Walentyn Lysenko, Komponist, Erfinder der elektrischen Bandura
Bandura wie die Ukraine – modern, tief und polyfonisch
20.04.2017 12:59 71

Lysenko ist 33 und er behauptet, dass er seine Berufung gefunden hat. Er ist nicht nur Musiker, Instrumentalist und Lehrer sondern auch ein wahrer Revolutionär der Klassik, Erfinder und Erneuerer. Er hat die elektrische Bandura entwickelt, deren Klänge aus der Volksmusik moderne Hits und Hollywood-Melodien originale Versionen machen. Seine Coverversionen von Sting und Jamala überraschen das Publikum und seine Unterrichtsmethode von Banduraspiel begeistert Kinder. Er komponiert auch eigene Musik und sucht seinen eigenen Sound.

Das alles ist im Gespräch von Walentyn Lysenko, der die Ukraine den Gästen des Eurovision Song Contest präsentieren wird, mit einer Korrespondentin von Ukrinform.

Beim Eurovision Song Contest wird die Bandura so klingen wie niemand sie hörte

Walentyn, die nächste Premiere ihrer Musik und ihrer Möglichkeiten findet bei der Präsentationen für die beim ESC akkreditierten ausländischen Journalisten am 5. Mai in der Nachrichtenagentur Ukrinform statt. Was bereiten Sie vor?

Wir werden den Gästen unser Stolz, die Bandura, zeigen. Für meine elektrische Bandura habe ich Anlagen aus Amerika mitgebracht. Das wird ein völlig neuer Klang sein. Nicht nur Ausländer wurden verwundert, für sie ist die Bandura sowieso exotisch. Wir werden auch unsere Landsleute überraschen.

Welche Musikstücke werden sie spielen?

Meine eigenen Kompositionen, eine Coverversion von Jamala, die Hits von Sting, Beatles, АВВА, Boney M.

Voriges Jahr war Ihr eigenes Album „Der zweite Atem“ erschienen. Dort gibt es die Coverversion von Jamalas Lied „1944“, mit dem sie den Eurovision Song Contest 2016 gewann. Wusste sie über dieses Experiment? Sind Sie mit ihr bekannt?

Wir haben parallel am Kiewer Konservatorium studiert und ich besucht ihre Konzerte mehrmals. Ich war sehr froh über ihren Sieg beim Eurovision Song Contest!...

Was das Album betrifft, habe ich am Album sechs Jahre gearbeitet. Ich habe viel aufgenommen, es blieben aber nur neun Kompositionen, die die Bandura meiner Meinung nach völlig demonstrieren. Hier gibt es sowohl Volksmusik sondern auch meine Werke und Coverversionen von Jamala.

Wie ist ihr Verhältnis zum Eurovision Song Contest? Übrigens, haben Sie sich schon Tickets gekauft?

Ich habe keine Tickets gekauft und will das nicht tun. Ich fühle mich besser, wenn ich mir diese Großveranstaltungen zu Hause im TV anschaue. Den ESC finde ich normal. In die Ukraine werden viele Touristen kommen, das ist gut für die Wirtschaft. Mehr Menschen werden über die Ukraine erfahren. Deshalb bin ich für solche Liedwettbewerbe im Land. Die Qualität der Songs und Shows, und wie das in der Ukraine gemacht wird, ist aber eine andere Frage. Ich hoffe, dass alles in Ordnung sein wird.

Kennen Sie unsere Rockmusiker „O.Torwald“, die den nationalen Vorentscheid gewannen?

Ich habe das nicht gesehen, ich habe viel zu tun. Ich hatte gar keine Zeit, dies zu verfolgen. Wir waren mit Tonja Matwienko auf einer Tournee, als ihr Ehemann Arsen Mirsojan am Vorentscheid teilnahm. Das habe ich mir angesehen.

Hat Ihnen der Auftritt gefallen?

Ja. Er hat eine gute Stimme. Und sein eigenes Lied „Geraldina“ ist einfach schön.

Die E-Bandura ist eine Revolution in der Musik

Und jetzt über Ihre Know-How, über die Bandura. Sie sieht anders aus, nicht nur von außen – mit Lack und Schmuck, klingt aber auch ganz anders. Ich verstehe das so, dass Sie Stradivari für sich selbst?

Ich habe immer den neuen und modernen Klang gesucht. Nach der Show „Ukraine's Got Talent“ habe ich verstanden, dass es ohne Superinstrument nicht möglich ist. Man kann stundenlang üben, musikalische Technik und Begabung haben und das kann auf einer riesigen Bühne nicht klingen. So war es für die meisten Banduraspieler wegen akustischer Besonderheiten dieses Instruments.

Mir ist eine Idee gekommen, eine unikale Bandura der Zukunft für meine kosmische Musik zu schaffen. Kein Meister wollte das machen. Man hat mir gesagt, dass es Risse geben wird, wegen Spannung. Ich habe geantwortet, dass alles mir gelingen wird. Mit Versuchen und Fehlern habe ich begonnen, die Bandura zu verbessern. Es gab Leute, die mir geholfen haben, und jetzt gibt es mein Experimentalstudio, das die Instrumente für Kunden in Amerika, Japan, Argentinien und anderen Ländern baut. 

Warum ist Ihr Instrument besonders?

Ich habe viel untersucht, was zuvor für Gitarren und andere Streichinstrumente gemacht wurde und habe das amerikanische System als Grundlage gewählt, das der Klang der Bandura ohne Verzerrung reproduziert. Fünf Jahre habe ich ein Pedal entwickelt (zeigt). Gerade es machte eine Klang-Revolution der Bandura möglich. Das Pedal, das ich entwickelt habe, ermöglicht die Klangdauer zu verkürzen. Es gibt deswegen enorme Möglichkeiten für die Signalverarbeitung und für die Benutzung der Bandura in der modernen elektronischen Musik. Das ist eine Revolution!

Wie ist das Gefühl, wenn Sie auf der Bühne mit der selbst gebauten Bandura stehen?

Wissen Sie, für die Menschen war das ein Schock, wenn ich in meinem Konzert zeigte, wie ich mit Staub bedeckt meine Instrumente schleife. Aber wenn du alles mit eigenen Händen machst, dann gibt es echte Musik. Du fühlst dich, hörst zu wie das Holz klingt… Dann ist eine tiefere Klangfarbe möglich, du kannst einen bestimmten Sinn verleihen, eine bestimmte Authentizität…

Welches Holz klingt am besten?

Die Purpur-Weide ist am besten. Besonders, wenn sie vom Blitz getroffen wurde. Nach einer Hochspannungsentladung bekommt das Holz besondere Frequenzparameter. Ich verbessere die alten Instrumente und baue die neuen (zeigt die Bilder von schönen, verzierten Instrumenten).

Also, ist Ihr Instrument eine Wertsache, ein Kunstwerk?

In das Instrument wurden viel Seele und Arbeit investiert. Das Instrument ist wirklich teuer und ich denke, es kostet wie ein Lexus.

Verkaufen Sie ihre Instrumente?

Derzeit nicht. Ich habe einige im Auftrag gebaut: In Japan gibt es drei Instrumente von mir, in Argentinien. Ich baue jetzt sie für meine Schule, die ich in Amerika bald eröffnen werde.

Ich will klassische Unterrichtsmethoden verwenden und frei in meiner Entwicklung sein

Also reisen Sie aus der Ukraine aus?

Ich verlasse die Ukraine nicht, ich werde unsere Kultur ins Ausland bringen, damit mehr Menschen über unser schönes ukrainisches Instrument erfahren werden. In zwei Monaten reise ich nach Amerika ab, um dort meine Autorenschule zu eröffnen.

Wo wird ihr Studio sein?

Ich plane es in der Stadt Renton, Bundesstaat Washington zu organisieren. Dort gibt es schon einen Raum. Ich möchte das zum Kulturzentrum machen.

Wissen Sie, in diesem Bundesstaat wohnen rund 30.000 Ukrainer. Dort kann ich gar Englisch sprechen, weil die Ukrainer dort überall sind.

Wie viele potentielle Schüler haben Sie?

Viele wollen das. Dort gibt es aber keine geeigneten Instrumente. Deshalb muss ich sie selbst anfertigen und dorthin bringen, was nicht einfach ist, um meine Tätigkeit zu beginnen. 

Eine Präsentation für ESC-Gäste, Musikschule für Kinder in Amerika... Welche Perspektive noch?

Ich arbeite an meinem zweiten Album mit heutigen Innovationen. Bei der Aufnahme des ersten Albums hatte ich keinen Klang wie heute gehabt. Ich möchte auch Tournes machen und die moderne Ukraine in der Welt repräsentieren.

Walentyna Paschtschenko, Kiew

Foto: Schamkin Daniil, Ukrinform

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