Fake: Französische Medien geben angeblich der Ukraine Schuld an Todesfällen durch Hitzewelle
Russische Telegram-Kanäle verbreiten Desinformation, indem sie gefälschte Titelseiten der französischen Ausgaben La Croix, Le Parisien und Corse Matin zeigen. In den gefälschten Beiträgen wird behauptet, Frankreichs Infrastruktur sei nicht auf die anomale Hitze vorbereitet, da Gelder, die für deren Modernisierung hätten verwendet werden können, angeblich für die Ukraine-Hilfe umgeleitet worden seien.
Das ist ein Fake. In Wirklichkeit wurden die Titelseiten dieser Zeitungen vom 30. Juni bearbeitet: Schlagzeilen und Fotos wurden verändert, was ein Vergleich mit den Originalausgaben bestätigt.

Die gefälschte Titelseite von Corse Matin behauptete, Franzosen würden mit „kolossalen“ Geldstrafen rechnen müssen, wenn sie versuchen, der Hitze zu entfliehen, und Vorwürfe der französischen Regierung, Geld für die Ukraine auszugeben. Die Schlagzeile wurde von einem Foto zweier Männer begleitet, die in einen Brunnen in der Nähe des Eiffelturms springen. Die Originalausgabe enthielt hingegen einen anderen Artikel über einen Sommermodetrend.
Im Fall der Titelseite von Le Parisien wurden auch die Überschrift und auch das Hauptfoto ausgetauscht. Der gefälschte Artikel enthielt die Behauptung, alle Steuergelder der Bürger seien angeblich in die Ukraine geflossen, weshalb Frankreich nicht über genügend Mittel verfüge, um Klimaanlagen in Haushalten zu installieren. In Wirklichkeit war der Originalartikel den Ergebnissen der französischen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gewidmet.

La Croix ist eine französische katholische Zeitung. Auf ihrer echten Titelseite ging es um ein Gesetzentwurf zur Sterbehilfe (Aide à mourir). Die katholische Gemeinde in Frankreich lehnt dieses Gesetz ab, da sie eine faktische Legalisierung der Euthanasie befürchtet. Die gefälschte Version behauptet hingegen, Haushaltsmittel seien angeblich in die Ukraine umgeleitet worden.
Im Juni erlebte Frankreich in der Tat eine anomale Hitze mit Temperaturen um die 42 °C an einigen Orten. Mehrere Regionen riefen eine Unwetterwarnung aus. Laut ersten Schätzungen der französischen Gesundheitsbehörden wurde während der Hitzewelle eine erhöhte Sterblichkeit verzeichnet – etwa tausend zusätzliche Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum, wobei Menschen über 65 Jahre am stärksten betroffen waren. Es gab auch Berichte über Todesfälle durch Unfälle beim Versuch, sich abzukühlen, insbesondere Ertrinkungsfälle.

Die verbreiteten Bilder sind ein Beispiel für Informationsmanipulation: Echte Themen in französischen Medien wurden durch gefälschte Schlagzeilen ersetzt, um den Eindruck zu erwecken, Frankreich finanziere die Ukraine angeblich auf Kosten eigener Bedürfnisse. Solche Provokationen sind typisch für Desinformationskampagnen, die darauf abzielen, das Vertrauen in die Ukraine zu untergraben und eine negative Haltung ihr gegenüber im europäischen Informationsraum zu erzeugen.

Es ist anzumerken, dass dieses Fake Teil einer breiteren russischen Desinformationsoperation „Matrjoschka“ ist, die falsche Nachrichten als Material seriöser Medien, Regierungsbehörden oder Faktencheck-Organisationen tarnt. Russische Propagandisten wollen so die Illusion der Glaubwürdigkeit von Falschinformationen erzeugen, indem sie „bestätigte“ Quellen imitieren, obwohl es sich in Wirklichkeit um gefälschte Titelbilder, Screenshots, Videos oder Dokumente handelt.
Andrij Olenin