Angriff auf Kyjiwer Höhlenkloster hat bewiesen, wer Feind der Orthodoxie ist

Ukrinform Nachrichten
Angriff auf Kyjiwer Höhlenkloster hat bewiesen, wer Feind der Orthodoxie ist
Russische Drohnen haben die Kreml-Propaganda über den „Schutz der Orthodoxie“ zunichtegemacht, und Putin „hat sich damit endgültig in die Liste der schlimmsten Barbaren der Geschichte eingetragen“.

Der 15. Juni 2026 wird als der Tag in die Geschichte für immer eingehen, an dem die russische Heuchelei ihren Höhepunkt erreichte und sich in Form von Rauchsäulen über den goldenen Kuppeln des Kyjiwer Höhlenklosters materialisierte. Jahrelang hat Moskau auf der internationalen Bühne systematisch und konsequent das Bild des „Hauptverteidigers“ traditioneller Werte aufgebaut und versucht, die Weltgemeinschaft davon zu überzeugen, dass gerade in der Ukraine angeblich eine massive Verfolgung von Gläubigen der Ukrainischen Orthodoxen Kirche stattfindet. Diese groß angelegte Desinformationskampagne zielte ganz klar auf das westliche Publikum ab und fand dort, das muss man zugeben, auch regelmäßig ihr Ziel.

Insbesondere der ehemalige Moderator des amerikanischen Fox-News-Senders, Tucker Carlson, bekannt für sein wohlwollendes Interview mit dem Kriegsverbrecher Putin, äußerte sich öffentlich über die Ukraine: „Sie stürmten Kirchen, verhafteten Priester. Das ist reine Christenverfolgung, und unser Land (die USA, Anm. d. Red.) finanziert das.“

Auch im demokratischen Europa gibt es diejenigen, die sich mehr oder weniger von der lügnerischen Moskauer Propaganda beeinflussen lassen.

Die Fakten beweisen jedoch das Gegenteil: Es ist Russland, das die orthodoxe Kirche in der Ukraine zerstört und zynischerweise die Ukraine selbst dafür beschuldigt. Das Bild dieses „Schutzes der Orthodoxie“ gleicht einem Akt der Inquisition im 21. Jahrhundert, bei dem Kampfdrohnen und ballistische Raketen die Rolle der Mittel zur Glaubensaussage haben.

Sobald die ersten Aufnahmen der Zerstörungen der Hauptkathedrale des Klosters auftauchten, startete die Kreml-Propagandamaschine reflexartig ein altbekanntes Szenario – Versionen von „herabfallenden Trümmern der Luftabwehr“ und „Provokation des Kyjiwer Regimes“. Doch das historische Gedächtnis ist gnadenlos. Die Hauptkathedrale des Klosters wurde bereits im November 1941 vom NKWD gesprengt, und Moskau schob die Verantwortung dafür jahrzehntelang den deutschen Nationalsozialisten zu. Heute handeln die Erben des NKWD nach denselben Anweisungen, versuchen aber auch in diesem Fall, die Schuld auf diejenigen abzuwälzen, die diese Heiligtümer schützen.

Bemerkenswert ist zudem, dass Putin diesen Anschlag mit dem 80. Geburtstag von Donald Trump (14. Juni) und dem Geburtstag von Xi Jinping (15. Juni) synchronisierte – eine durchsichtige diplomatische Geste, die die wahre Haltung des Kremls gegenüber allen Friedensinitiativen ohne Ausnahme offenbart.

TERROR STATT SCHUTZ: ÜBER 700 ZERSTÖRTE KIRCHEN UND ÜBER 20 GETÖTETE PRIESTER

Der Leiter des Staatlichen Dienstes der Ukraine für Ethnopolitik und Gewissensfreiheit (DESS), Viktor Jelenskyj, betont in einem Kommentar gegenüber Ukrinform, dass jegliche Hoffnungen auf ethische Hemmnisse seitens Moskaus endgültig zerstört worden seien.

„Für sie gibt es auf unserem Territorium kein Ziel, das sie nicht angreifen würden. Das Kyjiwer Höhlenkloster Lawra ist der Ort, an dem die Ehrwürdigen der Höhlen (orthodoxe Heilige – Anm. d. Red.) ruhen. Der Kyjiwer Höhlenkloster Lawra ist die Wiege des osteuropäischen orthodoxen Mönchtums. Doch auch das hat sie nicht gestoppt. Das Moskauer Patriarchat und seine Führung haben sich ausdrücklich die Zerstörung der ukrainischen Kultur, Identität und Staatlichkeit zum Ziel gesetzt. Sie haben ganz offen erklärt, dass sie nicht gekommen sind, um Menschen zu befreien, sondern um dieses Land „von ihnen zu befreien‘“, betonte Dr. phil. Viktor Jelenskyj.

In welchem Ausmaß zerstört Russland religiöse Stätten in der Ukraine? Im fünften Jahr der groß angelegten Aggression wurden durch russische Angriffe über 700 religiöse Bauwerke zerstört oder beschädigt. Die größten Verluste (Stand Ende Februar 2026) erlitten gerade die orthodoxen Gemeinden: 395 Kirchen der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats (UPZ) und 76 Kirchen der Orthodoxen Kirche der Ukraine (PZU). Aber es geht nicht nur um diese Kirchen: 194 protestantische Gebetshäuser, 32 griechisch- und römisch-katholische Kirchen, 7 Moscheen, 22 Synagogen, 11 theologische Bildungseinrichtungen und 18 Gebäude anderer Religionsgemeinschaften wurden beschädigt oder zerstört.

Diese Statistik enthält ein Paradoxon, das Herr Jelenskyj mit vernichtender Präzision formuliert: „Am stärksten wurde gerade die Ukrainische Orthodoxe Kirche in Einheit mit dem Moskauer Patriarchat beschädigt– genau jene, von deren Schutz man im Kreml so gerne spricht. Russland hat mehr als 350 seiner Kirchen zerstört, mehr als zwei Dutzend seiner Priester getötet und seine faktisch acht Diözesen im Süden, Nordosten und auf der Krim weggenommen. Es handelt sich um Tausende von Pfarreien“, betont der Vorsitzende der DESS.

Die Liste der bedeutsamen Objekte, die von Russland angegriffen wurden, spricht für sich. Die Swjatohirska Lawra in der Region Donezk wurde mehrfach beschossen – die hölzerne Allerheiligen-Einsiedelei brannte vollständig nieder. Im Juli 2023 durchschlug eine Rakete das Dach der Spaso-Preobrazhenski-Kathedrale in Odessa und traf den Hauptaltar. Im Frühjahr 2026 wurde das Zentrum von Lwiw angegriffen, wobei das Bernhardinerkloster und die St.-Andreas-Kirche aus dem 17. Jahrhundert beschädigt wurden. Nun ist ein direkter Angriff auf die Uspenski-Kathedrale des Kyjiwer Höhlenklosters Lawra (Mariä-Entschlafens-Kathedrale) hinzugekommen, und zuvor bereits auf die Sophienkathedrale in Kyjiw. Dabei muss betont werden: Praktisch alle diese sakralen Stätten stehen unter dem Schutz der UNESCO.

Ein besonderes und äußerst aufschlussreiches Zeugnis ist das Schicksal der Priester in den von Russland besetzten Gebieten. Viktor Jelenskyj führt ein konkretes Beispiel an:

 „Bezeichnend ist der Fall des Priesters Kostjantyn Maksymow aus der Diözese Saporischschja, der zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er sich weigerte, sich Kirill (Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche – Anm. d. Red.) direkt zu unterstellen“. Es geht um einen Mann, der formal in der Struktur blieb, die Moskau angeblich „schützt“, der wegen übermäßiger „Unabhängigkeit“ von eben diesem Moskau 14 Jahre (Haft – Anm. d. Red.) erhielt.

Die Schlussfolgerung des Vorsitzenden der DESS lässt keinen Zweifel: „Diejenigen, die versucht haben, die Welt davon zu überzeugen, dass sie angeblich die Gläubigen des Moskauer Patriarchats schützen, töten in Wirklichkeit genau diese Gläubigen, zerstören ihre Kirchen und verfolgen ihre Priester“.

REAKTION DER UKRAINE: ZWISCHEN MORALISCHER EMPÖRUNG UND DIPLOMATISCHER MOBILISIERUNG

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj führte das Verbrechen über den bilateralen Konflikt hinaus: „Eine weitere russische Barbarei und ein Schlag gegen die christliche Gemeinschaft und das kulturelle Erbe der Menschheit. Russland beweist, dass es für das Land nichts Heiliges gibt und dass sein sogenannter „Schutz der Gläubigen“ lediglich ein Deckmantel für den Völkermord am ukrainischen Volk ist.“

Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus: „Dies ist ein teuflischer Krieg. Die Tatsache, dass durch die russischen Angriffe Kirchen zerstört und heilige Stätten verwüstet werden, bestätigt dies nur“.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha betonte, dass Putin durch den Angriff auf das Kyjiwer Höhlenkloster, eine der bedeutendsten heiligen Stätten des Christentums, seinen Namen für immer in die Liste der schlimmsten Barbaren in der Geschichte eingetragen habe: „Wir haben es mit russischen Terroristen zu tun, die in ihren Verbrechen gegen das Kulturerbe bereits den IS übertroffen haben“.

INTERNATIONALE REAKTIONEN

Das Höhlenkloster steht unter verstärktem Schutz der Haager Konvention von 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten und des zweiten Protokolls dazu, welches unter anderenm vorsieht, dass Personen oder Staaten, die Kulturgüter im Krieg zerstören oder plündern, vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag angeklagt werden können.

Die Ministerpräsidentin Italiens Giorgia Meloni hat den Schutz des Höhlenklostern auf die Tagesordnung des G7- Gipfels als zentrales Thema gesetzt. „Wenn Angriffe sogar auf Tausend Jahre alte Symbole des Christentums nicht aufhören, ist eine unerschütterliche Unterstützung für Kyjiw notwendig“. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot verglich die russischen Angriffe auf das Kyjiwer Höhlenkloster mit einem Bombardement der Pariser Kathedrale Notre-Dame und Saint-Denis.

Die Staats-und Regierungschefs der Baltikum - Staaten und der Staaten Osteuropas, die traditionell etwas empfindlicher auf Bedrohungen aus Moskau reagieren, haben die Angriffe auf das Höhlenkloster viel schärfer verurteilt. Der Außenminister Estlands Margus Tsahkna  wies auf eine logische Falle, in die der Kreml geraten ist, hin. „Russland positioniert sich gerne als Beschützer der christlichen Zivilisation. Durch den Angriff auf das Kyjiwer Höhlenkloster hat es aber erneut seine Barbarei  und Verachtung gegenüber dem gemeinsamen Erbe der Menschheit demonstriert“. Eine ähnliche Mengung äußerte Litauens Präsident Gitanas Nausėda: “In den Angriffen Russlands auf das Höhlenkloster sehen wir eine unglaubliche Verachtung gegenüber den menschlichen Leben, dem Kulturerbe und der geistigen Tradition, die Russland für seine eigene hält“.

Präsident Tschechiens Peter Pavel bezeichnete die Attacke als einen Ausdruck von Verzweiflung. „Dieser Angriff… ist Barbarei Russlands, welches das zerstört, was es nie haben kann“.  Moldaus Präsidentin Maya Sandu machte auf die Heuchelei Russlands aufmerksam: „Diejenigen, die behaupten, sie würden christliche Werte verteidigen, haben das Kyjiwer Höhlenkloster bombardiert- eine der größten heiligen Stätten Christentums. Ein echter Glauben bombardiert keine Kirchen“.   

Die britische Außenministerin Yvette Cooper  nannte die Attacke „Akt einer vorsätzlichen Gotteslästerung“. Der Vize- Ministerpräsident Belgiens fand auch deutliche Worte: „Das Kyjiwer Höhlenkloster Lawra steht seit fast ein Tausend Jahren. Da gibt es keine militärische Logik, außer das Leid den Menschen und dem Erbe, welches der ganzen Menschheit gehört, zuzufügen. Deinigen, die einen Befehl erteilt haben, diesen Angriff durchzuführen, werden irgendwann dafür verantworten müssen“.   

Bemerkenswert war die Reaktion aus der Umgebung des US- Präsidenten Trump, die davon zeugt, dass der russische Terror die Grenzen überschritten hat, die nicht mehr ignoriert werden können. Mark Berns, "geistlicher Berater" des US-Präsidenten Donald Trump, schrieb: „Möge der Gott die Ukraine beschützen, ihr Volk  trösten und einen Frieden dem leidgeprüften Land bringen". 

ZUSAMMENBRUCH IMPERIALER ILLUSIONEN  IM SPIEGEL UKRAINISCHER SOZIALER NETZWERKE

Der bekannte ukrainische Publizist Vitalij Portnikow betrachtet den russischen Terrorakt im Kontext der Haltung Moskaus gegenüber der Lawra: „die Russen haben sie [die Lawra] immer gehasst sowohl als Symbol von Ungehorsam, als auch als eine heilige Stätte, mit der die Kirchen von Wladimir- am -Kljasma, Susdal und Moskau selbst von der  Bedeutung her nicht zu vergleichen waren, und immer versucht, diese zu zerstören, besetzten, durch ihre Agenten zu infiltrieren“. Das Wort „immer“ ist dabei keine Übertreibung  - die jüngste Attacke fügt sich in die Reihe von Angriffen seit der Sprengung  der Mariä-Entschlafens-Kathedrale durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD im Jahr 1941 bis hin zum Angriff mit Geran- Drohnen und Iskander- Raketen im Jahr 2026.

Der Prorektor der Ukrainischen Katholischen Universität Dmytro Scherentowskyj weist auf den psychologischen Aspekt der räuberischen Haltung Moskaus hin. „Seit Jahrhunderten versuchte das Imperium, die Lawra sich anzueignen, die in seinen eigenen Mythos einzubeziehen, als Nachweis seiner Geschichte darzustellen. Das ist aber nicht geklappt - sie ist nicht „ihre“ geworden.  (…) Und wenn es nicht gelingt, sich ein Heiligtum anzueignen, wird es in der imperialen Logik automatisch als "fremd" angesehen. 

Der Diplomat und ehemalige Leiter des Sekretariats des UN- Sicherheitsrates Olexandr Matsuka sieht in der Attacke ein Symptom, und nicht eine Strategie. „Im Grunde genommen ist das ein Verzweiflungsakt. Im Kreml ist es jedem bewusst geworden, dass Russland die Ukraine nicht erobern kann. Das macht sie wütend. Und das Moskaus Gelaber über angeblichen „Schutz der orthodoxen Werte“ hat sich als eine weitere Lüge erwiesen, wie auch der „Schutz der russischsprachigen  Bevölkerung“. 

Nach der Ansicht der Journalistin  Myroslawa Bartschuk gibt es im Vorgehen Moskaus auf eine paradoxe Weise etwas Beruhigendes: „Der Angriff auf das Höhlenkloster bedeutet, dass Putin nicht mehr hofft, dort zu „beten“, und dass das Kyjiwer Höhlenkloster Lawra kein „russisches Heiligtum“ mehr ist, wie sie oft im Jahr 2022 sagten. Die Russen beschießen ihre eigene Fälschung von der „gemeinsamen Wiege“, „orthodoxen geistigen Gemeinschaft“, von „einem Volk“- den Mythos, den sie aufzwingen wollten“.

Nach der Meinung von Historiker Wachtang Kipiani  gibt es eine einfache Erklärung für den Zeitpunkt des Angriffs: „Vor einigen Tagen wurde die russische orthodoxe Kirche gezwungen, die Fernen  Höhlen zu  räumen. Der Angriff ist eine Rache für unser Wunsch, keine Russen zu sein“.

***

Dieser Akt der ohnmächtigen Wut und Verzweiflung hat dem Aggressor keine militärischen oder ideologischen Vorteile verschafft. Die ukrainische Gesellschaft wird ihren Schmerz in ein ungebrochenes „geistiges Äquivalent“ transformieren, welches garantiert, dass an der Brandstätte unbedingt ein wiederaufgebautes und für immer von imperialen Ablagerungen gereinigtes Heiligtum eines freien Staates wiederaufersteht.  

Myroslaw Liskowytsch, Kyjiw


Let’s get started read our news at facebook messenger > > > Click here for subscribe

Bei dem Zitieren und der Verwendung aller Inhalte im Internet sind für die Suchsysteme offene Links nicht tiefer als der erste Absatz auf „ukrinform.de“ obligatorisch, außerdem ist das Zitieren von übersetzten Texten aus ausländischen Medien nur mit dem Link auf die Webseite „ukrinform.de“ und auf die Webseite des ausländisches Mediums zulässig. Texte mit dem Vermerk „Werbung“ oder mit einem Disclaimer: „Das Material wird gemäß Teil 3 Artikel 9 des Gesetzes der Ukraine „Über Werbung“ Nr. 270/96-WR vom 3. Juli 1996 und dem Gesetz der Ukraine „Über Medien“ Nr. 2849-IX vom 31. März 2023 und auf der Grundlage des Vertrags/der Rechnung veröffentlicht.

Objekt im Bereich Onlinemedien; Medien-ID R40-01421.

© 2015-2026 Ukrinform. Alle Rechte sind geschützt.

erweiterte SucheWeitere Suchkriterien ausblenden
Period:
-