benötigt werden. Es ist, sozusagen, der allgemeine Grund türkischen Interesses an der Aufnahme enger wirtschaftlicher und politischer Kontakte mit Kiew. Deshalb wird das Freihandelsabkommen zwischen der Ukraine und der Türkei vorbereitet, über das man natürlich während des Besuchs des Ministerpräsidenten der Ukraine gesprochen hat. Zumindest solche erklärende Version für die Entstehung eines „starken Signals“ hatte im Kommentar für Ukrinform der ausführende Direktor des Zentrums für Nahost-Studien in Kiew, Ihor Semiwolos.

Allerdings gibt es einen absolut konkreten wichtigen Grund. Die Türkei will sehr ihre eigene Luftfahrtindustrie entwickeln. Noch Anfang 2000 setzte sie sich ein ehrgeiziges Ziel, zum 100. Jahrestag der türkischen Republik (2023) eine nationale Luftfahrtindustrie zu haben. Die Mittel dafür werden die Türken finden, das wichtigste Problem - Technologien. Die Ukraine hat sie und mit dem Geld ist es ein bisschen eng bei uns, daher sind wir bereit, mit diesen Technologien zu handeln. Und wir handeln bereits (gemeint ist der Vertrag des Staatskonzerns „Antonow“ mit Saudi Arabien). Hrojsman hat sich in der Türkei nicht umsonst noch einmal gerühmt, dass die Ukraine einen geschlossenen Zyklus von Bau und Produktion von Personen- und Transportflugzeugen hat, und betonte, dass „diese Erfahrung mit den Flugzeugen AN-148/158 im Bauprojekt mit dem türkischen Mittelstreckenverkehrsflugzeug verwendet werden kann“. Er hat auch den Technopark Istanbul besucht, wo er sich mit der Führung der Verbände der Unternehmen des Verteidigungs- und luftkosmischen Komplexes SAHA Istanbul getroffen hatte. Mehr als wahrscheinlich ist es, dass das Thema der Luftfahrt das Hauptthema bei Gesprächen des ukrainischen Regierungschefs mit den türkischen Spitzenpolitikern war.

Es ist auch anzumerken, dass die eigene Luftfahrtindustrie für die Türkei nicht nur eine Frage des Ehrgeizes und bunte „Dekoration“ zum Jahrestag der Republik ist. Ankara will zur unbedingten regionalen Führerin im Nahen Osten werden, und die Führung wird nicht nur durch die Stärke der Armee oder die Bevölkerungszahl gesichert, sondern auch und vor allem durch die wirtschaftliche Macht. Türkische Wirtschaft braucht die neuesten Industrietechnologien. Nur durch hohe Ernteerträge der Landwirtschaftskulturen oder den hohen touristischen Service lässt sich keine regionale Führung sichern. Und die Ukraine, wenn auch ein bisschen, hat etwas, was sie in solchen Bereichen teilen kann. Dies hat den unbedingten Erfolg des Besuchs von Wolodymyr Hrojsman in der Türkei bestimmt.

Jurij Sandul. Kiew.

yv

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