Wie russische Geheimdienste der Ukraine den Mord an Nemzow anhängen

Wie russische Geheimdienste der Ukraine den Mord an Nemzow anhängen

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Ukrinform
Am 14. Juni wird in Berlin eine ziemlich interessante Veranstaltung erwartet, auf der die bisher für uns unbekannten „Experten“ die Beteiligung der ukrainischen Geheimdienste an der Ermordung von Nemzow diskutieren werden.

Es ist interessant, dass die „internationale Konferenz“ einer gewissen Gruppe „Östliches Objektiv“ mit dem lauten Titel „Wir kennen die Mörder von Boris Nemzow“ für den 7. Juni geplant war, aber sie wurde aus unbekannten Gründen verschoben.

Vor ein paar Tagen erhielt die Nachrichtenagentur Ukrinform ein interessantes Dokument. Die Annonce der „Konferenz“ der für niemanden bekannten Gruppe „Östliches Objektiv“ wiederholt wörtlich die Thesen eines Kreml-Politikwissenschaftlers Sergej Markow, der vor zwei Wochen in einem populären russischen Radiosender „Echo Moskaus“ veröffentlicht wurde. Markow erklärte, es gebe eine ukrainische Spur, eine angebliche „Beteiligung der SBU (des Sicherheitsdienstes der Ukraine - SBU) am Mord an Nemzow. Diese Aussage könnte man auf die Unangemessenheit und die traditionelle antiukrainische Improvisierung von Markow beziehen, aber die fleißige Verbreitung der Informationen durch russische Medien, bis zur Aufstellung der Banner in vielen populären Medienressourcen, machte es klar, dass es eine Fortsetzung der Geschichte zu erwarten ist. Und wie es sich herausgestellt hatte, ist die Fortsetzung dieser Geschichte in Berlin geplant.

Um sich davon zu überzeugen, wie man sich zu Markow selbst in Moskau verhält, reicht es, wenn man den Text seines Interviews liest. Die Moderatorin spottet und macht sich lustig über ihren Gast, über seine holprigen, weitläufigen und stümperhaften Behauptungen. Sergei Markow hat selbst in Russland einen total anrüchigen Ruf. Im Ausland ist das gleiche. Noch nicht ein Sprachrohr, sondern ein Ablaufbehälter Putins, der Prophet eines „Atomkrieges in der Ukraine“ und „das Zeuge des Völkermords der Russen“ hat weder einen wissenschaftlichen noch politischen Ruf in keinem Land.

Daher ist es klar, dass der Kreml, um der Version über die „ukrainische Spur“ zumindest etwas Glaubwürdigkeit und Gewicht zu geben, beschlossen hat, das Thema in Deutschland fortzusetzen.

Ausgehend von der erhaltenen Annonce behauptet die Gruppe „Östliches Objektiv“ bei der Beschuldigung der ukrainischen Sicherheitsdienste des Mordes an Nemzow, dass SBU im Februar 2015 „durch innenpolitische Unruhen im benachbarten Staat Russland („Moskauer Majdan“) versucht hat, den Schlüssel für die Lösung des ukrainischen Konflikts zu bekommen“.

Die erwähnte Gruppe schreckt, dass die Umsetzung der Pläne und Szenarien der SBU zu einer „Explosion innerhalb“ Russland führen sollte. Dementsprechend warnen sie die europäische Öffentlichkeit „vor solchen möglichen Szenarien seitens anderer Geheimdienste“.

Die Gruppe (wie sie sich präsentieren) vereint die „ehemaligen hochgestellten Beamten der Bundesrepublik Deutschland, die bisher nicht wollen, öffentlich gemacht zu werden, angesichts der Verantwortung für ihre Kollegen, die hinter dieser Frage stehen“.

Der Hauptberichterstatter der Konferenz soll nach unseren Angaben Robert Stelzl werden, österreichischer Radikale, der lange mit Russland zusammenarbeitet. Das letzte Mal zeigte er seine Aktivität in diesem Bereich in einer Erklärung der „erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung der Halbinsel Krim nach der Besetzung“.

Allerdings ist der Ruf des Herrn Stelzl in Europa und in den politischen und wissenschaftlichen Kreisen dermaßen fragwürdig, dass es im letzten Moment beschlossen wurde, ihn durch den deutschen Journalist Wilhelm Dietl zu ersetzen.

Die Berliner Ukrinform-Stelle hat beschlossen, Informationen über Wilhelm Dietl zu gewinnen. Er war lange Zeit als Gründer des IFTUS-Instituts der Stadt Essen positioniert. Nach unseren Angaben sollte gerade IFTUS die „wissenschaftliche Deckung“ geben. Wir haben das Institut kontaktiert, ob das Institut an diesem Ereignis beteiligt ist.

IFTUS und sein Leiter haben sowohl die Präsentation als auch die Beteiligung an der Vorbereitung des Berichts in Abrede gestellt. Auf den Anruf im Institut antwortete eine freundliche Männerstimme. Auf die Frage über die Beteiligung des Instituts an der Vorbereitung der Konferenz war unser Gesprächspartner überrascht, dann fragte er nach unserer Telefonnummer und versprach, in Kürze zurückzurufen. Am gleichen Tag bekamen wir einen ziemlich empörten Email vom Direktor des Instituts, Rolf Tophoven: „Das ist ein Irrtum, wir haben keine Präsentation! Woher haben Sie die Info, dass es eine Studie von uns gibt???“. Am nächsten Tag rief Herr Tophoven persönlich im Büro an. Er fragte nachdrücklich, woher Ukrinform „so eine falsche Information“ hat. Die Stimme klang beleidigt. Immerhin geht es um den Ruf seines Instituts.

Uns wurde auch gesagt, dass das Institut mit dem Herrn Dietl seit 2006 nicht mehr kooperiert. Pikantes Detail: Wilhelm Dietl arbeitete von 1982 bis 1993 für den Bundesnachrichtendienst (BND). Dietl schreibt über sich selbst mit einer gebotenen Bescheidenheit. Zitat: „Vom Lokalredakteur im Bayerischen Wald, bis zum Chefreporter eines Wochenmagazins. Für den Bundesnachrichtendienst, BND, in den Nahen und Mittleren Osten. 12 Jahre Tätigkeit für die Zeitschrift „FOCUS“ und insgesamt bis dato 15 Bücher - lesen Sie aus erster Hand, wie es wirklich war und ist“. Er schrieb 15 Bücher, aber nur eines von ihnen - „Deckname Dali. Ein BND-Agent packt aus“ - über seine Vergangenheit als Spion.

Ehemalige Kollegen aus der Zeitschrift „FOCUS“ bezeichnen Dietl als einen „unehrlichen Journalisten“, „der für das Geld alles sagen kann“, was mit vielen Skandalen verbunden ist, und der „die journalistische Ethik grob verletzte“. FOCUS hat ihn deswegen wegen der Skandale gefeuert, genauso wie das Institut das getan hat. „Solche werden jetzt gesucht, weil anständige Menschen an solchen Aktionen nicht teilnehmen“, sagte in einem privaten Gespräch der Experte-Journalist für die Länder der ehemaligen UdSSR (er bat seinen Namen nicht zu nennen), der in der Zeitschrift mit Dietl arbeitete.

Wir haben an Herrn Dietl geschrieben. Die Antwort gibt es immer noch keine.

Auf Ersuchen der Ukrinform-Korrespondentin in Berlin, einen Kommentar über die Erscheinung einer neuen Version der „Ermittlung“ der Ermordung von Boris Nemzow zu geben, antwortete die Tochter von Boris Nemzow, Zhanna Nemzowa, kurz: „Ich höre zum ersten Mal den Namen dieser Person und den Namen des Instituts. Ich finde diese Version noch nicht diskussionswert“.

Jakub Janda, stellvertretender Direktor des Europäischen Zentrums Counter-Propaganda Task Force, der sich mit der Enthüllung der gefälschten Kreml-Propaganda befasst, sagte der Ukrinform-Korrespondentin: „Ich weiß nichts weder über den Bericht noch über das Institut. Auf jeden Fall sieht das Ganze sehr verdächtig aus“.

Dem Herrn Janda stimmt Joerg Forbrig zu, German Marshall Fund of the United States (GMF): „Ich habe noch nie über ein solches Institut gehört, und auch über seine Mitarbeiter, einschließlich des Autors des Berichts. Ausgehend von ihrer Website lässt es sich schwer vorzustellen, was sie überhaupt gemacht haben, außer sie eine Publikation veröffentlicht haben. Das Ganze sieht ziemlich unzuverlässig und unklar aus, was mich angeht“, sagte der Experte. Über den Hauptberichterstatter habe er allerdings gehört: „Wilhelm Dietl hat eine komplizierte Geschichte der Beziehungen mit dem Bundesnachrichtendienst. Er wurde als Experte für den Nahen Osten und Asien eingestellt, jedoch hatte er einen Streit mit dem BND im Jahr 1993. Keine seiner Veröffentlichungen gibt den Grund anzunehmen, dass er ein Experte für die Ukraine oder Russland ist“, sagte Forbrig.

Unser Fazit: Russland hat immer mehr Schwierigkeiten damit, Experten mit einem anständigen Ruf zu finden, die bereit wären, die Ukraine verlogen zu kompromittieren. Weder in Frankreich (Ukrinform hat darüber geschrieben), noch in Deutschland haben sich Menschen gefunden, die bereit wären, Lügen zu verbreiten. Als „Zwischensender“ des Kremls aufzutreten, sind nur die Menschen bereit, die nichts zu verlieren haben, im Sinne des Rufs.

Oksana Moskal, Berlin

P. S. Gestern rief Herr Dietl bei der deutschen Ukrinform-Stelle an und sagte, dass er unseren Brief bekommen hatte, und er bestätigte, dass „die Konferenz“ über den Mord an Nemzow am nächsten Dienstag in Berlin stattfinden wird, und erlaubte uns sogar, dabei anwesend zu sein.

yv

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