In Ukraine wird der Opfer politischer Repressionen gedacht
Am 17. Mai wird in der Ukraine der Gedenktag für die Opfer politischer Repressionen begangen.
Dieser Gedenktag wurde durch einen Erlass des Präsidenten vom 21. Mai 2007 etabliert. Er wird jedes Jahr am dritten Sonntag im Mai begangen, um das Andenken an die Opfer politischer Repressionen gebührend zu ehren und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die tragischen Kapitel der ukrainischen Geschichte zu lenken, die mit der gewaltsamen Errichtung des kommunistischen Regimes verbunden sind, meldet Ukrinform.
Die Zahl der Opfer politischer Repressionen in der Ukraine lässt sich bis heute nicht genau bestimmen. Nach Schätzungen von Historikern wurden in der Zeit vom Beginn der 1920er bis zum Ende der 1980er Jahre, also während der Herrschaft des bolschewistisch-kommunistischen Regimes, in der Ukraine fast eineinhalb Millionen Menschen den Repressionen ausgesetzt (davon waren über 50 % Ukrainer). Ein Großteil der Repressionsopfer wurde erschossen, andere mussten Gefängnisse, Verbannungen, Lager, Zwangsarbeit, Deportationen und zwangsweise psychiatrische „Behandlungen“ durchleben.
Der Terror traf fast alle Schichten der Gesellschaft: Wissenschaftler, Politiker, Militärs, Geistliche, Kulturschaffende und Bauern. Besonders massiv waren die Repressionen in den 1930er Jahren unter dem Stalin-Regime. Allein in den Jahren 1937–1938 wurden in der Ukraine 198.918 Personen verurteilt, von denen etwa zwei Drittel zum Tod durch Erschießen verurteilt wurden. Die übrigen wurden in Lager und Gefängnisse geschickt.
Über Jahrzehnte hinweg hat die sowjetische Regierung die Spuren ihrer Verbrechen vertuscht: Massengräber wurden zerstört, mit regimegerechten Bauten überbaut, mit Beton übergossen oder mit Wald bepflanzt.
Zu den bekanntesten Orten von Massengräbern zählt der Bykiwnja-Wald am Rande von Kyjiw. Hier sind Zehntausende Menschen begraben, die von den Organen des NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten – Anm. d. Red.) ermordet wurden. Zu den Opfern zählen die Dichter Mychailo Semenko und Mike Johansen, der Künstler Mychailo Boitschuk, Metropolit Wassyl Lypkiwskyj sowie weitere Persönlichkeiten der ukrainischen Kultur.
Am blutigsten war die Nacht vom 18. auf den 19. Mai 1938, als in den Kyjiwer Gefängnissen des NKWD 563 Menschen erschossen wurden. Die Tragödie von Bykiwnja steht auf einer Stufe mit solchen Symbolen für Massenmorde und totalitäre Verbrechen wie Massaker von Chatyn, Babyn Jar, Auschwitz-Birkenau, Buchenwald und Dachau.
Bislang sind die Namen von mehr als 19.000 Menschen bekannt, die in Bykiwnja begraben wurden. Dank der Arbeit von Historikern, Archivaren und Forschern wird diese Liste ständig erweitert.