40. Jahrestag der Tschornobyl-Atomkatastrophe

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In der Ukraine wird am 26. April der 40. Jahrestag der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschornobyl, einer größten von Menschen verursachten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit, begangen.

Am 26. April 1986 um 01.23 Uhr kam es zu einer heftigen chemischen Explosion, die zur Zerstörung eines Teils des Reaktorblocks und des Maschinenraums führte, berichtet Ukrinform.

Nach der Explosion kam es zu einem Brand. Ein Feuer brach auch auf dem Dach des dritten Reaktors aus. Eine Feuerwehr kam unverzüglich. Erst um 5 Uhr morgens war der Brand gelöscht. Der Brand im Reaktor wurde allerdings erst am 10. Mai unter Kontrolle gebracht, als der größte Teil des Graphits verbrannte.

Nach der Explosion und dem Brand entstand eine radioaktive Wolke. Die Strahlungswolke bedeckte nicht nur die Gebiete der Ukraine, Weißrusslands und Russlands, sondern auch die vieler europäischen Länder: Schwedens, Österreichs, Norwegens, Deutschlands, Finnlands, Griechenlands, Rumäniens, Sloweniens, Litauens, Lettlands. Diese Havarie wurde auf der INES-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse) mit dem Höchstwert 7 (katastrophaler Unfall) eingestuft wurde.

Zuerst haben Moskau und die Führung der USSR (Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik- Red.) die Explosion im Kernkraftwerk und die Folgen der Umweltkatastrophe verschwiegen. Schweden teilte als erstes über die erhöhte Radioaktivität mit. Erst am 28. April wurde in der UdSSR die erste offizielle Mitteilung veröffentlicht.

In den ersten Tagen nach der Katastrophe wurden die Einwohner aus einem Umkreis von 10 km um den Reaktor evakuiert. Späterhin wurde das Evakuierungsgebiet auf 30 Kilometer ausgeweitet. Insgesamt wurden in der Ukraine 2.293 Ortschaften radioaktiv verseucht. Ende der 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts lebten dort 2,6 Millionen Menschen. Mehr als 5 Millionen Hektar Land können aufgrund der Strahlenbelastung nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden.

Nur dank der Selbstaufopferung der Liquidatoren der Folgen der Katastrophe, von denen viele mit ihrem eigenen Leben und ihrer Gesundheit dafür bezahlten, gelang es, den Unfall zu lokalisieren und das Land und die Welt vor der Strahlenkontamination zu retten. Verschiedenen Angaben zufolge starben innerhalb von nur einem Monat nach der Tschornobyl-Katastrophe 30 bis 200 Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Kernkraftwerks an den Folgen der Strahlenbelastung.

Um die Verbreitung der Radioaktivität zu einzustellen, wurde Ende 1986 über dem havarierten Reaktor ein Sarkophag gebaut. Laut Angaben der Experten liegen 95 % der Brennstäbe begraben unter dem Sarkophag. Aus Sicherheitsgründen wurde das Atomkraftwerk Tschornobyl am 15. Dezember 2000 endgültig außer Betrieb genommen. Die 1986 gebaute Schutzummantelung verfiel inzwischen allmählich.

Die Ukraine hat sich an die internationale Gemeinschaft gewendet, eine Ausschreibung der Projekte für eine neue Schutzhülle durchzuführen. Im Jahr 2004 fand ein Tender für die Projektierung und den Bau einer neuer Schutzhülle statt. Die Bauarbeiten begannen 2012. Am 29. November 2016 wurde eine Arka über die alte Ummantelung geschoben. Am 10. Juli 2019 erfolgte die offizielle Inbetriebnahme der neuen sicheren Schutzhülle.

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Und im Jahr 2022 bedrohte dem AKW Tschornobyl eine neue Gefahr – die russische Besatzung. Die Invasoren besetzten das Gebiet des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Nähe der Grenze zu Belarus am ersten Tag der Invasion, dem 24. Februar. Sie nahmen das ukrainische Militär gefangen und hielten tatsächlich das Zivilpersonal der Station als Geisel fest.

Binnen mehr als eines Monat erlebte das AKW Tschornobyl Stromausfall, Plünderung, das Verminen und sogar die Gefahr der Wiederholung einer Nuklearkatastrophe wie im Jahr 1986.

Nach der Befreiung des Tschornobyl-Kernkraftwerks wurden zahlreiche Fälle von Zerstörung und Demontage der Ausrüstung festgestellt. Es blieb kein einziges unbeschädigtes Büro übrig, die Möbel wurden zertrümmert, Computer und Bürogeräte geplündert und zerstört. Zudem haben die Besatzer das automatisierte System zur Überwachung der Strahlenbelastung außer Betrieb gesetzt, zu dem 39 Sensoren zur Messung der Dosisleistung der Gammastrahlung gehören. Nach Angaben der Staatlichen Agentur für die Verwaltung der Sperrzone beliefen sich die durch die russische Besatzung verursachten Schäden für das Gebiet der Sperrzone und die dort ansässigen Unternehmen auf über 100 Millionen Euro.

Darüber hinaus traf am 14. Februar 2025 eine russische Angriffsdrohne mit einem Sprengkopf die Schutzhülle des zerstörten 4. Reaktorblocks des Kernkraftwerks Tschornobyl. Die Notfallsituation im Kernkraftwerk Tschornobyl konnte nach diesem russischen Angriff am 7. März letzten Jahres endgültig unter Kontrolle gebracht werden. Nach Einschätzung von IAEO-Experten hat die neue Sicherheitshülle des Kernkraftwerks Tschernobyl, die bei dem Drohnenangriff im Februar beschädigt wurde, zwar ihre wichtigsten Sicherheitsfunktionen verloren, doch ihre tragenden Strukturen und Überwachungssysteme haben keine irreversiblen Schäden davongetragen.

Laut Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko haben Radarsysteme seit Juli 2024 mindestens 92 russische Drohnen registriert, die in einem Umkreis von fünf Kilometern um den Torbogen des Kernkraftwerks Tschernobyl geflogen sind. Der Generalstaatsanwalt merkte an, dass die tatsächliche Anzahl der Überflüge höchstwahrscheinlich deutlich über 92 lag, da Militärradare die Anzahl der Drohnen unterschiedlich erfassen können.

Jetzt bleibt das Kernkraftwerk Saporischschja immer noch seit 4. März 2022 unter der russischen Besatzung. Die Invasoren nutzen die Station tatsächlich als Militärbasis. Im September 2026 stellte das Kraftwerk die Stromerzeugung vollständig ein. Auf dem Gelände der Kernkraftanlage befinden sich russische Truppen und militärische Ausrüstung. Durch Beschuss wurden die externen Stromversorgungsleitungen des Kernkraftwerks Saporischschja wiederholt beschädigt.

Am Sonntag, dem 26. April, am Jahrestag der Katastrophe von Tschornobyl, veranstaltet die Ukraine eine internationale Geberkonferenz mit dem Ziel, das Konto für internationale Zusammenarbeit im Zusammenhang mit Tschernobyl aufzufüllen. An der Veranstaltung nehmen der Generaldirektor der IAEO, der Vizepräsident der EIB, die Präsidentin der EBRD sowie Vertreter von mehr als 25 Ländern und Organisationen teil.

Nach Angaben des Außenministeriums belaufen sich die Kosten für die Wiederherstellung der Sicherheitshülle nach vorläufigen Schätzungen auf über 500 Millionen Euro, was eine unverzügliche Mobilisierung internationaler Unterstützung erfordert, und die Ukraine hat positive Signale hinsichtlich künftiger Beiträge von Partnern erhalten.