Linas Idzelis, Kommandeur der Litauischen Schützenunion
Europas Plan sollte darin bestehen, alle russischen Invasoren zu begraben
13.04.2026 16:54
Linas Idzelis, Kommandeur der Litauischen Schützenunion
Europas Plan sollte darin bestehen, alle russischen Invasoren zu begraben
13.04.2026 16:54

In Litauen gibt es eine einzigartige paramilitärische Organisation - den Litauischen Schützenverband (LŠS), der von der Regierung unterstützt wird. Gegründet 1919, hat sie sich zum Ziel gesetzt, Bürger in Friedenszeiten für bewaffneten und zivilen Widerstand auszubilden. Die freiwilligen Mitglieder der Union unterstützen staatliche Institutionen in Notfällen, und während des Kriegsrechts unterstehen ihre bewaffneten Formationen direkt den Litauischen Verteidigungskräften. LŠS rekrutiert die jüngsten Mitglieder schon mit elf Jahren, bevor sie mit 18 Jahren den Eid ablegen.

Der derzeitige Kommandeur des LŠS, Oberst Linas Idzelis, ist ein Berufssoldat, der seinen Dienst 1992 antrat und 2023 diese Position übernahm, nachdem seine Kandidatur vom litauischen Premierminister vorgeschlagen worden war.

Ukrinform sprach mit Oberst Idzelis vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse, in denen die russische Aggression gegen die Ukraine und geopolitische Veränderungen Europa zwingen, mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung zu übernehmen und Litauen zusammen mit anderen baltischen Staaten in eine schwierige Lage bringen, da sie direkte Nachbarn der Russischen Föderation sind. Das Gespräch berührte die Verteidigungsbereitschaft der EU, die transatlantischen Beziehungen, die Bedrohungswahrnehmung der europäischen Zivilbevölkerung, die Lehren, die aus den Erfahrungen der Ukraine gezogen werden sollten, um Europa zu stärken und widerstandsfähiger zu machen, sowie die Geschichte der Organisation, die er leitet.

Europa überdenkt jetzt Ansätze zur seinen Verteidigungsbereitschaft angesichts der unter Druck stehenden transatlantischen Beziehungen. Doch nicht überall in der EU wird die Bedrohung durch potenzielle militärische Krisen gleichermaßen wahrgenommen. Wie ist die Situation in Litauen?

Wir haben ständig das Gefühl, neben einem Vulkan zu leben. Russland ist keine neue Bedrohung für die litauische Nation. Schon als wir im 15. Jahrhundert begannen, Gebiete zu verlieren, wurde uns klar, dass wir nur einen starken Feind haben – Russland. Ich kann nicht sagen, dass hundert Prozent unserer Leute zu Notfälle bereitet sind. Manche vernachlässigen das, insbesondere weil nicht alle Patrioten sind. Es gibt in der Tat russische Befürworter, aber sie sind natürlich in der Minderheit.

Heute kehren wir zur Geschichte zurück, denn Litauen ist ein Volk von Kriegern. Jahrhundertelang haben wir Europäern beim Überleben geholfen. Einst retteten wir Europa vor der mongolisch-tatarischen Horde. Eines Tages könnte diese Horde zurückkehren, und ich meine die Russen, die jetzt gegen die Ukrainer kämpfen.

Das ist eine neue Art von Krieg, denn in der Vergangenheit hatten wir Wirtschaftskriege, ideologische Kriege, den Kampf gegen Faschismus und Kommunismus, und jetzt ist es ein wahrer Heiliger Krieg, ein Krieg ums Überleben. Verlieren wir die Ukraine, bedeutet das das Ende für Europa. Die überlebenden Ukrainer werden zwangsrekrutiert und in die russische Armee eingezogen, und diese Truppen werden ihren Vormarsch nach Europa fortsetzen, was zu katastrophalen Szenarien führen wird. Deshalb ist es jetzt so wichtig, der Ukraine zu helfen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion griff Russland zuerst Tschetschenien an, dann Georgien, und schon damals war klar, dass die Ukraine die nächste wird, und das vierte Ziel werden die baltischen Staaten sein.

Das ist warum so viele Litauer bereit sind, den Ukrainern zu helfen, unter anderem durch Spenden und die Übergabe von Ausrüstung. Gleichzeitig verstehen diejenigen in Europa, die keine Erfahrung mit der russischen Bedrohung haben, einfach nicht, wie gefährlich Russland ist. Die Russen verfolgen eine Strategie, sie wissen, was sie langfristig erreichen wollen. Auch China hat eine Strategie, und die Vereinigten Staaten entwickeln ihre eigene, da die alte Weltordnung bereits zusammengebrochen ist. In Europa hingegen sehe ich keine langfristige Strategie, was die gegenwärtige historische Periode für den Kontinent sehr gefährlich macht.

LITAUEN BEREITET SICH AUF VIER SZENARIEN EINER RUSSISCHEN AGGRESSION VOR

Wie würden Sie die Gefahr einer tatsächlichen russischen Invasion der baltischen Staaten in naher Zukunft einschätzen? NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte, dass die Ostflanke der NATO in den nächsten Jahren mit einer russischen Aggression konfrontiert sein könnte.

Als die Sowjetunion zerfiel, haben wir in Litauen vier Szenarien durchgespielt, wie Russland versuchen könnte, die baltischen Staaten zu besiegen, möglicherweise gemeinsam mit belarussischen Streitkräften, da sich Belarus im Falle eines Krieges zwischen Russland und der NATO nicht abseits bleiben könnte.

Das erste Szenario ist ein hybrider Krieg, wie wir ihn bereits 2014 erlebt haben, als in der Ukraine die von dem militärischen Nachrichtendienst Russlands (GRU) und Spezialeinheiten unterstützten Kämpfer der Gruppen „Redut“ und „Wagner“ in Uniformen ohne Erkennungszeichen auftauchten. Dieser Invasion gingen jedoch eine groß angelegte Informationskampagne und Cyberangriffe voraus. Die Invasion war also nur eine Fortsetzung dieser anfänglichen hybriden Aktionen. Seitdem hat die Ukraine viele Lehren gezogen, und nun ist auch der Westen auf ein solches Szenario vorbereitet. In Litauen haben viele hochrangige Offiziere, darunter Oberstleutnants, dieses Szenario verstanden, da sie es einst aus russischen Lehrbüchern gelernt hatten. In diesen Lehrbüchern ist die Invasion nur die letzte Phase, der bereits die Vorbereitungsarbeit vorausgegangen ist… Die Russen tun das immer, und jetzt ist es mit Telegram und anderen Tools einfach, jemanden für ein paar hundert Euro einzustellen, um Schmuggelware zu transportieren, eine Fabrik anzuzünden oder ein Denkmal zu beschädigen. Der hybride Krieg ist bereits gegen ganz Europa im Gange, was den europäischen Regierungen sehr wohl bewusst ist.

Ein weiteres Szenario, das wir während der Übungen untersuchten, war die Veränderung des Bewusstseins der lokalen Bevölkerung durch reflexive Kontrolloperationen. Das Endziel besteht darin, dass russische Panzer mit Blumen und nicht mit Granatwerfern begrüßt werden.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR sprachen wir alle Russisch, sahen russische Filme, und viele unserer Soldaten hörten russische Musik, wie zum Beispiel „Ljube“ (russische Rockband mit starkem patriotischen Einschlag – Anm. d. Red.)… Später wurde uns klar, dass das so nicht ging, dass es falsch war, aber für viele war es da schon zu spät. Manche Menschen in Litauen sprechen nach wie vor kein Englisch, und russische Inhalte sind über YouTube und andere Plattformen weiterhin leicht zugänglich, obwohl Litauen russische Fernsehsender verboten hat. Daher hat sich ein kleiner Teil der Litauer so sehr mit russischen Inhalten vergiftet, dass es keine „Antibiotika“ gibt, die ihnen helfen könnten.

Tatsächlich braucht es nur Zeit, bis die junge Generation diejenigen ersetzt, denen nicht mehr geholfen werden kann. Es ist interessant, dass trotz der Tatsache, dass es in Litauen eine russische ethnische Minderheit gibt, die meisten „Watniks“ (abschätzig patriotisch gesinnte Russen bezeichnet – Anm. d. Red.) unter den Litauern sind, die zu sehr einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Die gute Nachricht für Litauen ist, dass die russischen Sympathisanten nicht in einem bestimmten Gebiet leben, so dass ein Szenario wie der Donbass bei uns unwahrscheinlich ist.

Das dritte Szenario ist eine Energieblockade. Die Russen haben uns bereits 1997 die Gasleitung abgesperrt, und damals war uns klar, dass es sich um einen im Voraus geplanten Angriff auf unser Land handelte. Genau aus diesem Grund haben wir beschlossen, energieunabhängig zu werden. Wir haben uns von den russischen Stromnetzen getrennt und auf russisches Gas und Öl verzichtet. Leider sind, wie Edward Lucas in seinem Buch deutlich hervorhebt, einige europäische Länder so stark von russischen Kohlenwasserstoffen abhängig, dass es Moskau leicht fällt, dort Einflussnahme zu betreiben und Regierungen zu erpressen.

Das vierte Szenario ist ein unerwarteter und schneller Angriff. Beispielsweise treffen nachts mehrere tausend russische Soldaten in Zivilkleidung mit zivilen Fahrzeugen in Litauen ein. Dies wird gegen fünf Uhr morgens von etwa 400 „Shahed“-Drohen sowie Marschflugkörpern und ballistischen Raketen begleitet.

Ist Europa bereit für das vierte Szenario?

Das ist eine sehr gefährliche Option. Ich glaube nicht, dass irgendein europäisches Land auf 500 Drohnen und Raketen vorbereitet ist, die auf seine Kraftwerke, Krankenhäuser, Militärstützpunkte und Kommandostäbe, Parlamente oder Präsidentenpaläste, allesamt wichtige Ziele, gerichtet sind. Daraufhin oder gleichzeitig könnte eine Luftlandeeinheit starten, gefolgt von einem konventionellen Angriff unter Einsatz von Panzern und gepanzerten Mannschaftstransportwagen.

Das wäre jedoch ein ganz anderes Szenario gewesen als das, was wir in der Ukraine erlebt haben. Dort erlitt die russische Armee, die viele als die zweitstärkste der Welt angesehen hatten, gleich zu Beginn Verluste, da sie den Widerstand der Ukraine aufgrund falscher Geheimdienstinformationen unterschätzt hatte. Es geht darum, dass die riesigen Geldsummen, die im Rahmen der Vorbereitungen für die Invasion für Einflussoperationen in der Ukraine ausgegeben wurden, einfach von den russischen Marionetten im Land gestohlen worden sind.

Rein militärisch war eine Invasion mit weniger als 200.000 Soldaten an mehreren Fronten Wahnsinn, doch die Russen haben es dennoch gewagt, was sich für sie als großer Fehler herausstellte.

„MOSFILM“ GEGEN „HOLLYWOOD“ IN MILITÄRISCHEN ANGELEGENHEITEN

Könnte Europa in einem solchen Fall angesichts der kampferprobten Erfahrungen der ukrainischen Streitkräfte auf deren militärische Unterstützung zurückgreifen, noch bevor der Ukraine der Beitritt zur EU gestattet wird?

Nur das ukrainische Militär weiß, wie man die Russen wirklich bekämpft, und wie man sich gegen professionelle Einheiten wie „Rubikon“ verteidigt. Europa ohne ukrainische Truppen zu verteidigen, wäre sehr schwierig. Früher oder später wird jeder verstehen, dass Europa ohne die kampferprobte ukrainische Armee keine Zukunft hat. Ich sehe, dass sich einige Länder auf einen Konflikt nach dem Vorbild des Zweiten Weltkriegs vorbereiten, was falsch ist.

Es gibt zwei Arten der Kriegsführung: Die eine nenne ich „Mosfilm“, die andere „Hollywood“. „Mosfilm“ bedeutet, Infanteriewellen in den sicheren Tod zu schicken und den Familien Todesanzeigen und vielleicht posthum Medaillen zu zusenden. Aber ich bevorzuge „Hollywood“ mit seinen dichten Minenfeldern und den Drohnenbetreibern, die weit entfernt von der Frontlinie stationiert sind. Ich glaube, die Zukunft gehört genau dieser westlichen Schule, mit einer weiteren Robotisierung und „Drohnenisierung“ der Kriegsführung. Schließlich ist der Westen reich und kann sich das leisten. Was noch fehlt, sind militärisch-industrielle Kapazitäten, aber da wir nun über höhere Verteidigungsbudgets verfügen, ist dies nur eine Frage der Zeit.

Europa soll endlich von den ständigen Diskussionen zu konketen Handlungen übergehen. Seit der großangelegten Invasion gab es nur Diskussionen. Erst nachdem Donald Trump an die Macht gekommen war, löste das in Europa eine Beunruhigung aus und man begann mehr in die eigene Verteidigung zu investieren. Derzeit sehen wir schon mehr staatliche Aufräge  für Rüstungswerke, es werden neue Produktionslinien gebaut, und ich glaube, einige Know-Hows werden von der Ukraine übernommen, insbesondere bei der  Produktion von Mittelstrecken- und Langstreckendrohnen sowie Aufklärungsdrohnen, die eine höhere Geschwindigkeit haben, mit MESH-Modemen und Cameras ausgerüstet werden können sowie gegen elektronische Störungen weniger anfällig sind.  Europa muss in diesem Bereich noch viel nachholen.

Ich bin oft in der Ukraine und  besuche verschiedene Stäbe und sehe dort sehr oft Briten. Daraus schliesse ich, dass die Briten sich gründlich vorbereiten und die Situiation sehr ernst nehmen. Es steht mir nicht zu, das Bereitschaftsniveau in den europäischen Ländern einzuschätzen, aber es wäre toll, wenn  jemand eine reale Transformation starten und ein Vorbild für andere sein würde.

Wir sehen, das die Eingikeit in der NATO gefährdet ist, und vielleicht sogar vor dem Hintegrund der jüngsten Vorwürfe der USA,  ihre militärischen Aktionen im Iran nicht unterstützen zu wollen, bröckelt. Es lauten Aufrufe zu einer europäischen Verteidigungsautonomie, insbesondere vom EU-Verteidigungskommissar, Andrius Kubilius. Die Frage ist, ob das Tempo, mit dem diese Autonomie erreicht werden kann und Entscheidungen in Verteidigungsfragen  in Europa getroffen werden, schnell genug ist?   

Wir müssen auf die Ursprünge zurückkommen, wenn wir von der NATO reden. Die Allianz  wurde rund um die Idee der militärischen  Garantien der USA für Europa geründet. Vor dem Zweiten Weltkrieg haben die Europäer oft gegeneinander Kriege geführt - Frankreich gegen Deutschland, Frankreich gegen Großbritannien usw.  Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA die militärische Präsenz gesichert, den Marshallplan zum Wiederuafbau von Europa entwickelt und den nuklearen Schutzschirm  gewährt. Russland hat nie Angst vor Europa gehabt. Die Russen hatten nur  Angst vor einem „verrückten Cowboy“ mit einem nuklearen Potential. Eine Konfrontation mit ihm könnte zu einem absoluten Armageddon führen. 

Was die gegenwärtige Situation in der NATO angeht, so würde ich nicht sagen, dass  die NATO in miltärischer Hinsicht „bröckelt“. Alles bleibt beim Alten - es werden Pläne erarbeitet, Trainings durchgeführt, und das ist schon ein gutes Signal. Im Rahmen einer planmäßigen Vorbereitung von Bataillons im Bestand der litauschen Streitkräfte wurden die Amerikaner in Litauen statiniert. Sie laden uns nach wie vor zur Teilnahme an Übungen jedes zweite Wochenende ein. 

DASS IN VIELEN EUROPÄISCHEN LÄNDERN KEINE EINBERUFUNG ZUM WEHRDIENST STATTFINDET, FÜHRT ZU EINEM MANGEL AN RESERVEN

Funktioniert der Druck der USA auf die europäischen Verbündteten in Bezug auf eine größere Unabhängigkeit im Verteidigungsbereich? 

Vor 10 Jahren, als Litauen circa 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung investierte, habe ich in meiner Doktorarbeit geschrieben, dass wir die Zielvorgabe der NATO von mindestens zwei Prozent für Verteidigungsausgaben erreichen müssen.  Mein Professor, ein britischer Dekan hat mir damals gesagt, es sei ablsoluter Unsinn. Seiner Auffassung nach sollte Litauen mindestens 5 oder sogar 7 Prozent von BIP in die Verteidung investieren. Es solle eine Armee gebildet und entsprechend  ausgestattet werden. Wenn eine Einheit nur auf dem Papier existiert und nicht ausgerüstet ist, dann ist es eine Fake- Einheit. Der US- Verteidigugsminister hat noch 2011 gesagt, dass die USA ihre Soldaten nicht mehr nach Europa in den Tod schicken wird.  Bei einer Konferenz übte er eine schafte Kritik über einige Länder Europas aus. Das eine hat er daran erinnert, dass es zu den Zeiten des Kaltes Krieges über vier mechanisierte Korps verfügte, und derzeit sei es dort unmöglich, eine Division aufzustellen. Einen anderen europäischen Verbündeten erinnerte er daran, dass er früher über mehr als ein Tausend Panzer verfügte, und derzeit über keinen einzigen. 

Die Probleme  sind nicht verschwunden. Europa sol seine Waffenproduktion hochfahren, und es braucht viel mehr menschliche Reserven. Im Ukraine-Krieg hat Russland bereits vielleicht 3 vollständige Armeen verloren. Ukrainische Verluste sind auch sehr hoch. Währenddessen gibt es in Europa keine Wehrpflicht. Das bedeutet, dass es keine Reserven für eine zweite oder dritte Welle der Abwehrkämpfe in Falle einer feindlichen Offensive gibt. Aber nicht in allen Ländern ist die Situation so schlimm. Finnland, zum Beispiel, bereitet sich viel besser auf einen potentiellen Konflikt, als viele andere Staaten.   

Die Ukraine ist auch ein gutes Beispiel von Wiederaufbau der Rüstungsindustrie. Während Russland versucht, die Produktion der Drohnen vom Typ „Geran“ und „Molnija“ zu steigern, wird in der Ukraine eine sehr breite Palette an UAVs hergestellt. Ich kenne kein anderes Land, wo so viel Waffen produziert wird, wie in der Ukraine. 

-Welchen Weg soll dann Europa beschreiten? 

Wenn wir uns auf einen Krieg mit den Russen vorbereiten, dann liegt die Zukunft der europäischen Verteidigung in einer Integration der ukrainischen Rüstungsindustrie und des ukrainischen Militärs in die gesamte Struktur. 

 Glauben Sie, dass die NATO genug tut, um die Kampferfahrung der Ukraine in ihre Protokolle, insbesondere in die Taktik der Luftverteidigung zu integrieren? 

Ich kann nichts über andere Länder sagen, aber zumindest in Latauen wird versucht, einige Erfahrungen zu implementieren, etwas herzustellen sowie mobile Flugabwehrgruppen zu bilden. In einigen Ländern werden auch bedeutende Schritte in diesem Bereich unternommen. In der Luftverteidigung gibt es in Europa aber noch viel Luft nach oben.  Und hier kommen wir wieder auf der Notwendigkeit von Ausbau der Rüstungsindustrie zurück. Die Regeirungen sollen mit den Vertretern deer Rüstungsindustrie eine  Lösung finden- man kann nicht 20 Tausend Euro teurere Drohnen mit bis 3 Mio. Euro teueren Raketen abschiessen.  So werden die Bestände sehr schnell erschöpft. Und  wo sollen wir neue Raketen kaufen? Ich rede jetzt nur von der ersten Verteidigungswelle, geschweige von der zweiten oder dritten. 

Selbst wenn es 200 Tausend Reservisten für die zweite Verteidigungswelle mobilisiert sind, müssen sie entsprechend ausgestattet werden, und nicht nach den Standards des Zweiten Weltkrieges - mit Gewehren und Helmen. Im Jahr 2026 brauchen wir neue Lösungen. Die alten Waffenbestände haben vielleicht der Ukraine zu Kriegbegin  geholfen, aber wenn wir keine modernere Armee haben und nicht cleverer kämpfen können, so würde es für so ein kleines Land wie unseres, den Verlust des gesamten Territoriums bedeuten.

DENJENIGEN, DIE UNS ANSCHLIESSEN WOLLEN, WERDEN DREI FRAGEN GESTELLT

Könnten Sie uns, bitte, erzählen, wie Ihre einmalige Organisation ins Verteidigungsministerium integriert ist, wie sie von der Regierung unterstützt wird. Denn sie hilft, die Verteidigungsbereitschaft des Landes im Ganzen zu verbessern.  Kann die Erfahrung Ihrer Organisation für andere Länder nützlich sein?   

Eine sehr gute Frage. Ich merke, dass viele Länder etwas neidisch sind und möchten solche Organisationen  haben. Die sind aber nicht so leicht zu gründen. Wir können uns auf gute Traditionen stützen, denn unsere Organisation noch 1919, nach dem Ersten Weltkrieg  geschaffen wurde, als deutsche und russische Truppen hier die Menschen töteten, vergewaltigten und raubten.  Es wurde beschlossen, eine Organisation zu gründen, die alle Partisanen unter einem Dach vereinen sollte, damit man die Situation im Griff hat. Im Zeitraum zwischnen den zwei Weltkriegen  war sie für die Vorbereitung der Gesellschaft auf einen Partisannenkrieg verantworlich. Das Ziel bestand darin, dass jeder Mann und jede Frau weiss, wie man mit einem Gewehr umgeht. Nach der Wiederrlangung der Unabhängigkeit gibt es bei uns im Lande zwei Nationalgarden- die Nationale Garde, wie in der Ukraine und die Staatliche Garde. Der einzige Unterschied bsteht darinm dass wir nicht zu Auslandseinsätzen geschickt werden- nach Afghnistan, Kosovo oder in den Iran. An solchen Einsätzen nehmen nur die Berufssoldaten teil, die eine Besoldung vom Staat bekommen.    

Unser Verband besteht hingegen aus Freiwilligen. Ähnliche Verbände wurden nach der Maidan- Revolution in der Ukraine gegründet, wie z.B. „Ajdar“, oder andere Vereinigungen, denen sich diejenigen anschlossen, die ihrem Heimtaland irgendwie helfen wollten. Wenn jenand unserem Verband beitreten will, stellen wir ihm drei Fragen: „Sind Sie ein Patriot Litauens?“, „Sind Sie bereit, für ihr Land zu töten? Sind Sie bereit, für Ihr Land zu sterben?.“  Wenn der Mensch „Nein“ sagt, dann sagen wir gleich „Auf Wiedersehen!“ Wir fragen auch, ob der Mensch über Zeit verfügt, um an Ausbildungskursen teilzunehmen. Wenn man bereit sein will, braucht man entsprechedne Ferigkeiten, eine Basisvorbereitung. Wir scherzen oft, dass wir wie die britischen  SAS (Special Air Service.) sind, denn wir samstags und sonntags trainieren (Saturday and Sunday) oder abends. Menschen spenden uns Geld und wir bauen eigene Schieß- und Übungsplätze auf. Wir bringen den Menschen insbesondere Grundlagen eines unbewaffneten, zivilen Widerstandes bei, oder wie man den Militärs helfen kann. Wir führen auch patriotische Kurse für die Schüler ab der 7. Klasse durch. Laut einer Verordnung des Verteidigungsministeriums werden diese bereits ab der 5. Klasse durchgeführt. In unserer Organisation gibt es außerdem eine Kadettenanstalt, wo man sich nach Vollendung des 11. Lebensjahres  anmelden kann. Wir haben das brische System übernommen und vervollkommnet.    

Mit der Vollendung des 18. Lebensjahres bekommen sie auch eine militärische Ausbildung. Wenn sie später entscheiden, zur  Polizei,  Armme uder zum Grenzschutz zu gehen, sind sie bereits vorbereitet. Die Kadetten können auch Ausbilder werden. Sie lernen bei uns auch Führungskompetenzen. 

Jetzt, während der Schulferien können Sie bei unseren Camps viele junge Leute sehen, die eine Ausbildung in verschiedenen Bereichen bekommen -  erste Hilfe, Drohnensteuerung, Cybersicherheit. Diese Kurse erfeuen sich großer Beliebtheit, besonders in Großstädten. Auf dem Lande ist die Sutuation etwas schwieriger. Das Hauptbroblem ist der Bevölkerungsrückgang, wie auch in vielen Ländern Europas. Das demografische Problem soll auch gelöst werden. Denn es tötet uns, macht es aber auf eine „mildere“ Weise, als ein Feind.    

WIR MÜSSEN VON DER UKRAINE LERNEN UND DEN KRIEG RIECHEN

Was sind die Hauptrichtungen ihrer Zusammenarbeit mit den ukrainischen  Militärs?

Wir arbeiten mit den Kräften für unbemannte Systeme zusammen, lernen von ihnen - von wem den sonnst? Natürlich, kann man leicht einen Ausbildungskurs für Parzersoldaten organisieren, indem man eine entsprechende Anfrage an den deutschen Militärattaché stellt. Aber wo kann man lernen, wie ein Stab des Bataillons für unbemannte Systeme handelt soll? – Nur an der Front. Man soll dort sein, die Arbeit des Bataillons vor Ort beobachten. Deswegen entsenden wir unsere Schützen, die potentiell Führungspositionen einnehmen könnten in die Ukraine. Sie stellen Fragen an die ukrainischen Offiziere und schreiben alles auf.        

Wir lernen von den Ukrainern, wie man sich  an Taktikänderungen des Gegners anpasst, wie man Glasfaserdrohnen bekämpft, wie man strategische Objekte schützt. Wir müssen den Krieg riechen und verstehen, wie man käpfen soll.  Einfach nach Kyjiw zu reisen, Hände zu schütteln und  symbolische Geschenke austauzutauschen  nützt nichts. Wir sollen an die vorderste Front reisen, obwohl es natürlich riskant ist. 

Wir arbeien auch mit ukrainischen Spezialeinheiten, aber ich kann dazu keine Details nennen. 

Ich selbst reise alle drei Monate in die Ukraine, unterhalte mich mit den Obersten, Leutnants, Segeanten. Ich besuche Einheiten, werde Augenzeuge verschiedener Operationen, um zu verstehen, wie sie Drohnen, Infanterie oder Artillerie  bekämpfen und versuche dann all das auf unsere Realien zu übertragen.  Es ist so. dass die Verteidigungsgrundsätze in einem größeren und einem kleineren Land absolut unterschiedlich sind. Wir können nicht einfach die ukrainische Erfahrung eins zu eins kopieren, denn Litauen hat keine strategische Tiefe. Dewegen können wir uns nicht leisten, sogar einen Meter unseres Territoriums zu verlieren. Wenn wir es verlieren, wirde es sehr schwer sein, es zurückzuerobern.    

RUSSLAND WILL DIE SOWJETUNION WIEDERBELEBEN 

Sie scheinen keinen  Frieden in der nächsten Zeit zu erwarten. Wie könnte man Ihrer Meinung nach ein weiteres Vorrücken Russlands sowie eine Bedrohung für Europa verhindern ?

Russland hatte immer seine Höhen und Tiefen. Es gibt Zeiten, wo es geschwächt ist, insbesondere nach den Revolutionen oder anderen innerstaatlichen Krisen. In solche Zeiten haben wir Zeit, uns besser vorzubereiten. Aber diese Vorbereitung soll real sein.   

Meine Befürchtung ist, dass nach einem Ende des Krieges in der Ukraine Verteidigungshaushälte in Europa wieder gekürzt werden. Vieles hängt also von der Politik ab. 

Solange die Ukraine kämpft, besteht für Europa keine konventionelle militärische Bedrohung, denn Russland ist nicht in der Lage, an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen. In der Nähe zu unserer Grenze sind nur Einheiten zum Schutz von Garnisonen stationiert, ein Teil davon wurde sogar stillgelegt - da gibt weder Soldaten noch Militärtechnik- alles ist in der Ukraine. 

 FPV-Drohnen wurden in diesem Krieg zu einem Gamechanger. Ich glaube, die Aufstellung der Käfte  für unbemannte Systeme in der Ukraine war eine sehr weise Entscheidung gewesen. Ohne die hätten die Russen die Ukraine längst besiegt. In einem konventionellen Krieg scheinen sie etwas stärker zu sein. Wenn die Russen keine Panzer schicken können, dann setzen sie kleinere Infantieriegruppen ein und werden das immer wieder tun, bis sie irgendwelche Schwachstellen oder Lücken in der Verteidigung gefunden haben. 

Außerdem lerrnen die Russen auch. Heutzutage ist es ein ganz anderes militärisches Denken. Auf der operativen und strategischen Ebenen haben sie viel gelernt. Zudem sind die Russen konseqent in ihrer Politk- erst wollen sie die Ukraine vernichten. Danach werden sie auch nicht stoppen und werden versuchen, die Sowjetunion wiederzubeleben. Es hat mit Belarus begonnen. Jetzt wollen sie die Ukraine verdauen. Ohne die Ukraine können die Russen die Sowjetuniomn nicht wiederbeleben.   

Jewhen Matjuschenko, Brüssel- Wilnjus 

Foto vom  Litauischen Schützenverband bereitgestellt   

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