Wie ist das Leben nach Tomos

Wie ist das Leben nach Tomos

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Ukrinform Nachrichten
Nun sind die Aussichten der Anerkennung der Landeskirche durch andere Kirchen und wie wennschon die nicht baldige aber friedliche Vereinigung ukrainischen orthodoxen Christentums zu garantieren die Schlüsselfragen.

Das Interesse an der Erlangung der Unabhängigkeit der Ukrainischen kanonischen Kirche ist nach wie vor außerordentlich - sowohl unter Orthodoxen als auch unter Gläubigen anderer Religionen und sogar den Atheisten. Sie sind sich bewusst, dass dieses Event vom historischen Ausmaß sei. In kurzer Zeit, innerhalb des Halbjahres "hätte man bezüglich dessen Verständnis gezeigt, dass kaum jemand in der Ukraine in der Wirklichkeit weiß, was eigentlich dieser Tomos über die Autokephalie sei und wofür er erteilt werde", betonte die Zeitung "Ukrainska Prwada".  Allmählich wird man sich auch dessen bewusst, welche umfassende Veränderungen und Erprobungen dieses Ereignis  anbahnt.

Die Ukraine hat sich von Russland historisch unabhängig gemacht...

Die Übergabe von Tomas über die Autokephalie der vereinigten Orthodoxen Kirche der Ukraine vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus sei ein historisches Ereignis. "Mehr als 27 Jahre nach der staatlichen Unabhängigkeit löst sich die Ukraine damit auch auf religiösem Gebiet von Moskau", schreibt die Katholische Presseagentur Österreichs Kathpress.

"Wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014 und der andauernden Gefechte zwischen von Moskau unterstützten Separatisten und ukrainischen Soldaten in der Ostukraine war in Kiew der Ruf nach einer eigenen Kirche immer lauter geworden", schreibt Kathpress und betont, dass "die russisch-orthodoxe Kirche (RPZ - Red.) die höchste kirchenrechtliche Anerkennung der neuen ukrainischen Kirche durch Konstantinopel unbedingt verhindern wollte". Dabei wird hingewiesen, dass gerade Kyjiw "als Wiege der russischen Orthodoxie gilt": "988 begann dort die Christianisierung des damaligen Ostslawen-Reichs".

Die Ukraine hätte die historische Unabhängigkeit von der Russischen Föderation erhalten. Das sei das Wichtigste, betont Brüsseler EU Today. Das geistliche Oberhaupt  der orthodoxen Christen, der Ökumenische Patriarch kündigte die Unabhängigkeit der Ukrainischen Kirche offiziell an. Und das kennzeichnete die historische Loslösung von Russland, was  die ukrainische Regierung für einen wichtigen Sicherheitsfaktor für das Land halten, heißt es.

Die Unabhängigkeit der ukrainischen orthodoxen Kirche von Russland sei eine historische Katastrophe für Putin geworden, schreibt Gazeta Wyborcza. Während er den Tomos unterzeichnete, hätte der Ökumenische Patriarch Bartholomäus der ukrainischen orthodoxen Kirche die Unabhängigkeit gegeben, sie vollkommen von Moskau unabhängig gemacht zu haben.

Gazeta Wyborcza macht ferner deutlich, dass sich die Russisch-orthodoxe Kirche gegen die Gewährung der Autokephalie an die ukrainische Kirche stark gemacht hätte. Sie konnte doch früher durch die ukrainische orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (UPZ MP) innerhalb der Ukraine wirken. "Die Moskauer Hierarchen betonen, sie werden "das Seine" mit Gewalt" verteidigen, stellt das polnische Magazin fest.

... dagegen ist Moskau über Kyjiw und Konstantinopel sehr verärgert...

Dies erklärte Präsident Petro Poroschenko im Interview für die griechische Zeitung TaNea. Der Kreml mache kein Geheimnis, dass er die Russisch-orthodoxe Kirche für eines der Schlüsselinstrumente der Haltung der Ukraine in der Flugbahn und im Rahmen der "russischen Welt" halte. "Moskau, der Kreml haben sich zu stark angewöhnt, die Kirche als eines der Instrumente in ihrer Hybridaggression auszunutzen. Die Gründung der unabhängigen Orthodoxen Kirche der Ukraine entzieht ihnen diese Möglichkeiten oder begrenzt sie ernsthaft", sagte Präsident.

"Die Moskauer Patriarchen, die gegen Gottes Willen gewirkt haben, erleiden Niederlage. Nehmen wir die jüngste Aussage des Patriarchen Kirill gegen den Ökumenischen Patriarchen an. Als ich das gelesen habe, was der Patriarch Kirill an den Patriarchen Bartholomäus schrieb, dachte ich: Auf welche Gemeinheit der Patriarch herabgekommen ist, dass er gegen seinen Mitbruder ist und ihn so erniedrigt. Und das ist ein Merkmal der Schwäche. Ein starker Mann, ein starker Staat bedrohen niemals", betonte der Ehrenpatriarch der Orthodoxen Kirche der Ukraine Filaret im Interview für den Fernsehsender Prjamyj. 

Gazeta Wyborcza betont, dass die Autokephalie der Ukraine der Weltorthodoxie einen "Ruck gegeben" hätte. Insbesondere sagt man zurzeit in Moskau, dass eben RPZ das Zentrum der Weltorthodoxie sei, ringsherum sich alle anderen Kirchen konzentrieren sollen, dem Ökumenischen Patriarchen den Gehorsam verweigert zu haben.

Das Kirchenoberhaupt der RPZ Kirill nannte die neu gegründete Kirche der Ukraine eine Vereinigung von zwei Gruppierungen der Schismatiker. Dies erklärte er im Weihnachtsinterview für einen der russischen Fernsehsender.

... und droht mit dem "Krieg für Jahrzehnte"

Die Ukraine werde nach der Erhaltung von Tomos unter ernsthaften Druck Moskaus geraten. Es werde auf Leben und Tod kämpfen, indem es eine mächtige Propaganda durch den Kirchenkonflikt aufzubauen versuche. Allerdings habe die Ukraine eine Möglichkeit, den Einfluss der "russischen Kirche" zu vermindern, erklärte der russische Journalist Konstantin Eggert im Kommentar dem ukrainischen Kollegen Vitalij Portnikow, teilte Radio Liberty mit.

Er machte deutlich, dass die RPZ in diesem Fall entschieden solle, ob sie auf dem Territorium der Ukraine bleiben möchte. "Es ist klar, dass Moskau jetzt den ernsthaften Druck ausüben wird, um Leben und Tod kämpfen, um nichts abzugeben, entgegenzustehen, da die Propaganda durch diesen Konflikt aufgebaut wird".

Die Russische Föderation könne zwei Variante für die weitere Lockerung der Situation ausnutzen, erklärte der russische Oppositionspolitiker Leonid Gosman in einem Interview für das Portal „Obosrewatel": den Druck auf Geistliche des Moskauer Patriarchats auszuüben, Provokationen auf religiösen Basis anzuzetteln und andere orthodoxe Kirchen zu beeinflussen, damit sie sich negativ zur Wahl der Ukraine zeigen bzw. mindestens auf Abstand gehen. Ihm zufolge sei die Russisch-orthodoxe Kirche keine Kirche im Vollsinn des Wortes. Stalin hat sie 1943 als eine staatliche Struktur gründen lassen: "RPZ war und wird ein Einflussinstrument unserer Staatsführung auf die Länder sein, auf deren Territorien es unsere Gemeinden gibt. Die Lockerung der RPZ ist eine Lockerung deren Einflussmöglichkeiten".

"...Ich glaube nicht, dass alle orthodoxen Kirchen die neue ukrainische Kirche in eucharistische Communio aufnehmen werden. Man kann vermuten, dass es zur Weltspaltung im orthodoxen Christentum kommt. Für die Anerkennung der Orthodoxen Kirche der Ukraine können in manchen Fällen Jahrzehnte und vielleicht sogar über Jahrhunderte in Anspruch genommen werden", meint der Religionswissenschaftler Olexij Smirnow.

Ausschlaggebend für den Erfolg der Orthodoxen Kirche der Ukraine wird der Übergang von Gemeinden der ehemaligen Ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zu der Landeskirche und ihre Anerkennung von anderen Landeskirchen der Welt sein.

... nun wird der Erfolg von ukrainischen Kirchengängern...

Noch vor der Erhaltung von Tomos haben über 30 Gemeinden in neun Regionen beschlossen, zu der neuen Ukrainischen Kirche zu wechseln. Am 7. Januar war der erste Fall des Übergangs von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zur Orthodoxen Kirche der Ukraine in der Region Riwne. Und wodurch ist man begeistert: Mehr als 300 Mitglieder der Gemeinde haben für diesen Beschluss gestimmt. Kein Kirchengänger war dagegen. In der Bukowyna haben noch 15 Gemeinden zur der PZU gewechselt.

Die Vertreter der Ukrainischen Orthodoxen Kirche in der Bukowyna teilten mit, dass die Sprache des Gottesdienstes, woran man gewöhnt sind, für die Nationalminderheiten aufbewahrt werde.

Um diesen Übergäng und dessen Einzelheiten feststellen zu können, hat die Redaktion des religiösen Informationsdienstes der Ukraine eine interaktive Karte ins Leben gerufen, die erneuert wird. Man kann hier Informationen über eine Ortschaft, den Namen der Kirche/der Gemeinde, über das Übergangsdatum in manchen Fällen auch über die Umstände der Änderung der Gerichtsbarkeit sowie Links auf die Nachrichten mit ausführlicheren Informationen erhalten. Diese Karte ist ein Versuch, die Fälle des Übergangs der Gemeinden von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zu  katalogisieren und den Ausmaß und die Geographie dieser Erscheinung zu zeigen.

... und 14 orthodoxen Landeskirchen abhängen

Präsident Petro Poroschenko hat die orthodoxen Kirchen der Welt aufgerufen, die Orthodoxe Kirche der Ukraine anzuerkennen. Dies erklärte er nach der Liturgie in der Sophienkathedrale in Kyjiw. "Wir rufen alle orthodoxen Kirchen weltweit auf, sie (die Orthodoxe Kirche der Ukraine - Red.) als ihre Schwester anzuerkennen, sie unter dem Namen die Heilige Kirche der Ukraine als solche zu erwähnen, die die historische Stadt Kyjiw als ihren Bischofsstuhl hat", betonte Poroschenko.

Noch im November analysierte ein Ukrinform-Experte, "wer ist wer" auf der orthodoxen Karte der Welt. Am meisten abhängig von Russland sind das syrisch-orthodoxen Patriarchat und Syrien und die Serbische Orthodoxe Kirche.  

Gazeta Wyborcza betont, dass auch die Polnisch-Orthodoxe Kirche für Moskau sei.

Die Georgische Kirche befürchtet, dass die Russische Kirche im Falle der Unterstützung der Autokephalie der Ukrainischen Kirche den Separatisten-Regionen Abchasien und Südossetien die kirchliche Unterstellung abnehmen werde. Zurzeit sind sie tatsächlich von der Georgisch-Orthodoxen Kirche nicht kontrollierbar. Allerding erkennt die RPZ diese Regionen für das kanonische Territorium der Georgischen Kirche an, meldet Radio Liberty.    

Die Griechisch-orthodoxe Kirche hat bereits die Prozedur der Anerkennung der einheitlichen autokephalen orthodoxen Landeskirche der Ukraine eingeleitet. Das wurde am 7. Januar bei der Sitzung des Heiligen Synods der Griechisch-orthodoxen Kirche beschlossen, teilt die Webseite Ortodoxia.Info mit.

Bei der Sitzung wurde der Brief des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus anlässlich der Wahl des ersten Oberhauptes der neuen autokephalen Kirche der Ukraine sowie der diesbezügliche Brief des Patriarchen der Russisch-orthodoxen Kirche Kirill erörtert, heißt es.

Der Chefredakteur Ortodoxia.Info Andreas Ludaros betonte noch im Oktober in einem Interview für Ukrinform, dass "... die Selbstisolierung der Russischen Kirche große Chancen habe, real zu werden". Er wies darauf hin, dass die Selbstisolierung der RPZ bereits bei dem Orthodoxen Konzil 2016 auf Kreta wahrzunehmen war, als nur drei orthodoxen Landeskirchen (von Antiochien, Bulgarische und Georgische - Red.) den Verzicht des Moskauer Patriarchats, daran teilzunehmen, unterstützten.

Dem Ehrenpatriarchen der PZU Filaret zufolge werde der größte Teil der orthodoxen Kirchen bei Erhalt von Tomos eucharistische Communio mit der PZU aufnehmen.

"Ein Teil der Landeskirchen sowie die russische Kirche, die Kirche von Antiochien und einige andere werden eucharistische Communio mit der ukrainischen Kirche nicht aufnehmen. Aber es ist zeitweilig. Allmählich werden alle die Gebetseinigung sowohl mit dem Ökumenischen Patriarchen, als auch der ukrainischen Kirche aufnehmen... Es kann sein, dass die russische Kirche, die uns der Spaltung vorgeworfen hatte, selbst für eine Weile in die Spaltung geraten kann... Aber sie wird bereits nicht mehr groß sein, da sich die ukrainische Kirche von ihr trennt... Sie wird deswegen erzwungen sein, unter dem Druck sowohl der Bischöfe, als auch der Gläubigen und der Geistlichkeit, nach der Einigkeit mit dem ganzen orthodoxen Christentum zu suchen", sagte Filaret.

Was kann und soll gemacht werden

Erstens muss man verstehen und begreifen, dass der Weg zur Anerkennung der Ukrainischen Landeskirche auf der Welt wirklich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als wir das möchten: kann sein 5 bis 10 Jahre... im historischen Maßstab sehr bald... Es geht wohl nicht um feindlichen Gegendruck. Wie es auch der Fall mit der EU war, muss die Zeit verlaufen, bis sich die Ukraine von gefestigten Stereotypen ihr gegenüber losmacht: korrupt, oligarchisch, kriminell, ein Bruchstück des aggressiven Imperiums. Nicht zufällig wurde in Russland eine besessene Kampagne genau so viel wie "nazistische" zur Deskreditierung der ukrainischen Landeskirche aufgeflammt.

Zum zweiten muss man im Gedächtnis behalten, dass der Sieg nur durch "weiche Macht" möglich ist: die Aufrichtigkeit, die Herzlichkeit, die Weisheit... Und das ist eine Sache nicht nur der religiösen Gemeinden, sondern der ganzen Gesellschaft. Aber man beurteilt doch ein Land nicht nach dessen frommen Bürgern, sondern nach dem Sachstand darin insgesamt.

Deswegen zum dritten stehen Monate oder Jahre (?) der "Volksdiplomatie", ausdauernde Mitteilungen über sich vorne: über die Geschichte, über die Träume und die Errungenschaften, über die Änderungen im Land, die auf die Zukunft gerichtet sind. Diejenigen, die die Orthodoxe Kirche der Ukraine nicht anerkennen wollen werden, müssen in eine Situation geraten, wenn ihr Verzicht so aussehen wird, was er in der Tat ist: offensichtliche Absurdität aus Moskauer Themenplänen (Temniki - Red.).

Oleksander Wolynskyj, Kyjiw

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