Hanna, die mit dem Kind aus Asowstahl evakuiert wurde
Wir haben gehofft, mit Rotem Kreuz zu fahren, saßen aber russischen Soldaten gegenüber
video 14.05.2022 16:20

Für die 24-jährige Französischlehrerin Hanna, ihren 6 Monate alten Sohn Swjatoslaw und ihre Eltern war der Bunker des metallurgischen Kombinats „Asowstahl“ für zwei Monate zu einem Zuhause und einer Rettungsfestung geworden. Die Familie kam in den Keller des Werks, als das Kind weniger als 4 Monate alt war.

Swjatoslaw im Bunker nannte man einen Engel, und die ukrainischen Soldaten sagten, er sei ein echter Kosake. Sein Lächeln gab den Glauben, dass es gelingt, herauszukommen. Das Militär suchte nach Nahrung für das Baby, Grieß wurde in Wasser gekocht, das in einem Becher mit Kerzenlicht erhitzt wurde.

Diese Familie kam nach Saporischschja mit den ersten Bussen, die am späten Abend des 3. Mai Menschen aus den Bunkern des Werks brachten. Hunderte von Medienvertretern waren damals im Zentrum für die Registrierung von Flüchtlingen dabei und die Vize-Premierministerin Iryna Wereschtschuk kam, um die Kolumne persönlich zu empfangen. Es war damals nicht möglich, normal mit Hanna zu sprechen, dann fuhr die Familie in eine sicherere Region. Aber Hanna stimmte trotzdem zu, ihre Geschichte dem Ukrinform-Korrespondenten zu erzählen.

Zwei Monate lang führte sie ein „Kriegstagebuch“. Es hat alles über das Bunkerleben, schreckliche Stille, Prellung und das erste Treffen mit russischen Soldaten.

Wann seid ihr nach Asowstahl gekommen und warum habt ihr beschlossen, euch dort zu verstecken?

Am 24. Februar haben wir Explosionen gehört. Wie wir dann verstanden, war es eine Offensive von Nowoasowsk aus. Und am Morgen des 25. Februar hörte ich Explosionen schon in der Nähe unseres Hauses, etwa 2-3 Straßen entfernt. Wir beschlossen, zum Luftschutzbunker von Asowstahl zu gehen. Der Mann erhielt eine Nachricht per Messenger, dass man sich dort verstecken kann.

Wussten Sie, welche Bunker dort sind?

Wir wussten einfach, dass es sie dort gibt. Als wir dort ankamen, wurde uns gesagt, dass alles für die erste Zeit da sei, was wir brauchten, und wir uns keine Sorgen machen sollten.

Wie alt war Ihr Sohn Swjatoslaw damals?

Drei Monate, fast vier.

Was haben Sie mitgenommen?

Wir haben Dokumente, etwas Schmuck, Lebensmittel für die erste Zeit, Wasser, Babynahrung und ein paar Sachen mitgenommen. Wir dachten, wir würden 2-3 Tage dort bleiben, und wenn der Hauptschlag vorbei ist, können wir nach Hause zurückkehren. Wir haben nicht einmal Tiere genommen. Der Hund und drei Katzen blieben zu Hause.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie dort offensichtlich für länger sind?

Zuerst dachten wir wirklich, wir würden eine Woche bleiben - und das war's. Dann kam die zweite Woche, wir dachten, na gut, noch diese, man muss nur warten. Als wir ungefähr eine Woche im ersten Bunker waren, schlug dort eine Granate (irgendeine starke Rakete) ein und wir verstanden, dass wir den Bunker wechseln mussten. Wir gingen weiter zum zweiten und begannen zu begreifen, dass das für lange ist. Es waren mehr Leute da. Und die Situation heizte sich auf, Explosionen wurden häufiger. Es war nicht mehr möglich, an die Oberfläche zu kommen. Im Erdgeschoss des Gebäudes gab es eine Toilette und selbst der übliche Gang zur Toilette war eine Herausforderung für uns. Dorthin zu gelangen, einfach aus dem Fenster zu schauen, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, die Luft zu schnappen und zurückzukehren – galt, dass du sehr mutig bist.

Wie hat Swjatoslaw reagiert?

Als es die ersten Explosionen gab, hatte er zuerst Angst, weinte. Dann gewöhnte er sich daran. Die Dunkelheit gefiel ihm sehr, denn die meiste Zeit verbrachten wir im Dunkeln oder bei Kerzenlicht, Laternen, Feuchtigkeit und Kälte. Ich hatte große Angst, dass er sich eine Art Infektion zuziehen könnte, Tuberkulose. Weil der Raum schlecht belüftet ist und viele Menschen dort sind. Außerdem waren wir dort, wo früher die Bäder waren, die Decke war undicht und die Feuchtigkeit wirkte sich stark auf die Gesundheit aus.

Anfangs habe ich es gestillt, dann mit der Mischung, aber durch Stress wurde die Milch schlecht und ich musste auf die Mischung umstellen.

Am 24. Februar kauften wir Mischungen und Windeln, weil uns klar wurde, dass dies das Wichtigste ist, und das ukrainische Militär half uns im Bunker.

Die Mischung hat uns ein paar Wochen gereicht, und dann wussten wir nicht mehr weiter, und das Militär hat uns gebracht. Sie suchten sie irgendwo. Als es keine Mischungen gab, mischten wir Milch mit Zucker. Wir fanden eine Tüte Grieß und versuchten, ihn zu kochen, wir fanden Eisenbecher, gossen Wasser ein und erhitzten es.

Wie beherrschten Sie sich? Ich bin sicher, es war beängstigend.

Es gab viele solcher Momente. Besonders schwierige Zeit am Morgen, wenn du aufwachst und merkst, dass du in diese Realität zurückkehrst, und es ist kein Traum, es ist ein Horrorfilm, und du bist in der Hauptrolle. Du könntest weinen, fluchen, schreien. Aber es ist eine emotionale Entladung… du weinst, weinst und beherrschst dich.

Das Kind hat mich sehr inspiriert, als es lächelte, ich wusste, dass ich ihr zuliebe durchhalten musste. Und die Leute im Bunker nannten Swjatoslaw einen Engel und sagten, wenn wir rauskommen, sei es ihm zu verdanken. Er unterstützte und amüsierte alle mit seinem Lächeln, seiner kindlichen Spontaneität und Nettigkeit.

Swjatoslaw hat wahrscheinlich seine ersten Erfolge im Bunker?

Natürlich. Er fing an, Grieß zu essen. Davor gab es nur einen Schnuller, jetzt essen wir vom Löffel. Er sitzt und sagt „Mama“. Erfolge reichen für zwei Monate.

Wie viele Leute waren in eurem Bunker?

75 Personen, darunter 17 Kinder. Die Zahl war unterschiedlich: Manche gingen, manche kamen, und es gab auch solche Draufgänger. Es erstaunt mich, dass einige Bots aus den russischen Medien anfangen zu sagen: Woher weiß sie die genaue Anzahl der Menschen und wie viele Kinder waren da? Wenn du 2 Monate mit Menschen zusammenlebst, dann weißt du alles: Wer hat welche Gewohnheit, welche Verwandten, Lieblingslieder? Und warum ich genau die Kinder kenne, weil wir das Essen geteilt haben: getrennt für Kinder und Erwachsene. Die Kinder konnten ein paar Kekse haben und, wenn es gelang, das Brot zu backen, konnten sie ein Stück Brot haben. Die Kinder hatten also Privilegien.

Wie wurden die Verpflichtungen verteilt? Gab es zum Beispiel einen Diensteinteilungsplan in der Küche?

Ja. Wir haben sofort einen Dienstplan eingeführt, damit alles fair wird, damit es nicht dazu kommt, dass einige Leute ihr Leben riskieren und Wasser verschaffen, Essen kochen, und andere nur sitzen und alles genießen. Und wenn, Gott bewahre, eine Rakete einschlägt, war es zum Glück.

Wasser zu verschaffen, was bedeutet das?

Im Werk gab es eine Werkhalle mit hoher Temperatur, und gemäß den Vorschriften mussten den Arbeitern jeden Tag Wasser und Milch kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das heißt, es gab Wasservorräte. Natürlich gab es nicht genug Milch, aber genug Wasser, aber es musste gesucht werden. Da alle Werkhallen halb zerstört waren und jeder Ausgang dort Menschenleben kosten konnte, musste das Wasser wirklich verschafft werden.

Erinnern Sie sich, als unser Militär Ihr Kind zum ersten Mal sah, was war die Reaktion?

Ja. Sie waren alle schockiert. Sie sagten sofort, dass sie etwas tun würden, weil das Kind so unglaublich klein ist.

Einige nahmen es in die Hand und spielten. Einer der Jungs fragte, wie das Baby heiße, als ich Swjatoslaw sagte, antwortete der Kerl: „Ein echter Kosake. Pfundskerl“.

Wann war die Gelegenheit zur Evakuierung?

Wir versuchen noch Anfang März rauszukommen. Von grünen Korridoren war die Rede, aber leider standen sie alle unter Beschuss.

Es war so, dass die Leute angeblich durch den grünen Korridor fuhren, aber in Wirklichkeit fuhren diese Leute einfach selbst. Sie erreichten das Stadtzentrum, wo die Kolonne durch Beschuss russischer Soldaten in zwei Teile geteilt wurde und ein Teil der Menschen fliehen konnte und der andere in den Bunker zurückkehren musste. Wir hatten einen Jungen mit einer Katze. Er setzte die Katze in ein Auto und fuhr in dem anderen, und die Katze fuhr nach Saporischschja, und er kehrte zurück.

Mitte März stellten wir fest, dass es überhaupt keine Varianten gibt, Beschießungen wurden intensiver.

Mitte April wurde uns gesagt, dass die Situation schlecht sei und dass unser Militär alles tun würde, um uns zu retten. Es wurde angefangen, Videos über uns zu machen, darüber, dass wir gerettet werden müssen, wir Zivilisten sind, viele wir sind und etwas mit uns getan werden muss. Am 25. April wurde uns gesagt, dass wir heute evakuiert würden. Wir haben uns versammelt, vorläufige Listen gemacht, wer in der ersten Partie fährt, wer in der zweiten. Kinder, Frauen mit Kindern und Verwundete hatten ein Privileg (unter Zivilisten - Red.). Ich war auf der ersten Liste. Als wir in die Halle hinausgingen, mussten wir mit dem Bus zu den Werkskontrollstellen gebracht werden. Aber in diesem Moment hat uns das russische Militär von einer Drohne aus gesehen und eine Mine direkt unter unsere Tür geworfen. Vier unserer Soldaten wurden verwundet.

Mehrmals versuchten wir herauszukommen, dachten sogar, dass es vielleicht ein Fehler war, aber nein. Jedes Mal, wenn jemand aus dem Bunker kam, reagierte die Drohne und uns wurde eine Mine geschickt. Einmal konnten unsere Soldaten nicht raus, blieben sie über Nacht. Eine riesige Bombe flog auf uns zu. Ich verstehe nicht, aber nach den Informationen war es entweder Phosphor- oder Dreitonnen-Bombe.

Als diese Bombe einschlug, wurde jemand verletzt oder ging es?

Ich war etwas über dem Luftschutzbunker. Meine Mutter war mit mir, sie wurde von der Explosionswelle beiseite geworfen. Dann stellte sich heraus, dass sie einen gebrochenen Arm hatte. Ich hatte eine leichte Prellung, das Erbrechen begann gleich. Unsere Jungs hatten Prellungen, einige hatten sie zum zweiten Mal. Es ist schrecklich. Ich habe eine zweite Prellung gesehen, es ist ein schrecklicher Zustand, der Mensch hat eine Hysterie.

Eine Frau war auf der Toilette, und da war ein Spiegel, der ihr nach der Explosion auf den Kopf fiel, und die Blutung konnte lange Zeit nicht gestoppt werden. Sie hatte eine Reihe komplexer Krankheiten.

In diesem Moment wurde der Generator, den wir hatten, vier Meter weit weggeschleudert und funktionierte nicht mehr. Wir befanden uns in völliger Dunkelheit wieder. Wir fanden Kerzen und halfen weiter, sowohl den Zivilisten als auch dem Militär. Nach dem Einschlag der Bombe sind bei uns zwei Stufenabstände eingestürzt, zwei Evakuierungsausgänge, und uns wurde klar, dass es ein Massengrab sein würde, wenn es noch einmal solche einschlägt.

Und was ist mit der von den Russen versprochenen Feuereinstellung?

Sie war ein paar Tage… für ein paar Stunden. Es gab einen weiteren Evakuierungsversuch. Leute kamen heraus, unsere Jungs halfen, übergaben Kinder und Taschen. Und wir hören Schüsse, das Summen von Flugzeugen, und wir verstehen, dass die Feuereinstellung vorbei ist und wir zurück in den Bunker müssen. Ehrlich gesagt haben wir nach solchen Versuchen überhaupt nicht geglaubt, dass wir herauskommen werden können. Es war so ein Risiko, jedes Mal rauszugehen und zu verstehen, dass dich jetzt das russische Militär beschießen wird.

Wovor hatten Sie am meisten Angst?

Stille. Es klingt paradox, aber sie war am angespanntesten. Wenn du ständig Schüsse hörst, kannst du ungefähr verstehen, wo sie sich befinden. Und wenn es still ist … Es folgte immer eine Mine oder eine Bombe. Die Ruhe vor dem Sturm. Wir gefiel uns nicht.

Es ist der 30. April, Ihr letzter Tag im Bunker. Erzählen Sie uns von ihm.

Wir sind aufgewacht. Es herrschte Stille, und sie dauerte den ganzen Tag. Teil der Menschen, die pro-russisch waren, gingen am selben Tag durch ein Loch im Zaun. Es gab viele Löcher von den Explosionen. Es gab viele Arbeiter, die Asowstahl gut kannten. Anschließend haben viele dieser Leute alle Rufnamen, alle unsere Positionen verraten. Ich hoffe wirklich, dass das „Bumerang-Gesetz“ funktioniert und sie alles zurückbekommen. Wie unsere Soldaten jetzt ihr Leben für uns geben, wie sie uns ihr Essen gaben …

Damit wir unsere Verwandten kontaktieren konnten, kamen sie unter Beschüssen zu den Türmen und sendeten Meldungen.

Wie kann man nur so gemein sein...?

Also waren Sie mit diesen Leuten (mit pro-russischen Ansichten) alle zwei Monate zusammen?

Ja. Noch im Bunker verstanden wir die politischen Ansichten des anderen, das verkomplizierte die Situation. Denn wenn Menschen zusammen handeln, das ist eine Sache, und wenn Menschen unterschiedliche Meinungen haben, aber sie irgendwie überleben müssen, dann ist es wie in einem U-Boot, man kann nirgendwo hingehen.

Kommen wir zurück zum 30. April.

Unser Militär kam am Abend zu uns. Sie sagten, es seien zehn Minuten. Wir haben blitzschnell alles gepackt. Wir gingen zum Bus und bahnten uns einen Weg durch alle Blockaden. Es war sehr schwierig, das Ausmaß der Zerstörungen zu verstehen. Es gibt einfach kein Werk mehr. Es ist wie ein Computerspiel, wie ein Stalker. Wir haben es nur gehört und nicht gedacht, dass alles so ist. Ich fuhr und dachte, ich würde halb zerstörte Häuser sehen, aber ich sah, dass es keine Häuser gab. Sie waren gefaltet und lagen.

Unsere Jungs brachten uns zu den Checkpoints, dann durch die Checkpoints zu Uferstraße und dort wurden wir dem Roten Kreuz, der UNO und Kirchenvertretern übergeben. Ich erinnere mich wie jetzt an die Worte eines Vertreters der Kirche, er sagte: „Für euch ist der Krieg zu Ende“. Aber das war erst der Anfang.

Ist in dieser Etappe das russische Militär erschienen?

Wir fuhren ein paar Meter, und russische Soldaten stiegen in unsere Bussen. Eine Person mit einem Maschinengewehr vorne, eine - hinten.

Wussten Sie, dass das so wird?

Nein! Nein! Wir dachten, wir würden mit dem Roten Kreuz fahren, aber wir hatten keine Ahnung, dass wir russischen Soldaten gegenübersitzen würden. Es war ein Schock für uns.

Während wir fuhren, wechselte sich die Freude mit Angst und Unverständnis ab, wohin wir gebracht werden.

Fuhrt ihr zur Filtrierung?

Ja, wir fuhren nach Besimenne. Wir kamen dort nachts an. Im ersten Zelt wurde uns gesagt, wir sollten uns ausziehen. Sie wählten dünne Frauen aus. Sie dachten, wir könnten vom Militär sein oder mit ihnen in Verbindung stehen. Alle zogen komplett Unterwäsche aus. Angeschaut. Sie suchten nach Tätowierungen und Narben. Ich habe eine Narbe nach der Entfernung der Blinddarmentzündung und sie fragten, ob es eine Operation gewesen wäre. Wenn es ein Tattoo gegeben hätte, musste die Bedeutung erklärt werden. Ich hatte ein Medaillon mit einem Dreizack und ich wurde sofort aufgefordert, den Name der Person zu nennen, die es mir geschenkt hat.

Alle persönlichen Sachen wurden geprüft. Alles Scharfe, bis hin zu Maniküre-Sets, wurde weggenommen.

Hat es lange gedauert?

Sehr lang. Dazu noch mit einem Baby im Arm und um 2:00 Uhr Morgen.

In diesem Lager waren unter „Angestellten“ Frauen, die auf das Kind auf keinerlei Weise reagierten?

Sie sagten: Wenn Sie wollen, können wir ihr Baby halten. Ich sagte: „Es tut mir leid, für nichts in der Welt werden Sie mein Kind nehmen.“

Im zweiten Zelt fand Screening statt. Es saß da eine ganze Gruppe russischer Soldaten mit Computern. Sie nahmen unsere Telefone, schlossen sie an einen Computer an und luden alle Informationen herunter: Fotos, Kontakte, SMS, soziale Netzwerke. Bei meiner Mutter erschienen sogar die Fotos wieder, die sie gelöscht hatte. Alle wurden hochgeladen. Pässe wurden gescannt. Alles, was man über uns erfahren konnte, erfuhren sie. Dann setzten wir uns einer nach dem anderen vor den russischen Militär, der uns befragte. Sie fragten nach Verbindungen zum Militär, wenn es welche gab, dann begann psychologischer Druck, sie sagten, es sei besser für uns, alles zu erzählen.

Als Sie in Asowstahl waren, verstanden Sie, ob man in den von der Ukraine kontrollierten Gebieten über Sie Bescheid weiß oder nicht?

Wir verstanden nicht, was sie über uns wussten. Es war ein Schock für mich, als ein Vertreter des Roten Kreuzes sagte: „Wir nähern uns Saporischschja, es werden ungefähr 300 Journalisten da sein.“ Ich dachte, er übertreibt. Aber als wir ankamen, bemerkte ich, dass es eine Menschenmenge gab.

Mir wurde gesagt, dass Katja Osadtscha (Kateryna Osadtscha, ukrainische Journalistin – Red.), Podoljak (Mychajlo Podoljak, Berater des Leiters des Büros des Präsidenten der Ukraine – Red.), nach mir gesucht haben. Und ich sage: Und wer ist Podoljak? Ich war zwei Monate lang von Informationen abgeschnitten.

Was haben Sie zuerst gemacht, als Sie schon in Saporischschja waren, in einem Hotel, und die Nacht vorüber war?

Ich habe gefrühstückt. Im Bunker gab es kein Frühstück. Die erste Mahlzeit begann um 2 Uhr nachmittags, um es zu sparen. Ich habe gefrühstückt, die Nachrichten geschaut und verstanden, wie stark die Ukraine geworden ist, wie sehr sich unser Volk verändert …

Wie viel Gewicht haben Sie im Bunker verloren?

10 kg. Mein Vater 20 kg.

Hanna, ich unterbreche Sie, aber ich kann nicht anders, als zu fragen. Haben Sie das Medaillon mit dem Dreizack bewahrt?

Ja. Ich konnte die Sachen mitnehmen, die nicht mitgenommen werden durften. Danke dem Baby.

Ich hatte eine Schachtel Streichhölzer mit dem Bild eines Kosaken und einer Flagge. (Der ganze Mechanismus, wie Hanna das geschafft hat, wird aus Sicherheitsgründen nicht beschrieben - Red.). Wegen so einer Schachtel wurde, wie ich später erfuhr, der Sohn meiner Bekannten beim Filtern angehalten.

Was wollen Sie als aller erstes machen?

Ich möchte unseren Jungs aus Asowstahl helfen, rauszukommen. Ich möchte wirklich, dass ein Drittland versucht, die Jungs auf dem Schiff abzuholen. Denn gemäß der UN-Konvention, Art. 37, 38 kann jedes Land sich verpflichten, sie ohne Putins Zustimmung auszuliefern.

Hanna, die Geschichte hat keinen bedingten Weg, aber trotzdem. Wenn man die Zeit zurück drehen könnte und Sie all dies wüssten, würden Sie in den Bunker gehen?

Nein. Auf keinen Fall. Ich würde sofort versuchen, wegzufahren und meinen Mann mitzunehmen.

Wie ich richtig verstehe, haben Sie, wie die meisten Einwohner von Mariupol, einfach nicht geglaubt, dass die Stadt getötet werden würde?

Als ich am 24. Februar am frühen Morgen einen Post eines meiner Freunde auf Facebook sah, der schrieb, dass Russland die Ukraine angegriffen hatte, las ich und dachte, es handele sich um 2014. Ich habe keinen großen Wert drauf gelegt. Aber dann hörte ich Explosionen und begriff, dass der Krieg begann.

Pflegen Sie einen Kontakt zu denen, mit denen Sie im Bunker gelebt haben?

Ja. Es gibt eine Familie: eine Mutter und eine 14-jährige Tochter. Wir stehen in Verbindung weiter. Sie haben mich sehr unterstützt, mir mit dem Kind geholfen. Es ist sehr schwierig, unter solchen Bedingungen mit einem Kind allein.

Was möchten Sie unserem Militär sagen? Ich glaube, dass sie die Gelegenheit haben werden, das Material zu lesen.

Ich mag sie sehr gern. Sie sind tolle Jungs. Ich, meine Familie und die ganze Ukraine – wir verdanken ihnen unser Leben. Wir werden für sie beten, wir werden alles tun, damit sie gesund und lebend zu ihren Familien zurückkehren können und dass ihre Familien auf keinen Fall an ihrer Stelle zu unserem Präsidenten der Ukraine Medaillen holen müssen, sondern dass sie selbst aufstehen und sie holen.

Olha Swonarjowa, Saporischschja

Fotos: Dmytro Smoljenko und von Hanna

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