Mychailo Syrochman, Kulturwissenschaftler, Forscher der Holzkirchen - 03.03.2018 14:45 — Ukrinform Nachrichten
Mychailo Syrochman, Kulturwissenschaftler, Forscher der Holzkirchen
Die Holzkirchen in Transkarpatien ist der Welterbe der Sakralarchitektur.
03.03.2018 14:45 551

Die ukrainischen Holzkirchen sind ideale Archtitekturbauten. In keinem anderen Land ist das Holz als Material nicht so harmonisch gezeigt, wie in der Ukraine, meint Mychailo Syrochman, Kulturwissenschaftler, Forscher der Holzkirchen in der Region Transkarpatien. Die meisten Holzkirchen gibt es in der Ukraine in Galizien.

Die wenigeren Kirchen in Transkarpatien (60 von 110 gelten als alt) sind besser erhalten geblieben. Außerdem ist Transkarpatien mit ihrer Vielfalt von Stilen der Holzkirchen die einzigartige Region der Ukraine. Hier gibt es fünf Hauptstile und einige lokale Stile. Eine der ältesten Kirchen aus dem Jahr 1470, die St.-Nikolaus-Kirche, befindet sich auch in Transkarpatien.

Wie kam es zum Phänomen der ukrainischen Holzkirche?

Hier herrschte Holz, alles aus dem Holz, vor langer Zeit. Das Material erreichte seinen Höhepunkt in den Kirchen.

Es gab eine Periode, wenn die ukrainischen Kirchen aktiv mit japanischen Tempeln verglichen werden...

Diese Parallele ist sehr interessant und sie ist angemessen. Obwohl im Prinzip ist alles in der Welt parallel erscheint. Bei der Mehrstöckigkeit der ukrainischen Kirchen und japanischen Tempel handelt es sich um rein äußere Ähnlichkeiten, doch sie existieren. Es gibt auch Unterschiede, nach Bauprinzipien, einen einfachen Winkel der Wände bei uns und einen sehr komplizierten in Japan, so kompliziert, dass es oft unklar, wozu ist das so nicht durchschaubar, wie nicht aus dem Holz! Und noch eines, die ukrainischen Holzkirchen ist eine wahrhaftige Architektur, von außen sieht das genauso wie im Inneren aus. Die Kirchen in Norwegen sind zum Beispiel von außen streng – die Wikinger!. Im Inneren gibt es aber viel Schnitzerei, offenen Innenraum, Kolonnen. Obwohl es scheint, dass auch im Inneren der Raum zurückhaltend sein muss, eine ähnliche Askese, das ist aber nicht der Fall. Das ist eine bestimmte Dissonanz. In der ukrainischen Kirche gibt so etwas nicht.

Mann kann aber gewiss bei den Franzosen und Norwegern lernen, wie diese ideale Kirchen geschützt werden müssen?

Ich stimme zu. Das ist der Unterschied zwischen uns, dass sie einen starken Staat haben, der sich dafür einsetzt, dass das Eigene geschützt werden muss, dass ist das Kostbarste, was es geben kann. Unser Staat hatte lange Zeit diese Haltung nicht, sie wird nur jetzt sichtbar. Drei Faktoren verursachten so einen erbärmlichen Zustand unserer Kirche und Denkmäler insgesamt. Zum Ersten beteiligt sich der Staat am Denkmalschutz nicht. Zum Zweiten ist unsere Bevölkerung nicht gewöhnt, die Gesetze einzuhalten. Sie pflegen das auch nicht, was unter Denkmalschutz steht. Und noch ein Faktor ist das Moskauer Patriarchat (die Ukrainische Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats – Red.), das manchmal eine feindliche Tätigkeit gegen das ukrainische Volk ausübt, bezüglich der Erhaltung unserer Kulturdenkmäler. Im Zusammenhang mit dem Moskauer Patriarchat sollte man auch sagen, dass Transkarpatien gar nicht bemerken konnte, wie das architektonische Gesicht der Oblast in den letzten Jahren verändert wurde. Es wurden viele seltsame Kirchen erbaut. Alles in Moskauer Stil, der für diese Region nicht üblich ist. Es gibt aber eine ukrainische orthodoxe Tradition.

Das ist eine Arte der Reviermarkierung...

Ja, das ist das Aufbürden und die Bestätigung des Mythos, dass hier das russische Gebiet ist.

Das das betrifft nicht nur den Bau der neuen Kirchen, im Vorjahr war ein Skandal im Dorf Bukiwzjowe, als die authentische Barockkuppel durch die Moskauer „Zwibel“ ersetzt wurde.

Ja, man kann über solche Tendenz reden, dass die Kirchen mit Turmspitzen für sie „ohne Segen“ sind. Deswegen müssen sie durch „Zwibel“ ersetzt werden. Was Bukiwzjowe betrifft, ist das gewiss ein Fehler. Wenn Finanzmittel gefunden wurden, man muss auch kontrollieren, wie diese ausgegeben werden. In der Gebietsverwaltung machte man alles gut, Geld stellte man bereit, ein Fachmann wurde gefunden, und das Ergebnis ist zugunsten der Moskauer Kirche. Es gab dort noch eine Geschichte: Ein Kloster in Bukiwzjowe wendete sich an einen Fachmann, der Ikonostasen schafft. Der Schnitzler gehört aber zur griechisch-katholischen Kirche und das Kloster stornierte den Auftrag, man sagte, dass er mit seiner Arbeit die Ikonostase beschmutzen wird. Im Vergleich zu den anderen Regionen sehen wir bezüglich des Blechdachs für die Kirchen nicht schlecht aus. In der Oblast Lwiw wurden viele Kirchen aus Holz mit Blech bedeckt, in der Oblast Iwano-Frankiwsk ist überhaupt eine Katastrophe mit der Huzulen-Kirche! Dort gibt es überall das Blechdach, Gelände wurden asphaltiert oder betoniert. Dabei spielt keine Rolle, ob es um eine orthodoxe oder griechisch-katholischen Gemeinde handelt.

Warum hatte Transkarpatien Glück. Mode ist nicht gekommen?

Die meisten Beschädigungen wurden unseren Kirchen in den 90-er Jahren zugefügt. Dann nahm die Führung in der Oblast eine klare Position ein: die Holzkirchen sollen bewahrt werden. Und der Prozess der Vernichtung wurde gestoppt. Dabei war es nicht wichtig, wer der Gouverneur war. Man hat verstanden, dass dies bewahrt werden soll. Das wurde irgendwie in das Bewusstsein eingedrungen. Es gab einen Slogan, dass Transkarpatien ein Land der Holzkirchen ist.

Kann man das zurückdrehen?

Klar, das ist möglich. Das Gesetz fordert das und man kann damit Gemeinden zwingen, den Kulturdenkmälern ihr ursprüngliches Aussehen zurückzugeben. Das verlangt aber politischen Willen, wo kann man ihn nehmen?

Im Staat gibt es zahlreiche Probleme, der „politische Willen“ hat andere Probleme als die Dachdeckung der alten Kirchen in Transkarpatien...

Wissen Sie, Probleme mit Essen und Kleidung waren immer und werden sein. Die Kirche gibt es aber, und dann auf einmal existiert sie durch durch irgendwelche dumme Handlungen nicht mehr. Und dann kann man nichts auf morgen verschieden.

Warum meinen Sie, dass die 90-er Jahre so gefährlich für die Holzkirchen waren?

Der Chaos nach dem Zerfall der Sowjetunion, die Religionsfreiheit...

Jetzt müssen sich Gemeinden eine Genehmigung holen, womit und wie sie das Dach bedecken werden...

Nein, man muss einen Vorrat von Holzschindeln haben. Wenn eine Schindel vom Wind abgerissen wurde, sie an denselben Ort zu nageln und fertig. Der Luxus des Schindeldachs besteht darin, dass es je nach Bedarf, für einen halben Meter, für einen Meter, repariert werden kann.

Wenn Sie kommen und sagen, Jungs, das geht nicht, wie reagieren sie?

Normal, aber dann machen sie weiter. Bald werden wir dieses alte graue Blech als ein Segen empfinden, es wird sich fast authentisch aussehen. Das goldene Blech sieht sich aber widerwärtig aus, als ob dieses Gold in ein Polyethylenfolie verpackt wird.

Das Problem besteht darin, dass die Gebietsverwaltung das versteht, ich meine den Wert der alten Holzkirchen. Den Verwaltungen in den Rayons ist es meistens egal. Obwohl die Erfahrung zeigt, dass wenn im Dorf nur ein einziger Mensch ist, der das Problem versteht, wird die Kirche leben und bewahrt werden. Ich möchte hier das Dorf Schdeniewo erwähnen (Region Transkarpatien – Red). Dort gibt es einen Einwohner, der entschieden hat, dass die neue griechisch-katholische Kirche aus Holz, im Bojken-Stil errichtet wird. Es wurde ein schöne Kirche gebaut, eine moderne Variante der Bojken-Kirche, aber sehr gut gemacht. Oder der Priester Wolodymyr Prodanez im Rayon Rachiw. Er hat zwei Holzkirchen gebaut. Eine von ihnen Uschhorod, am alten Friedhof. Das ist eine ungefähre Kopie der Kirche in Neresna, die im Dorf 2003 verbrannt war. Das war die letzte Holzkirche im Tal des Flusses Tereswa. Das wurde von Fachleuten aus Rachiw gebaut, sie fertigten dort alles vor und dann fügten das zusammen. In Lugy errichtete Prodanez so eine moderne Huzulen-Kirche, das ist so ein Kulturdenkmal. Die Kirche in Uschhorod ist auch ein fertiges Kulturdenkmal, hier muss man noch ein Schild mit Erklärungen aufstellen.

Das ist sehr interessant. Besonders angesichts der Gespräche, dass es keine Fachleute gibt, die so bauen können...

Es gibt Fachleute, aber es gibt auch ein Problem mit dem Holz – es ist schwer, das geeignete Holz zu finden. Es stimmt etwa schon mit der Biologie unserer Wälder nicht, die Haltbarkeit von Schindeln war früher 30 bis 40 Jahren, jetzt maximal 15 und Schindeln müssen ersetzt werden. Deshalb müssen Schindeln mit Konservierungsstoffen geschützt werden.

Also, die Behauptung, dass die Fachleute fehlen, niemand bauen kann, ist kein Argument?

Absolut. Es gibt Fachleute, wenn es Arbeit gibt. Das muss aber eine Strategie sein, den Holzkirchen in Transkarpatien ihr historisches Aussehen zurückzugeben, wenn wir über die Tourismusentwicklung in der Region reden. Und das ist möglich. Man braucht Verständnis, Wille und Geld. Obwohl die landschaftliche Attraktivität unserer Region durch unseren Umgang mit Natur ständig sinkt.

Hier muss man auch verstehen, dass bei der Kirche eine Schutzzone ist. Es geht darum, dass Betonzäune und Treppen nicht gebaut und Betonplatten auf dem Gelände nicht gelegt werden dürfen. Was die Schutzzonen betrifft, das ist das Problem für die meisten Holzkirchen. Im Rayon Welykyi Beresnyi befinden sich Meisterwerke der so genannten Bojken-Architektur, doch die Situation mit der Zerstörung der Echtheit ist katastrophal. Man bedeckt die Kirche mit Blech, was aber unter diesem Blech geschieht, ist unbekannt. Das Holz wird faulig, atmet nicht, im Sommer wird das Holz heiß, die Feuchtigkeit verdunstet nicht. Dann kann man leicht sagen; „Unsere Kirche ist verfallen, wir werden eine neue bauen.“ Ein Beispiel einer Barbarei ist die Geschichte mit einer besonders schönen Huzulen-Basilika im Dorf Stebnyi. Ein Mäzen wurde gerade gefunden und der Pope begann mit dem Umbau. Diese Schönheit wurde so verändert, dass ein Mensch mit Geschmack davon fliehen wird.

Diese Schönheit wurde so verändert, dass ein Mensch mit Geschmack davon fliehen wird.

Inspizieren Sie jetzt die Holzkirchen?

In der letzten Zeit nicht. Für mich ist es ein Trauma, ich erinnere mich an die Schönheit dieser Kirchen. Ich will immer Uklyn, im Rayon Swaljawa besuchen. Dort ist eine kleine Kirche, doch sie wurde statt Blech wieder mit Schindeln bedeckt.

Was wird mit den Kirchen weiter geschehen? Die Menschen werden aufwachen? Sie werden sie schützen? Restaurieren?

Wir sehen das. Es ist gut, dass es junge Leute gibt, die sich dafür interessieren, das ist aber ein Tropfen im Meer. Die Behörden müssen sich daran beteiligen. Das Geheimnis ist simpel, man muss ein Patriot sein, des Landes, der Oblast, des Rayons, des Dorfes, das ist alles. Man muss eigene Umgebung lieben, mehr als Dollarscheine. Sonst brennt eine Scheune aus, wird die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ist die Kirche verbrannt, na ja, so ist es... In die kirchlichen Angelegenheiten mischen wir uns nicht ein.

Tetjana Kohutytsch, Uschhorod

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