Patrick Bontinck, Leiter des Brüsseler Reisebüros Visit.Brussels
Mit der Visabefreiung erwarten wir den Anstieg der Touristen aus der Ukraine um 20 Prozent
14.06.2017 17:43 375

Das größte Reisebüro in Brüssel hat den Status einer offiziellen Einrichtung und bekommt jährlich 30 Millionen Euro Finanzierung aus dem Haushalt der belgischen Hauptstadt.

Visit.Brussels ist verantwortlich für die Anziehungskraft der Hauptstadt der europäischen Diplomatie für zahlreiche Gäste und für den würdigen Platz der antiken, kosmopolitischen Stadt auf der touristischen Landkarte der Welt.

Warum die Ukrainer die Möglichkeiten der Visafreiheit mit der EU nutzen und Brüssel besuchen sollten und welche Tendenzen die Tourismus-Branche in der Zukunft erwarten, hat der Leiter von Visit.Brussels, Patrick Bontink, in einem Interview mit dem Korrespondenten von Ukrinform in Brüssel erzählt.

Herr Bontinck, am 11. Juni haben die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine die Möglichkeit bekommen, ohne Visum in die Länder der EU und des Schengen-Raums zu reisen. Für die Ukraine ist das ein großer Erfolg auf dem Wege der europäischen Integration. Wie beurteilen Sie den Sinn und den Einfluss der ukrainischen Visafreiheit auf den touristischen Bereich von Brüssel und die Entwicklung der ukrainisch-belgischen Beziehungen?

Die Visafreiheit zwischen den Ländern fördert einen besseren Austausch zwischen den Menschen. Es ist sehr wichtig für uns. Denn das Verfahren der Ausfertigung und der Erhaltung von Visa ist immer ein Hindernis für Reisen.

Wenn die Ukrainer die Visa nicht mehr brauchen, so erwarten wir innerhalb der relativ kurzen Zeit eine Zunahme der Zahl der ukrainischen Bürger, die nach Belgien kommen werden. Wie unsere Erfahrung zeigt, hat die Abschaffung der Visumpflicht einen direkten positiven Einfluss auf das Wachstum der Touristenströme um 10-20 Prozent. Dies hängt aber natürlich von den Möglichkeiten der Bürger zu reisen.

Hat Ihr Reisebüro eine Erfahrung der Zusammenarbeit mit der Ukraine im Bereich des Tourismus?

Nach der Strategie des Reisebüros bestimmen wir die Prioritätsländer, in denen unsere Vertretungen arbeiten. Es kommt auf die Anzahl der Touristen an, die nach Brüssel aus jenen oder anderen Ländern kommen. Mit anderen Ländern und Regionen, die nicht zum Prioritätenkreis gehören, wird die Zusammenarbeit durch Reiseveranstalter, Reisebüros sowie Fluggesellschaften, Flughäfen organisiert. Es hängt auch von vorhandenen Direktflügen zwischen unseren Städten ab, was ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Tourismus ist.

Ich möchte objektiv feststellen, dass wir noch nicht viele Kontakte mit Partnern in der Ukraine haben. Aber das ist bestimmt ein Land, mit dem wir in der Zukunft planen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Wir betrachten die Ukraine als den Staat aus der Region Osteuropas, mit dem wir ein Wachstum der Anzahl der Reisenden nach Belgien und nach Europa im Allgemeinen erwarten.

Warum ausgerechnet Brüssel? Womit würden Sie die Ukrainer überzeugen, die belgische Hauptstadt zu besuchen?

Wenn wir über die Tourismusbranche reden, dann ist ihre Hauptaufgabe der Austausch zwischen den Menschen. Daher ist der Tourismus, meiner Meinung nach, nicht nur der Besuch von bestimmten Orten, sondern das wichtigste - Treffen von Menschen verschiedener Kulturen.

Und Belgien, und besonders Brüssel, sollten die wichtigsten Routen für den Besuch von Ukrainern werden. Brüssel ist die kosmopolitischste Stadt in der Welt, nach New York, natürlich… Dies bedeutet, dass in der Stadt viele Kulturen konzentriert sind, Menschen von 180 Nationalitäten aus verschiedenen Ländern und Regionen der Welt leben, die wir gerne empfangen.

Das ist ein sehr wichtiges Signal, das wir unseren Gästen, auch Ukrainern, vermitteln möchten.

Um zu verstehen, was heute Europa ist, sollte man diese Hauptstadt besuchen. Und wir sprechen hier nicht nur über den Besuch von herrlichen Brüsseler Museen, zum Beispiel. Jetzt müssen wir verstehen, wie Europa in der Zukunft sein wird. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft Europas in Brüssel liegt, wo sich viele verschiedene Kulturen überschneiden und Vertreter vieler Nationen zusammen leben.

Also, um zu verstehen, wie man die Koexistenz solcher Vielfalt an Kulturen, Völkern besser organisieren kann, soll man Brüssel, die Stadt des neuen Typs des künftigen Europas besuchen. Natürlich kann man zustimmen, dass das nicht immer ein positiver Faktor ist, aber so ist unsere Realität, und viele europäische Städte werden noch in Zukunft mit ihr zu tun haben.

Für Gäste aus der Ukraine können wir eine Menge interessanter Dinge anbieten. Auf der Website unserer Agentur ist ein bequemes Interface erstellt, das die individuellen Interessen verschiedener Menschen erfüllen muss, die beste Reiseoption zu planen. Das wichtigste ist, dass jeder für sich sein eigenes Brüssel entdeckt.

Darüber hinaus kann man Brüssel aus der Ukraine leicht erreichen, da es direkte Flugverbindungen nach Brüssel gibt.

Ja, den einzigen Flug führt der ukrainische Monopolist mit einem mehrdeutigen Ruf und der Servicequalität aus...

Nur einer, aber es ist im Moment so. Wir rechnen damit, dass in der Zukunft auch andere dazu kommen werden.

Also, nach der Ankunft in Brüssel kann man hier ein paar Tage zu Gast sein, für sich diese alte, multikulturelle Stadt, Belgien entdecken, und weiter kann man von hier leicht Paris, London, Amsterdam und viele weitere Ziele in Europa erreichen. Es ist sehr bequem.

Letztes Jahr wurden in Brüssel schreckliche Terroranschläge verübt. In der Stadt bleibt die hohe Stufe der Terrorgefahr, die Straßen werden vom Militär patrouilliert. Wie wirkt sich das auf die touristische Tätigkeit aus?

Der Terrorismus ist heute ein Problem und eine Bedrohung nicht nur für Brüssel, Europa, sondern auch für die ganze Welt. Ja, nach den Terroranschlägen haben wir sehr schwierige Zeiten durchgemacht. Jetzt regenerieren sich Brüssel und andere große europäische Städte nach den Terrorakten. Ich finde, dass dieser Faktor heute keine kritische negative Auswirkung auf die Entwicklung des Tourismus hat. Die beste Antwort auf den Terror muss das Weiterleben unserer Gesellschaften werden, nach unseren Regeln, wie wir selbst wollen. Ja, Risiken bleiben, und nicht nur in Belgien, sondern weltweit. Aber Menschen müssen weiter reisen. Und dies bestätigt die Tatsache, dass in Brüssel die negativen Auswirkungen der letztjährigen Terroranschläge bereits überwunden sind.

Was erwartet den Tourismus in der Zukunft, wie wird sich diese Branche entwickeln, was sind die Haupttrends?

Wir müssen zu den Grundlagen, zum Ausgang des Tourismus zurückkehren. In der Tat, wie ich schon sagte, der Tourismus ist nicht nur der Besuch von Orten, sondern vor allem Treffen mit Menschen. Das ist wichtig, und gerade darin besteht die Zukunft des Tourismus. Auch möchte ich unter den modernen Trends die Zunahme der Anzahl von jungen Menschen feststellen, die andere Länder besuchen, reisen, die Welt rund um sich sehen und verstehen wollen. Und das hat auch einen enormen positiven Einfluss auf die Zukunft dieser Sphäre.

Bis vor wenigen Jahrzehnten konnte der Tourist vor der Reise Informationen über den Ankunftsort aus den Büchern, einigen speziellen Nachschlagebüchern, Broschüren bekommen. Solche Informationen gab es damals nicht viel. Aber heute, dank den Möglichkeiten des Internets, können die Menschen über die Orte absolut alles erfahren. Deshalb betone ich die Notwendigkeit der Rückkehr zum Kern des Tourismus – Treffen von Menschen für bessere Verständigung untereinander.

Gespräch führte Andrij Lawrenjuk, Brüssel

yv

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