Kriegstheater Weißrussland: Kreml probt großen Krieg

Kriegstheater Weißrussland: Kreml probt großen Krieg

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Ukrinform
Russland übt das Szenario eines europäischen Konflikts in Weißrussland

Alle, buchstäblich alle Militäroperationen, die Russland in der letzten Zeit durchführt, haben ein gemeinsames und beeindruckendes Merkmal. Alle Kriegshandlungen, alle Zerstörungen von Dörfern und Städten, Diebstahl von Infrastruktureinrichtungen, alle Tötungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Plünderungsfälle, das alles findet außerhalb des Staatsgebiets Russlands statt.

Auch die Antiterror-Operationen, mit denen sich das russische Militär und Spezialeinheiten in Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan regelmäßig beschäftigen, sind keine Ausnahme von dieser Regel. Diese Kaukasusrepubliken gehören de jure der Russischen Föderation, de facto, mental und psychologisch, sind sie schon lange keine Teile Russlands und werden von der Bevölkerung der „Metropole“ als etwas Feindliches, Wildes und Unbegreifliches empfunden, als ein typisches „Auslandsgebiet“, das ohne Mitleid und Gewissenbissen zerstören werden darf.

In diesem Zusammenhang kann man an einen klassischen Spruch erinnern. Der Spruch „den Feind mit wenig Blut in seinem eigenen Land zu besiegen“ gehört dem „roten“ Marschall Kliment Woroschilow. Das sagte er, so ist die Ironie der Geschichte, in Kiew, noch im Jahr 1936.

Was passierte danach ist gut bekannt. Das Konzept veränderte sich nicht wesentlich. Wie früher „stalinsche Falken“ bevorzugen auch jetzt russische Generäle gemeinsam mit „Weisen“ aus dem Kreml, ihre eigenen Interessen durch Blutvergießen in den fremden Ländern, ob in der Ukraine, in Georgien, Moldawien oder in Aserbaidschan zu erreichen.

In diesem Zusammenhang sollte das russische (genau, das russische!) Militärmanöver „Zapad 2017“, das im Hebst in Weißrussland stattfinden soll, der weißrussischen Führung Sorge bereiten. Unter den nächsten postsowjetischen Nachbarn Russlands (Weißrussland ist keine Ausnahme) gibt es praktisch keine Länder mehr, die von gesellschaftlichen Konflikten und Blutvergießen verschont waren. Fast überall stecken Russen dahinter. Statt der Bildung eines Gürtels der Stabilität und einer freundlichen Umgebung um das Land, sät Russland Krieg und Ruine, und dieses seltsame Verhalten hat man schon in der ganzen Welt bemerkt.

Auch in diesem Fall ist das so genannte russisch-weißrussische Militärmanöver „Zapad 2017“ ist nur ein Teil der russischen gleichnamigen strategischen Kommandostabsübung auf den riesigen Territorien und mit der Teilnahme der großen Zahl der Truppen. Diese russische Übung ist eine Probe für einen großen europäischen Waffenkonflikt, der, gemäß dem Plan und Szenario, im Staatsgebiet Weißrussland und seiner Nachbarn geführt werden wird.

Braucht das Weißrussland? Das ist eine rhetorische Frage. Zumindest für den Generalstabs Weißrussland, der die Aufregung um das Manöver im eigenen Land „künstlich“ und „nicht adäquat“ nannte.

Versuchen wir zu verstehen, wo die Wahrheit verborgen ist.

In der strategischen Richtung West...

Es ist nichts Überaschendes an diesem russischen Manöver. Die Kommandostabsübungen finden abwechselnd (alle vier Jahre) in den Militärbezirken der russischen Streitkräfte (Südlicher, Westlicher, Zentraler, Östlicher und der Region Arktis) statt. Es ist vorgesehen, dass sich diese Militärbezirke im Fall der Kriegsdrohung in Vereinigte Strategische Kommandos „Süd“, „West“. „Zentrum“, „Ost“ und „Nord“ verwandeln. 

In der Regel gehen einer der Kommandostabsübungen im Jahr seiner Durchführung eine oder zwei große Überprüfungen der Gefechtsbereitschaft von Stäben und Truppen des bestimmten Militärbezirkes mit einer Reihe von Maßnahmen bezüglich der Aufstellung der Verwaltungsorgane (Kommando- und Kommunikationspunkte) in den bestimmten Gebieten, Verstärkung der Truppenverbände mit Personal und Kriegsgerät, darunter auch aus den anderen Militärbezirken (kombiniert, über lange Strecken), die Übung der möglichen Varianten der Truppenkoordination und Kamphandlungen in einer bis zwei strategischen Richtungen, auch gegen die NATO-Truppen (Kräfte), voraus.

Gerade solche Kommandostabsübung der Streitkräfte der Russischen Föderation „Zapad -2017“ ist für den Zeitraum vom 14. bis 20. August geplant. Die Kommandostabsübung findet gemäß den Plan der operativen und Kampfvorbereitungen im Westlichen Militärbezirk der russischen Streitkräfte statt. 

Der Generalstab russische Streitkräfte will während des Manövers

Plan des strategischen Einsatzes der russischen Streitkräfte in der strategischen Richtung West überprüfen und präzisieren

 Reserve und Stand der Vorbereitung zur Mobilisierung der Wirtschaft, Verkehrs und des Systems der Staatsverwaltung Russlands auf die Tätigkeit während der Sonderperiode und des Kriegszustands einzuschätzen

Gemäß dem Plan der militärisch-russischen Führung der Russischen Föderation sollen während der Kommandostabsübung „Zapad -2017“ folgende Variante des bewaffneten Kampfes geübt werden:

gegen die Blockade der Exklave Kaliningrad und seine Einnahme durch Koalitionstruppen der USA/NATO

gegen den Versuch der Deokkupierung der Krim und/oder „Volksrepubliken Donezk und Luhansk“ durch die Ukraine mit Unterstützung der westlichen Verbündeten

gegen den Versuch, politisches Regime in einem der mit Russland verbündeten Länder zu ändern

Tarnung durch den Nachbar

Im Rahmen der operativen Tarnung der wahren Ziele und des wahren Ausmaßes, sowie der realen Aufgaben der Kommandostabsübung „Zapad -2017“ ist das russisch-weißrussisch Manöver (des Unionsstaates Russland und Weißrussland) unter dem identischen Decknamen „Zapad -2017“ auf dem Territorium Weißrusslands geplant.

Die russisch-weißrussischen Übungen wie „Zapad -2017“ finden alle zwei Jahre auf dem Territorium Russlands und Weißrusslands statt. Sie werden seit 2009 abgehalten. Präsidenten beider Länder, Dmitri Medwedew und Alexandr Lukaschenko, besuchten das erste Manöver und trafen die Entscheidung, die Übung regulär durchzuführen. 

Im September 2017 wird der praktische Teil des Manövers auf sechs Truppenübungsplätzen, Lepelsk, Borisow, Loswido, Osipow, auf den Übungsplätzen der Luftstreitkräfte und Luftabwehr Ruschansk und Domanowsk, sowie „… auf einem Gelände auf der Territorium der Republik nahe der Ortschaft Dretun“ abgehalten. Am Manöver sollen bis 12.700 Soldaten teilnehmen, davon etwa 10.200 in Weißrussland: 7200 Angehörige der weißrussischen Streitkräfte und mehr als 3000 russische Militärangehörige. Am Militärmanöver sind 680 Stück Militärtechnik beteiligt.

Bei dieser Zahl darf man internationale Organisation nicht informieren, die Veranstalter des Manövers planen jedoch, die in Minsk akkreditierte Militärattachés, sowie Vertreter der UNO, der OSZE, NATO, der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, einzuladen. Insgesamt werden mehr als 80 Beobachter eingeladen, darunter Beobachter aus den Nachbarländern Polen, Litauen, Lettland und der Ukraine, sowie aus Estland, Schweden und Norwegen.

Die ersten Militärangehörigen der russischen Streitkräfte, die sich mit der Vorbereitung des Manövers „Zapad -2017“ beschäftigen, sind in Weißrussland noch im Juni des laufenden Jahres angekommen.

Die Kommandostabsübung der Streitkräfte der Russischen Föderation „Zapad -2017“ unterscheidet sich von der vorherigen Kommandostabsübung „Zapad -2013“ durch die viel größere räumliche Ausdehnung und die größere Zahl der Soldaten und Technik.

So wird vorgesehen, dass die Kommandostabsübung „Zapad -2017“ praktisch in allen europäischen Gebieten der Russischen Föderation (in den militärisch-administrativen Grenzen der Vereinigten Strategischen Kommandos „Süd“, „West“. und „Nord“ der russischen Streitkräfte), auf der besetzen ukrainischen Halbinsel Krim sowie in den Gebieten der „Volksrepubliken Donezk und Luhansk“, entlang der Staatsgrenze der Ukraine, insbesondere in den Richtungen Mariupol, Donezk, die Sloboda-Ukraine, Polesien, in Weißrussland, sowie im Schwarzen Meer, Mittelmeer und in der Ostsee, abgehalten wird.   

Neben der Streitkräfte werden an der Übung auch Staatsorgane auf den föderalen, regionalen und lokalen Ebenen, Einheiten der Nationalen Garde (RosGarde), des Innenministerium, des Geheimdienstes FSB, des Katastrophenschutzministeriums, des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation usw. teilnehmen.

Die tatsächliche Zahl der Teilnehmer von allen Maßnahmen im Rahmen der Übung „Zapad -2017“ wird von Experten auf 230.000 bis 240.000, die Zahl der Technik auf mehr als 10.000, auf etwa 100 Flugzeuge und rund 40 Schiffe/U-Boote, geschätzt.

Also, unter Berücksichtigung von Besonderheiten der jetzigen militärisch-politischen Situation um Russland, vor allem im Zusammenhang der weiteren Verschärfung der Konfrontation mit den USA, der NATO und EU, verfolgt die Kommandostabsübung „Zapad -2017“ ein geostrategisches Ziel, und zwar die Demonstration der militärischen Stärke Russlands gegenüber den USA und Europa und der Bereitschaft, sie anzuwenden.

Angriffsstrategie

Eine Überprüfung der Gefechtsbereitschaft der russischen Streitkräfte nach der Winterzeit im März-April dieses Jahres war praktisch die „Probe“ für die Kommandostabsübung „Zapad -2017“.

Basierend auf der Analyse von Maßnahmen zur operativen Vorbereitung und zur Kampfvorbereitung der russischen Streitkräfte, die dabei überprüft wurden, sieht das Szenario des Manövers „Zapad -2017“ die Übung der Organisation und der Durchführung einer Angriffsoperation in der westlichen strategischen Richtung, und von Verteidigungsoperationen in den anderen strategischen Richtungen vor.

Dafür war die gemeinsame Übung der taktischen Bataillonsgruppen der 106. Luftlandedivision (Stab in der Stadt Tula) der russischen Streitkräfte und der 103. selbstständigen Luftlandebrigade der Spezialeinsatzkräfte der weißrussischen Streitkräfte im April dieses Jahres in der Oblast Witebsk in Weißrussland besonders relevant. Im Rahmen der Übung wurden Aufklärungs- und Sucheinsätze in die Tiefe bis 100 Kilometer geübt, mit dem Ziel, Routen für die Hauptkräfte zu bestimmen und vordere Gebiete zu erobern und verteidigen.

Im gleichen Zeitraum absolvierte die Baltische Flotte Russlands die Übung zur Landung der Marineinfanterie der 336. Brigade der Marineinfanterie der Baltischen Flotte (die Stadt Baltijsk, Oblast Kaliningrad) und zum Angriff auf Einrichtungen des Gegners mit Raketenschiffen und Marinefliegern.

Am offensiven Manöver waren auch Einheiten der 1. Panzerarmee (Stab in der Stadt Naro-Fominsk, Oblast Moskau), der 20. Armee (Stab in der Stadt Woronesch), der 6. Armee (Stab in der Stadt Sankt-Petersburg) und der 1. Armee (Stab in der Stadt Sankt-Petersburg) der Luftstreitkräfte / Luftverteidigung beteiligt.

Gleichzeitig wurden Elemente einer Verteidigungsoperation in der südwestlichen strategischen Richtung (Schwarzmeerrichtung) geübt. Die meisten Maßnahmen fanden auf der Krim statt und umfassten die gemeinsame Übung der taktischen Bataillonsgruppen der 7. Luftlandebrigade (Stab in der Stadt Noworossijsk), der 56. Luftlandebrigade (Kamyschin) und der 11. Brigade (Ulan-Ude) sowie die Übung der 126. Brigade der Küstentruppen der Schwarzmeerflotte.

Die Aufgaben dieser Maßnahmen waren die Aufstellung der Einsatztruppen für die Verstärkung der Streitkräfte auf der Krim; die Verteidigung gegen Landungstruppen in Koordination mit der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation; die Vernichtung des Gegners in der Tiefe der Krim mit Unterstützung der taktischen Luftwaffe und der Luftwaffe des Heeres; die Vernichtung der Saboteure und die Übernahme der Kontrolle über wichtige Objekte.

Einige Komponente der Verteidigungsoperation wurden auch bei der Übung der Schwarzmeerflotte mit Beteiligung der Einheiten der 49. Armee (Stab in der Stadt Stawropol) und der 58. Armee (Stab in der Stadt Wladikawkas), sowie der 4. Armee (Stab in der Stadt Rostow am Don) der Luftstreitkräfte / Luftverteidigung der Streitkräfte Russlands geübt.

Die Aufgabe der Übung der 14. Armee (Stab in der Jekaterinburg, operativ unterstellt dem Zentralen Militärbezirk) der Luftstreitkräfte / Luftverteidigung der Streitkräfte Russlands war die Verstärkung der Luftverbände der Raketentruppen Strategischer Bestimmung in den westlichen und südlichen strategischen Richtungen.

Schachbauer und Akteure

Unter Berücksichtigung der oben genannten Umstände, werden an der Kommandostabsübung „Zapad -2017“ in der Hauptrichtung, der westlichen strategischen Richtung, Einheiten des Westlichen Militärbezirks, sowie Einheiten der anderen Militärbezirke und Teilstreitkräfte der russischen Streitkräfte beteiligt.

Die Hauptteilnehmer der Übung sollen die 1. Panzerarmee, die 6. und 20. Armeen, die 1. Armee (Stab in der Stadt Sankt-Petersburg) der Luftstreitkräfte / Luftverteidigung, Einheiten der 76. (Stab in der Stadt Pskow), 98. (Stab in der Stadt Iwanowo) und 106. (Stab in der Stadt Tula) Luftlandedivisionen, sowie Kräfte der Baltischen und Nordflotte (darunter neu gebildete die 11. und 14. Armeekorps der Küstentruppen), werden. Außerdem nehmen am Manöver die Streitkräfte Weißrusslands teil.

An der Übung einer Verteidigungsoperation in der südwestlichen (die Ukrainische und Schwarzmeerrichtung) strategischen Richtung werden Einheiten der 8. und 49. Armeen des Südlichen Militärbezirks der russischen Streitkräfte, der Truppengruppierung auf der Krim, der 7. Luftlandedivision, der 21. und 56. selbständigen Luflandebrigaden, sowie der 1. Armee der Luftstreitkräfte / Luftverteidigung der Streitkräfte Russlands und der Schwarzmeerflotte teilnehmen.

Die 8. Armee mit Stab im Rostow am Don, die 2017 in der Ukrainischen Richtung aufgestellt wurde, zusammengestellt aus der 150. motorisierten Schützendivision (neugebildet, Stab in der Stadt Nowotscherkassk) und der 20. motorisierten Schützenbrigade (Stab in der Stadt Wolgograd, früher gehörte der 49. Armee) werden sich zum ersten Mal an der der Kommandostabsübung „Zapad -2017“  beteiligen.

An der Kommandostabsübung „Zapad -2017“ werden auch Einheiten der Sicherheitsbehörden Russlands teilnehmen, darunter der Nationalen Garde (RosGarde), des Innenministerium, des Geheimdienstes FSB, des Katastrophenschutzministeriums, der Föderalen Agentur der Regierungsfernmeldewesen usw.

Die russischen Truppen (darunter die 1. Panzerarmee) werden in die für die Kommandostabsübung „Zapad -2017“ bestimmte Gebiete seit Anfang August verlegt. Es ist merkwürdig, dass die Transportmenge über die Schiene nach Weißrussland um 33 Mal im Vergleich zum Jahr 2015 und um 83 Mal im Vergleich zum Jahr 2016 steigen werden. Insgesamt werden 2017 4162 Waggons militärische Güter nach Weißrussland bringen.

Westliche Militärspezialisten und Experten sind von dieser Tatsache nicht unbegründet besorgt, im Zusammenhang mit der Möglichkeit, dass Russland sein Kriegsgerät in Weißrussland – an der östlichen Grenze der NATO, - (nach dem Manöver) lassen kann. Das wird zu einem bedrohlichen Aufbau der Militärinfrastruktur der Russischen Föderation an der Grenze zu NATO-Ländern führen.

Die Konzentration der russischen Truppen, darunter Panzereinheiten, Schützen- und Artillerieeinheiten, wird auch nahe der ukrainischen Grenze, darunter in den östlichen Rayons der russischen Oblaste Woronesch und Rostow am Don registriert. 

Große Vorbereitungen

Planmäßige Vorbereitungen auf die Kommandostabsübung „Zapad -2017“ wurden in den letzten Tagen des Augustes dieses Jahres durchgeführt. In diesem Zeitraum wurden die gemeinsamen Sonderübungen mit Führungsorganen des Militärs und der Fernmeldetruppe, mit Logistik-und Versorgungsorganisationen der Streitkräfte beider Länder organisiert. Die Übungen hatten die Unterhaltung von Straßen und Objekten, die Rückführung und Instandsetzung von beschädigten Kriegsgeräte, den Bau von Rohrleitungen und Tankstellen für die Truppen zum Ziel.

Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Kommandostabsübung „Zapad -2017“ in Weißrussland wurde auch eine Reihe von Maßnahmen der operativen und Kampfvorbereitungen durchgeführt, darunter die russisch-weißrussische Übung der Einheiten der elektronischen Aufklärung und des funkelektronischen Kampfes (mit Beteiligung von mehr als 1000 Soldaten und 150 Anlagen), die gemeinsame russisch-weißrussisch-serbische Übung „Slawische Bruderschaft 2017“, die gemeinsame Übung des selbständiges Pionierbataillons der 1. Panzerbrigade der russischen Armee und 118. Ingenieurbrigade der Streitkräfte Weißrusslands im Juli dieses Jahres, die gemeinsame Übung der Fernmeldetruppen Russlands und Weißrusslands.

Nach Worten des Verteidigungsministers Sergej Schoigu wird der Kommandostabsübung „Zapad -2017“ die komplexe Übung für föderale und regionale Exekutivorgane sowie für Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation vorausgehen, um ihre Tätigkeit während des Krieges zu prüfen.

Nach der Erfahrung aus den vorherigen Kommandostabsübungen kann vor der aktiven Phase der Übung (10 – 14 Tage) eine „unerwartete Überprüfung“ der Gefechtsbereitschaft der Stäbe und Truppen des Westlichen und der anderen Militärbezirke des Streitkräfte Russland mit Versetzung der Einheiten in Alarmbereitschaft und mit ihrer Verlegung in die Gebiete der Kommandostabsübung „Zapad -2017“ durchgeführt werden.

Äußere Umstände und Versuche der Druckausübung

Die Vorbereitungen auf die Kommandostabsübung „Zapad -2017“ finden während der erneuten Verschärfung der russisch-amerikanischen Beziehungen nach dem neuen, kritischen für Russland, Sanktionspaket der USA gegen Russland im August des laufenden Jahres statt. In diesem Zusammenhang wird die Kommandostabsübung „Zapad -2017“ von Moskau als einen unverschämten Versuch und als Instrument zur Druckausübung auf die USA und ihre Verbündete in Europa genutzt.

Unter bestimmten Bedingungen kann der Kommandostabsübung „Zapad -2017“ eine reale Aggression Russlands gegen Polen und baltische Staaten oder eine vollständige Invasion in die Ukraine (darunter auch vom Territorium Weißrusslands) folgen, mit dem Ziel, einen „Landkorridor“ zu Transnistrien und zur Krim zu schaffen und als Maximum, die „ukrainische Frage“ zu seinen Gunsten endgültig zu lösen.

Beschleunigen kann diese Entwicklung ein bewaffneter Konflikt im Asiatisch-Pazifischen Raum zwischen den USA und Nordkorea mit der Einmischung Chinas, was die Weltgemeinschaft von europäischen Problemen ablenken wird.

Die vergangenen Kommandostabsübungen „Kaukasus 2008“ und „Zapad 2015“, die den russischen Angriffen auf Georgien und die Ukraine vorausgegangen waren, beweisen, dass es eine reale Möglichkeit gibt, dass Moskau so handeln wird. In diesem Zusammenhang funktionieren die ähnlichen Kommandostabsübungen als eine Art Probe für solche Abenteuer.

Dabei ist es zu berücksichtigen, dass Russland im Zuge der Maßnahmen zur Stärkung des Kampfpotentials der Westlichen und Südlichen Militärbezirke die Einheiten mit neuem Kriegsgerät weiter ausrüstet.

Nur seit Anfang des laufenden Jahres wurden in die Einheiten des Westlichen Militärbezirks mehr als 500 Stück moderner Militärtechnik geliefert, darunter Kampfpanzer, Raketen- und Artilleriesysteme, Mehrzweck-Kampfjets SU-30SM und verschiedene Fahrzeuge. Auch der Südliche Militärbezirk erhielt mehr als 160 Kampfpanzer und Panzerfahrzeuge. Bis Ende des Jahres soll der Militärbezirk noch insgesamt 1800 Stück Waffen, darunter 900 Panzerfahrzeuge bekommen.

Der Beginn der Aufstellung der Kampfverbände der Streitkräfte Russlands mit Stärke und Material für den Kriegsfall, hat einen  indikativen Charakter. So wurden in der 76. Luftlandedivision der russischen Streitkräfte eine Kampfgruppe auf Ebene des Regiments (auf der Basis des 104. Regiments), und eine Kampfgruppe auf Ebene des Bataillons (gehört dem 234. Bataillon) aufgestellt. Das selbständige Luftlandesturmbataillon der 7. Luftlandedivision wird auf der Krim aufgestellt. Das Bataillon wird im Raum Feodossija stationiert werden und bis zum 1. Dezember 2017 einsatzbereit sein. Auf der Basis dieses Bataillons wird bis Ende 2017 das 97. Luftlandesturmregiment (drittes in der 76. Luftlandedivision) aufgestellt.

Parallel werden im russischen Heer Aufklärungskompanien für Spezialeinsätze (die Entscheidung darüber wurde 2016 getroffen) aufgestellt. Diese Einheiten haben den Auftrag, bestimmte Objekte im Hinterland des Feindes zu suchen und über Aufklärungsergebnisse zu berichten, für den Einsatz von Raketensystemen „Iskander-M“ und Raketenwerfer „Uragan“. In jeder Heeresarmee und Panzerarmee wird je eine Kompanie aufgestellt. Es gibt schon solche Aufklärungskompanien in der 49. und 58. Armeen des Südlichen Militärbezirks der Streitkräfte der Russischen Föderation.

NATO ist wach

Die Führung der Nato, der baltischen Staaten und Polens sind über solche Handlungen Russlands erheblich besorgt und treffen Präventionsmaßnahmen gegen die mögliche Aggression der Russischen Föderation.

So wurde um Rahmen einer Reihe der NATO-Übungen die Truppenpräsenz der Allianz im Baltikum ausgeweitet und Abwehr der möglichen russischen Invasion geübt. Außerdem wurde die Koordination der Stäbe auf verschiedenen Ebenen, Aufnahme von Truppen der Nato-Länder, die auf dem Luft-, See- und Landweg verlegt werden, sowie Verteidigung und Gegenoffensive trainiert.

Das Multinationale Korps Nordost im polnischen Stettin (ihm sind motorisierte Divisionen aus Polen, Deutschland und Dänemark unterstellt) wurde ausgebaut. Auf die Luftwaffenbasis Fairford in Großbritannien wurden Anfang Juni fünf US-Bomber B52 und B1B verlegt. Zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg flogen sie über der Ostsee.

Im Juli dieses Jahres wurde in Litauen vorübergehend das US-Flugabwehrraketensystem Patriot stationiert. Im August wurden sieben amerikanische F-15C Eagle nach Siauliai in Litauen verlegt.

Während der Kommandostabsübung „Zapad 2017“ sind auch eine Reihe von Übungen der USA, Nato und ihrer Partner geplant. So werden die USA und Finnland eine Marineübung unweit der schwedischen Küste durchführen.

Gespenst der Eskalation

Die oben genannten Prozesse verursachen eine Erhöhung der militärischen Spannung in Zentral- und Osteuropa, im Baltikum und in der Schwarzmeerregion. Dabei ist die Möglichkeit einer Erweiterung der russischen Aggression gegen die Ukraine oder eines Angriffs Russlands auf die baltischen Staaten nicht ausgeschlossen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem „heißen“ bewaffneten Konflikt zwischen der Russischen Föderation und den USA/der Nato führen kann.

Gleichzeitige Militärmaßnahmen Russlands und der USA/ NATO in den gleichen Regionen sind sehr gefährlich. Das erhöht die Gefahr der Provokationen und Konfrontation der Parteien (darunter mit Beteiligung der Träger der Atomwaffen) mit unabsehbaren Folgen.

Nach den Worten des Generalstabschefs der ukrainischen Streitkräfte Wiktor Muschenko verfolgt die Ukraine aufmerksam die russische Übung in Weißrussland und ist bereit, auf mögliche Bedrohungen des Kremls zu reagieren. Er erinnerte daran, dass auf dem ukrainischen Territorium ein „Komplex der taktischen Übungen“ stattfindet, die zeitlich und örtlich (vielleicht zufällig!) mit den russischen zusammenfallen.

Diese Äußerungen und die Information über Einberufung von Reservisten der operativen Reserve zur Übung, lassen uns hoffen, dass die Ukraine zu bedenkenlosen Handlungen der Strategen aus dem Kreml bereit ist. Wegen dieses Umstands verliert aber die Ukraine ihren Status als Prioritätsziel in den aggressiven Plänen und Absichten Moskau nicht. So verspricht der September des laufenden Jahres heiß zu sein…

Juri Radkowez, Vizepräsident des Unabhängigen Zentrums für geopolitische Studien „Borisphen Intel“, Kandidat der Militärwissenschaften, Dozent, Generalleutnant a.D.

Kiew  

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