In Region Cherson setzte Russland alles gegen Zivilisten ein bis auf Atomwaffen – Prokudin
Seit der Befreiung des rechten Ufers hat Russland in der Region Cherson über 925.000 Artilleriemunition auf Städte und Dörfer abgefeuert. Eine weitere Gefahr stellt die „Drohnen-Safari“ dar – bis zu 6.500 Drohnenangriffe pro Woche. Der Feind setzte in der Region alles ein außer Atomwaffen.
Wie Ukrinform berichtet, äußerte sich der Vorsitzende der Militärverwaltung Cherson, Oleksandr Prokudin, nach seiner Rede bei den thematischen Debatten der Kammer der Regionen zum Thema „Ausbau der demokratischen Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten“ in Straßburg während der 51. Sitzung des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarats auf Facebook.
Er betonte, er habe den europäischen Partnern offen dargelegt, was die Region durchmacht. Denn die Region Cherson ist seit fast fünf Jahren das Epizentrum des Krieges, nur wenige Kilometer von den Stellungen der russischen Besatzer entfernt.
Laut Prokudin hat Russland allein seit der Befreiung des rechten Ufers über 925.000 Geschosse auf Städte und Dörfer der Region abgefeuert.
„Es hat alles außer Atomwaffen eingesetzt. Eine besondere Gefahr stellt die „Drohnen-Safari“ dar; mittlerweile gibt es bis zu 6.500 Drohnenangriffe pro Woche. Gezielter Terror gegen Zivilisten, Kinder, Ärzte und Rettungskräfte. Aber wir sind geblieben, haben uns angepasst und gelernt, diesem Terror entgegenzuwirken“, fügte Prokudin hinzu.
Er teilte konkrete Lösungen, die bereits 140.000 Einwohnern der Region das Leben retten. Er erzählte über die Zusammenarbeit von Behörden, Militär, Rettungsdiensten und Freiwilligen in Krisensituationen, die Einrichtung von unterirdischen Schulen und Krankenhäusern, das Tempo der Minenräumung in den befreiten Gebieten sowie den Drohnenschutz, dank dem die Verteidigungskräfte die überwiegende Mehrheit der feindlichen Drohnen neutralisieren.
„Wir haben einen extrem hohen Preis für dieses Wissen bezahlt. Und gerade deshalb wird unsere einzigartige Erfahrung im zivil-militärischen Krisenmanagement heute bereits von neun europäischen Ländern studiert: von den baltischen Staaten und Skandinavien bis nach Deutschland und Polen“, postete Prokudin.
Er fügte hinzu, seine Hauptbotschaft an die europäischen Partner sei einfach: In einer Krise großen Ausmaßes wird es keine Zeit für Vorbereitung bleiben. Vorbereitet müssen sein nicht nur die Armee, sondern auch die Gemeinden, die Energieversorgung, das Gesundheitswesen und die lokalen Behörden. Laut dem Leiter der Militärbehörde verfügt Europa heute über etwas, das den Ukrainern im Februar 2022 fehlte – Zeit.
Er rief die Europäer dazu auf, diese Zeit zu nutzen. „Unser Leid muss einen Sinn haben, und unsere Lehren müssen Tausende von Leben retten“, schreibt Prokudin.
Er dankte dem Europarat und den internationalen Partnern für die Solidarität mit der Region Cherson.
Am 24. Februar 2022 erklärte der russische Präsident Wladimir Putin eine umfassende Invasion in die Ukraine, eine sogenannte „Spezialmilitäroperation“. In der Ukraine wurde der Verteidigungszustand verhängt und die allgemeine Mobilisierung ausgerufen. Russische Besatzungstruppen beschießen und zerstören seither wichtige Objekte der kritischen Infrastruktur, befeuern massiv die Wohngebiete ukrainischer Städte und Gemeinden mit Artillerie, Raketenwerfern, ballistischen Raketen und anderen tödlichen Waffen. Das Land wehrt sich heldenhaft gegen die Eindringlinge und unternimmt Gegenoffensiven.
Russland hat Teile der Regionen Donezk, Luhank, Saporischschja und Cherson vorläufig besetzt.
Die Europäische Union (EU), die USA und andere Länder haben harte Sanktionen gegen das Aggressor-Land verhängt.
Im März 2025 wurde in Dschidda (Saudi-Arabien) ein erster Impuls für Friedensgespräche gegeben und ein Treffen der US-amerikanischen und ukrainischen Delegationen abgehalten. Die Parteien gaben im Anschluss an die Ergebnisse des Treffens eine gemeinsame Erklärung ab.
Aus dem Dokument ging insbesondere hervor, dass die Ukraine ihre Bereitschaft bekundet hat, den US-Vorschlag zur sofortigen vorläufigen Feuereinstellung für 30 Tage anzunehmen. Dieser kann im gegenseitigen Einvernehmen der Parteien verlängert werden, vorbehaltlich die Russische Föderation ihn annimmt und gleichzeitig umsetzt.
Im Anschluss an die Verhandlungen kündigten die USA die Wiederaufnahme ihrer Sicherheitshilfe für die Ukraine und den Austausch geheimdienstlicher Informationen an.
Unmittelbar nach dem Treffen in Saudi-Arabien begann die ukrainische Seite mit der Arbeit an Algorithmen zur ordnungsgemäßen Überwachung der Einhaltung der möglichen Waffenruhe sowie an den Modalitäten künftiger Friedensabkommen.
Bisherige Gespräche zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation in Istanbul, wohin der ukrainische Präsident gereist war, in der Hoffnung, dort den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen, brachten keine Ergebnisse, außer dass der Gefangenenaustausch „1000 gegen 1000“ vereinbart wurde.
Russland hat bisher der Waffenruhe nicht zugestimmt.
Die Trump-Regierung hat laut amerikanischen Medien gemeinsam mit Moskau einen 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine entwickelt.
Kyjiw sollte demnach die kontrollierten Gebiete im Donbass abtreten, seine Armee und einen Großteil seiner Waffen reduzieren. Im Gegenzug werden Sicherheitsgarantien für den Fall künftiger russischer Aggressionen angeboten. Die Ukraine sollte außerdem eine Bestimmung in ihre Verfassung aufnehmen, die einen Nato-Beitritt ausschließt, und die Nato soll eine entsprechende Klausel in ihre Charta eintragen. Die Nato wiederum wird keine Truppen auf ukrainischem Territorium stationieren.
Darüber hinaus sah der Plan Wahlen in der Ukraine 100 Tage nach Unterzeichnung des Abkommens vor.
Trump erklärte, sein „Friedensplan“ für die Ukraine sei kein endgültiger Vorschlag.
Präsident Selenskyj berichtete in einer seiner Videoansprache, dass einige Punkte aus der Liste gestrichen und viele „richtige Dinge“ berücksichtigt worden seien.
Unlösbar bleiben nach wie vor die Fragen über die Gebiete der Region Donezk, die Russland will, dass die Ukraine sie einfach so abtritt, und das Kernkraftwerk Saporischschja.
Die Ukraine führt als Antwort auf die andauernden massiven russischen Raketen- und Drohnenangriffe regelmäßig Angriffe auf militärische und strategische Objekte in Russland sowie auf der vorübergehend besetzten Krim durch. Der Fokus liegt dabei auf der Schwächung der russischen Logistik und der Einschränkung der finanziellen Mittel für die russische Kriegsführung.
Foto: Chersoner Militärverwaltung