Brand in der Tschernobyl-Zone lokalisiert, Experten berechnen Schaden

Brand in der Tschernobyl-Zone lokalisiert, Experten berechnen Schaden

Ukrinform Nachrichten
Es ist bekannt: Objekte des Atomkraftwerkes und andere kritische Infrastruktur nicht beschädigt

Vom 4. bis 14. April wütete in der Tschernobyl-Zone ein Brand. Zum Stand vom 16. April wurde das Feuer gelöscht und die Situation unter Kontrolle gebracht. Die Mitglieder des operativen Stabs für Brandbekämpfung betonen jedoch, dass es noch zu früh ist, die vollständige Lokalisierung der Flamme zu erklären. Obwohl es kein offenes Feuer gibt, wird der Waldboden noch mindestens eine Woche lang schwelen, und unter ungünstigen Bedingungen kann das Feuer wieder ausbrechen.

Chronologie der Ereignisse

Nach Angaben des Staatlichen Katastrophenschutzdienstes wurde am 4. April in der Sperrzone ein Brand auf einer Fläche von 20 Hektar festgestellt. Es brannte die Forstwirtschaft (Kotowske) im westlichen Teil der Zone. Den Rettungskräften gelang es, das Feuer recht schnell einzudämmen, aber die Situation wurde dadurch erschwert, dass neue Brände ausbrachen.

Diese Tatsache deutete darauf hin, dass das Feuer in der Sperrzone nicht nur auf die Verbrennung von Gras zurückzuführen war, sondern auch auf vorsätzliche Brandstiftung.

„Nach Angaben des operativen Stabs gibt es in der Sperrzone und in der Zone der bedingungslosen Umsiedlung mehrere Entflammungen, die territorial und zeitlich miteinander nicht verbunden sind“, teilte man in der Staatliche Agentur für die Verwaltung mit der Sperrzone mit.

Es ist bekannt, dass die Agentur für die Verwaltung mit der Sperrzone die Polizei angerufen hat, die Fakten einer möglichen vorsätzlichen Brandstiftung und die Maßnahmen, die zu den Bränden geführt haben, zu ermitteln. Bisher hat die Polizei zwei Personen wegen Verdachts festgenommen.

Schon am 9. April sah die Situation für einen Außenbeobachter kritisch aus: Das Feuer erreichte das Dorf Tschystogaliwka auf dem Territorium der an dem Atomkraftwerk Tschornobyl nah liegenden Forstwirtschaft (Korogodske), was bedeutete, dass sich das Feuer allmählich dem Lager für Abfallkernbrennstoff und der Stadt Prypjat näherte. In sozialen Netzwerken gab es auch Meldungen über die Gefahr für das beliebte Touristenobjekt - „Tschornobyl-2“ und die Radarstation „Duga“.

Gleichzeitig erklärte der Katastrophenschutzdienst, dass es für die kritischen Objekte der Sperrzone keine Gefahr besteht.

Der stellvertretende Innenminister der Ukraine, Anton Geraschtschenko, sagte: Die gesamte kritische Infrastruktur ist Stahlbetonkonstruktionen, die an sich selbst nicht brennen, und um sie herum wurde zum Schutz vor Waldbränden der gesamte Wald abgeholzt.

Am 13. April machte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf das Feuer in der Sperrzone aufmerksam, und die Regierung gewährte 44,86 Mio. UAH aus dem Reservefonds für Liquidationsarbeiten. Und am nächsten Tag wurde das offene Feuer endlich gelöscht.

Die Arbeiten zur Lokalisierung des Brandes gehen dennoch weiter.

„Die Standorte der Entflammung sind lokalisiert. Es werden Brandstellen gelöscht, die schwelen. Die Rettungskräfte haben jetzt da Aufsicht, wo es die stärksten Brandstellen gab, wo die Ausbreitungen des Feuers über die Straßen möglich waren, wo es geschwelt wird“, erzählte einem Korrespondenten von Ukrinform der stellvertretende Vorsitzende des öffentlichen Rates der Staatliche Agentur für die Verwaltung mit der Sperrzone, Maksym Wirytsch.

Brandfolgen

Da die Arbeiten zur Lokalisierung des Brandes noch weiter gehen, ist es unmöglich, den Schaden zu berechnen. Einige behaupten sogar, dass dies noch deswegen schwierig ist, da es in der Sperrzone zwischen 1993 und 2018 1566 Brände gab, die Touristenobjekte und Wälder auf die eine oder andere Weise zerstörten.

Die Staatliche Agentur für die Verwaltung mit der Sperrzone behauptet, die Schaden seien auf Millionen Hrywnja zu berechnen.

Einige sagen, der Brand 2020 sei der größte in der Sperrzone – er sei vergleichbar mit dem Brand von 1992. Andere sagen, dass die Brandfläche nicht die größte war, aber dieser Brand kann als der unvorhersehbarste in allen letzten Jahren bezeichnet werden. Denn zu chaotisch waren neue Entflammungen.

Eines ist sicher: Objekte des Tschornobyl-Atomkraftwerkes und andere kritische Infrastruktur waren nicht zerstört. Auch wurden die Wohnhäuser in der Stadt Tschernobyl nicht zerstört, wo die Mitarbeiter des Kraftwerkes leben.

Dafür wurden aber dem strahlungsökologischem Biosphärnaturschutzgebiet Tschornobyl enorme Schaden zugefügt.

Der Leiterin der Abteilung für Informations- und Bildungsarbeit des Naturschutzgebiets, Wiktoria Wolodkina, wurde es mit Vorberechnungen begonnen.

Strahlenbelastung

Experten erklären, dass man zum Verständnis der Auswirkungen des Feuers auf die Umwelt nicht nur den Stand der Hintergrundstrahlung messen, sondern auch Luftproben nehmen muss.

Diese Proben wurden ständig sowohl in der Sperrzone als auch in Kyjiw, in den angrenzenden Gebieten durchgeführt.

„Im Zusammenhang mit den Bränden in der Sperrzone kontrollieren die Experten der Abteilung der Strahlungssicherheit des Kernkraftwerkes Tschornobyl ständig den Industriestandort des Kraftwerkes. Die Beobachtungsergebnisse ermöglichen es zu behaupten, dass es in den Objekten des Tschornobyl-Atomkraftwerkes keine Strahlungsüberschreitungen gibt“, teilte der Pressedienst des Tschornobyl- Atomkraftwerkes mit.

Und die Staatliche Inspektion für Nuklearregulierung berichtete über die Auswirkungen des Brandes auf die Bevölkerung: „Daten aus Messungen der Strahlungscharakteristiken zeugen davon, dass das Ereignis keine signifikanten radiologischen Folgen für die Bevölkerung und die Umwelt außerhalb der Sperrzone hatte und nicht von der Bildung zusätzlicher radioaktiver Emissionen für die Umwelt in der Situation der offenbaren Bestrahlung begleitet wurde“.

Ukrinform erfuhr auch von Serhij Kirejew, Generaldirektor des staatlichen Spezialunternehmens „Ekozenter“, wie die Strahlenbelastung bei Rettungskräften gemessen wird. Ihm zufolge begannen die Messungen des Cäsiumgehalts im Körper am 12. April ab 10 Uhr morgens. Die Messungen werden in der Stadt Tschornobyl durchgeführt.

„Hier sind die Feuerwehrleute, die zur Rotation kommen. Wir haben einen speziellen Stuhl mit einem Spektrometer. Ein Mensch setzt sich hin und der Bediener nimmt Messungen vor“, sagte Kirejew.

Er betonte, dass keine übermäßigen Cäsiumdosen festgestellt wurden.

Lana Borowska

yv

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