Dmytro Kosazkyj: Augen von Asowstal

Dmytro Kosazkyj: Augen von Asowstal

Ukrinform Nachrichten
Fotos des Leiters des Pressedinestes des Asow-Regiments, Dmytro Kosazkyj, aus dem Stahlwerk Asowstal gingen um die Welt.

Sie sind bereits in die Geschichte des heldenhaften Widerstands der Ukraine im Krieg, den Russland begonnen hat, eingegangen.

Der 28-jährige Dmytro mit dem Rufzeichen Orest kommt aus der Stadt Malyn in der Region Shytomyr. 

Seit seiner Schulzeit begeisterte er sich mit Fotografie und träumte davon, Militärjournalist zu werden. Parallel zu seinem Dienst im Regiment Asow studiert er Politikwissenschaften an der Nationaluniversität „Ostroska Akademija“.

Romantiker und Philosoph von Natur aus demonstrierte er bei der Verteidigung von Mariupol im Stahlwerk Asowstal stahlharten Widerstandswillen. Trotz der extrem schwierigen Bedingungen versicherte er seinen Angehörigen und Freunden, dass es ihm gut gehe und sogar Witze machte.

Dank der Bilder von Dmytro  Kosazkyj sah die Welt die Gesichter der mutigen Verteidiger von Mariupol. Er ist der Autor des bereits legendären Fotos „Das Licht wird siegen“. Der ukrainische Militär ist auch durch Aufführung des Songs „Stefania“ - die Band Kalush Orchestra gewann den Eurovision Song Contest 2022 gewonnen - zu den Klängen des Beschusses und durch sein Video mit dem Titel "Festung Mariupol. Der letzte Tag im Asowstal“ bekannt.

Dmytro Kosazkyj wurde zusammen mit Blutsbrüdern aus Asowstal evakuiert. Sie sind jetzt in russischer Haft. Er bat in sozialen Netzwerken seine Bilder zu Wettbewerben einzureichen. Dmytro hat viele Pläne vor sich, aber jetzt ist es das Wichtigste, dass er mit seinen Blutsbrüdern heimkehren.

WIE EIN BLAUÄUGIGER ROMANTIKER ZUM MILITÄR WURDE

Eine Korrespondentin von Ukrinform hat mit der Mutter des Helden und seinen Bekannten gesprochen. Sie erzählten über Dmytro Kosazkyj.

Die Geschichte von Dmytro Kosazkyj, seiner Familie und seiner Heimatstadt ist eng mit dem großen Krieg verbunden, der seit mehr als drei Monaten in der Ukraine andauert. Während sich das Militär in Asowstal befand, war seine Mutter Dolmetscherin im Evakuierungszug Kyjiw – Ushgorod. Trotz persönlicher Schmerzen teilte sie das Leid der Menschen, die sich vor dem Krieg retteten. Inzwischen beschießen die Russen ihre Heimatstadt Malyn, gnadenlos diese antike Stadt zerstör zu haben.

Mit Dmytros Mama, Iryna Jurtschenko, haben wir telefoniert. Vor dem Gespräch mit ihr war ich ein wenig erregt, um ihr nicht noch mehr weh zu tun. Seine Mutter verhält sich jedoch mutig. Und viele Menschen, die sich über das Leben im Hinterland beschweren, sollten noch von ihr die Standhaftigkeit lernen. Frau Iryna ist bereits 30 Jahre als Schaffnerin bei Ukrsalisnyzja (die ukrainische Eisenbahngesellschaft – Red.) tätig. Sie hat noch eine 18-jährige Tochter.

„Ich habe Dmytro immer erzählt, dass ich ihm Wiegenlieder gesungen habe, als er noch in meinem Bauch war. Ich habe ihn und die Tochter immer gebeten, in jeder Situation Menschen zu bleiben. Von Kindheit an haben alle Großmütter aus unserem fünfstöckigen Haus meinen Sohn sehr geliebt. Sobald er eine von ihnen mit der Tasche sah, lief er, um zu helfen. Dmytro lernte in der Schule Nr, 4 in der Stadt Malyn. Er lernte gern, liebte Lehrerinnen und Lehrer“, sagte Iryna.

Der Mutter zufolge war ihr Sohn nicht der beste Schüler. Er lernte aber gut. Dmytro las viel, mag den Geschichtsunterricht sehr gerne, nahm an Olympiaden in Physik, Informatik teil.

„In der Schule war er vielseitig und kreativ. Mein Mann wollte, dass sich der Sohn Sport, Ringen machte statt Blumen und Schmetterlinge  aufzunehmen… Er hat immer ungewöhnliche Fotos gemacht. Dmytro war ein Romantiker und ich glaubte niemals, dass er ein er ist Armeeangehöriger wird. Er sah die Welt durch rosarote Brille und hatte auch rosa Träume. Habe ich mit ihm aus Asowstal gesprochen, sagte er sogar dann, dass alles gut sei. Aber wenn wir ab und zu per Videoschalte sprachen, habe ich seine Augen gesehen. Und sie sagten mir alles. Ich habe versucht, mich zu halten, habe Beruhigungsmittel eingenommen und gesagt: „Dmytro, Alles ist gut“. Und er fasste sich ohne Tabletten zusammen und sprach mit mir und seinem Schwesterchen so, dass wir nicht die geringste Aufregung bemerkt hätten“, erzählt die Mutter.

Nach der Schule studierte Dmytro Informatik an der Universität für Informationstechnologien und Management im polnischen Rzeszów. Als ukrainische Studenten 2013 auf den Euromaidan gingen, kehrte er zu den Weihnachtsferien in die Ukraine zurück und blieb hier. Dann begann die Revolution der Würde. Und 2015 trat Kosazkyj der Nationalgarde der Ukraine in Mariupol bei und zwei Jahre später wechselte er zum Asow-Regiment.  

„Er hat mich gefragt: “Mama, wie siehst du das an? Und ich antwortete, das sei seine Entscheidung und ich treffe sie“, erinnert sich Frau Iryna. „Ich war sogar zufrieden, da er immer mit Begeisterung über das Asow-Regiment erzählte.“Mama, hier ist es alles so stimmig, wir hören uns, hier sind alle gleich“. Er war begeistert vom Asow-Regiment. Er bereitete sich lange vor, um dorthin zu gelangen“, erzählt Iryna.

Der Militärangehörige kam traditionell im Urlaub zu Neujahr und Ostern nach Hause. Und er machte Überraschungen für seine Mutter an ihrem Geburtstag. Seine Familie besuchte Dmytro auch in Mariupol mehrmals im Jahr.

Parallel zu seinem Militärdienst im Asow-Regiment begann er sein Studium der Politikwissenschaften an der Nationaluniversität „Ostroska Akademija“.

„DANKBAR DER FESTUNG ASOWSTAL, DIE DAS LEBEN MEINES SOHNES GERETTET HAT“

Zwei Tage vor dem Krieg rief ihr Sohn sie an und bat sie, einen Alarm-Koffer zu packen, so Iryna Jurtschenko weiter. Am 24. Februar um 05:45 Uhr erfuhr die Mutter vom Sohn, dass der Krieg begannen habe. Er bat sie, alle Angehörigen und Bekannten anzurufen und ihnen zu sagen, damit sie das Nötigste dabei haben. Die Mitter erfüllte die Aufgabe ihres Sohnes. Bereits am 25. Februar kam sie nach Kyjiw. Binnen zehn Tage half sie, Menschen mit der Bahn zu evakuieren.

„Ich wusste, dass sie sich in Mariupol befinden. Und seit dem 1. März waren die Verteidiger der Stadt Dmytro zufolge bereits im Stahlwerk Asowstal. Vom Fenster Dmytros Wohnung  aus war dieses Werk zu sehen. Ich sah Emissionen daraus und war immer empört, weil ich diese Atmosphäre nicht mochte. Aber als der Sohn sagte, er sei in Asowstal, dankte ich dann sehr oft diesem Werk, seinen Mauern und dieser Festung, die viele Leben bewahrt hat - meinem Sohn, den Kämpfern, Zivilisten und Kindern. Ich las alle Nachrichten, besonders über Asowstal. Das Herz blutete mir und war gebrochen. Ich weinte leise, damit dies niemand sah. Dann riss ich mich zusammen und versuchte festzuhalten. Ich freute mich, dass ich arbeite. Ich konnte doch nicht den Fahrgesten meine Tränen zeigen. Ich musste doch sicher sein und ihnen beweisen, dass sie bereits in Sicherheit sind. Sie hatten es damals sehr schwer“, sagt Iryna.

Als Dmytro in Asowstal war, korrespondierte seine Mutter mit ihm hauptsächlich in sozialen Netzwerken. Sie schrieb ihm morgens. Jede ihre Mitteilung las sie mehrmals und schrieb um, damit kein Wort ihren Sohn aufregen konnte. Und sie war auf seine Antwort gespannt und freute sich darüber. Dmytro antwortete gewöhnlich kurz. Er schrieb, dass es ihm gut gehe. Er fragte, wie es den Angehörigen gehe. Erst in den letzten Tagen der Aufenthalt der Verteidiger von Mariupol in Asowstal gelang es Angehörigen von Dmytro Kosazkyj mit ihm per Videoschalte zu sprechen.

"Über die Evakuierung aus dem Werk Asowstal habe  ich aus  Nachrichten erfahren. Der Sohn hat per Videoschalte der ganzen Familie gezeigt, dass es ihm gut geht. Er hat mich gewarnt, dass er vielleicht ein paar Tage nicht in Kontakt sein werde, aber keine Sorge, weil es so notwendig sei. Die Taten und Entscheidungen des Asow-Regiments und seiner Führung sind toll und überlegt. Ich weiß, was es so nötig ist, weil sich das Asow-Regiment nicht aufgibt. Ich glaube, es ist keine Gefangenschaft, denn Gefangenschaft ist dann, wenn sich Feiglinge aufgeben. Und es ist nur eine Evakuierung. Der Sohn hat mich damals gebeten: „Mama, kauf dir Beruhigungsmittel, damit sie dir helfen. Ich möchte dich unbedingt ruhig und schön sehen, wenn wir uns treffen“. Ich habe sie gekauft. Ich nehme sie ein. Sie helfen mir. Bald rief er mich von einer anderen Nummer an und sagte: „Alles ist in Ordnung, wir leben, in Verbindung“, setzt Iryna Jurtschenko fort.

Dmytro Kosazkyj wollte Militärjournalist werden. Und sein Traum ist in Asowstal wahr geworden, denn die Fotos, die er dort gemacht hat, um die Welt gingen. Seine Mutter sagt, seine Fotos seien die Augen von Asowstal, die die Schrecken des Krieges vermitteln, die mutige Verteidiger von Mariupol erlebt hatten.

Ich frage Frau Iryna, was sie ihrem Sohn und den Helden von Mariupol wünschen würde, deren Rückkehr die ganze Ukraine erwartet. Sie antwortet: „Ich wünsche unserer Ukraine, der Regierung und der ganzen Welt, alles zu tun, was möglich und unmöglich für die baldige Rückkehr unserer Helden nach Hause ist. Ich möchte, dass sie keine Geschichte in den Büchern werden, sondern dass sie hier unsere Geschichte schöpfen. Ich weiß, dass sie sehr vernünftige, intelligente und geduldige Menschen sind, die bald zu ihren Familien zurückkehren. Sie werden weiter den Sieg der Ukraine erreichen".

SELBSTORGANISIERTER, AKTIVER UND AUßERGEWÖHNLICH POSITIVER STUDENT

An der „Ostroska Akademija“, wo der Student Dmytro Kosazkyj studiert, nennt man ihn den Stolz der Universität.

Die Lektoren erzählen, dass er einen Monat vor dem Krieg telefoniert habe, um die Aufgabe zu klären.

"Dmytro Kosazkyj habe ich im Herbst 2020 kennengelernt. Er studierte zunächst Politikwissenschaft. Er begann sein Studium online nach einem individuellen Plan. Ich habe ihm Soziologie unterrichtet. Ich war erstaunt, wie sorgfältig er die Aufgaben erfüllte, sich auf das Schlussmodul vorbereitete. Es gab eine gute Ausbildung und ein hohes Maß an Selbstausbildung, Selbstorganisation", sagt Inna Schostak, Dozentin am Lehrstuhl für Politikwissenschaft und nationale Sicherheit.

Karyna Sacharowa, eine Studentin an der „Ostroska Akademija“, die Kuratorin der Gruppe von Dmytro Kosazkyj teilt mit, dass sie wie auch alle seine Gruppenkameraden mit ihm nur virtuell bekannt sei.

"Wir luden Dmytro zu einer Einweihung in Studenten ein, aber er konnte es nicht. Er schloss sich uns also online an. Dmytro reagierte sofort auf alle Nachrichten, reagierte auf alle Ereignisse, die online stattfanden, versuchte aktiv zu sein, soweit es ihm gelang. Ale er in Asowstal war, haben wir nicht aktiv mit ihm korrespondiert. Es war mir wichtig zu sehen, dass er online war. Ich seufzte dann vor Erleichterung. Es gab Momente, in denen ich etwas schreiben wollte, um Dmytro zu unterstützen. Aber ich war nicht sicher, wie zweckmäßig es ist, ob es ihm nicht weh tut, wie er es wahrnehmen wird.  deshalb habe ich jede Mitteilung – es gab sie nicht viele – sehr gut überlegt. Es war sehr wichtig für mich, dass sie korrekt, taktvoll sind, dass sie ihn maximal unterstützen könnten. Er antwortete immer. Er dankte immer für die Unterstützung und bekräftigte, alles würde gut sein. Von dem Moment an, als wir uns kennenlernten, hörte ich von Dmytro nichts Negatives. Ich erinnerte sich an seinen Tweet, dass er bereit für den Sommer sei, weil er jetzt auf Asowstal-Diät 59 kg wiege. Das ist eine schreckliche Tatsache, aber er hat es mit einem Lächeln und positivmitgeteilt", erzählt Karyna.

Nun warte man an der Universität auf die Rückkehr von Dmytro, um ihn kennenzulernen, und dass er Hochschulausbildung erhalte, was sein Ziel sei, fügte die Studentin hinzu.

Dmytro Kosazkyj verbreitete am Tag vor der Evakuierung Fotos aus Asowstal. Er bat seine Bilder zu Wettbewerben einzureichen.

"Wenn ich etwas gewinne, wird es nach der Freilassung sehr schön sein. Danke allen für die Unterstützung", fügte Dmytro hinzu.

Am Tag vor der Evakuierung  drehte er ein Video mit dem Titel "Festung Mariupol. Der letzte Tag im Asowstal“.

Es zeigt von innen ein Stahlwerk, das durch russische Bomben, ständigen Artilleriebeschuss von Boden und durch Raketen vom Meer zerstört wurde.

In sozialen Netzwerken kommentieren Regisseure Mitteilungen von Dmytro Kosazkyj. Sie seien bereit, Filme auf Basis von Kosazkyjs Videos zu drehen. Das Wichtigste ist nun aber, dass er heimkehrt.

Iryna Tschyryzja, Shytomyr

Fotos von Dmytro Kosazkyj

nj


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