Die unbeschreibliche Banalität des Seins. Mini-Reichstag für „Putinjugend“

24.02.2017 14:38 338

Der russische Kriegswahnsinn wächst. Das schlimmste dabei, er ist gegen Kinder, Jugendliche gerichtet…

Es gibt Nachrichten, die so unverschämt dumm und banal sind, dass es schwer ist, an sie zu glauben. Man schaut zuerst in den Kalender – ob heute der 1. April ist? Nein, es ist der 22. Februar.

Gerade an diesem Tag, im Vorfeld des Feiertages des russischen Militärs, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu im Parlament wörtlich: „"Wir bauen im Park 'Patriot' den Reichstag. Nicht komplett, aber so, dass unsere Jungarmisten nicht einfach irgendetwas stürmen könnten, sondern einen konkreten Ort."

Die Jungarmisten, wenn jemand nicht weiß, ist so eine „Putinjugend“, eine militärische Jugendorganisation. Bei ihrer Gründung sagt Schoigu unermüdlich, dass er entschieden gegen die Militarisierung des Landes ist. Dabei wird er die „jugendlich-patriotische Bewegung „Junarmija“ auf jede Weise ausbauen.

Und jetzt über das Reichstagsgebäude. Seit 1999 ist das Gebäude der Sitz des Bundestages, des deutschen Parlaments. Die russische Jugend wird jetzt regulär ihre Muskeln trainieren und ihr Augenmaß verbessern, indem sie eine Kopie des Parlaments des führenden Landes des Kontinentaleuropas erstürmen wird. Schön? Sehr schön!

Statt der Versöhnung, statt der gemeinsamen Arbeit für die Zukunft gibt es eine Konservierung der Niederlage des Nachbarn. Gerade solches Wiederkäuen seines eigenen Sieges und der fremden Demütigung in den Kriegen führt zu den weiteren Kriegen.

Und was wird, wenn auch andere das zum Vorbild nehmen. Nun, man muss mindestens bei Kiew und Warschau eine Kopie des Kremls bauen, dessen Erstürmung polnische Husaren und ukrainische Kosaken am Ende des Siebzehnten Jahrhunderts übten. Warum nicht? In Pyrohowo bei Kiew gibt es noch Platz. Oder in Meschyhirja…

Schoigu hat auch erzählt, dass im Park 'Patriot' ein lebensgroßes Partisanendorf gebaut wurde. „In ihm (im Partisanendorf – Red.) gibt es eine Klasse zur Vorbereitung der Saboteure, eine Küche, Köche, ein Dampfbad und sogar eine Erdhütte für den Politoffizier.“ Diese „sogar eine Erdhütte für den Politoffizier“ killt besser als „eine Klasse zur Vorbereitung der Saboteure.“ Stellen Sie sich vor, wozu zum Teufel braucht man Politoffiziere, wenn es um spontane bärtige Partisanen aus den Dörfern geht? Wenn aber ein Politoffizier gibt, sind das die anderen Partisanen, und nämlich die eingeschleusten Gruppen von Saboteuren, die von dem NKWD (Innenministeriums der UdSSR von 1934 bis 1946 –Red.) vorbereitet wurden und gleich gnadenlos gegen den Feind und gegen eigene Bevölkerung (wer hat sie nach 1932-1933, 1937-1939 überhaupt gezählt?) vorgingen. Sie sahen sich zuerst um, wen sie schnell für die Berichterstattung vernichten können. Es wäre wünschenswert, dass dieser eine hübsche Frau hätte, um sich nach dem „Partisanenbad“ zu erholen.  

Um das Thema „Dörfer“ zu beenden, kann man dem Minister Schoigu einen Rat geben, ein deutsches Dorf aus Ostpreußen, Pommern oder Schlesien im Park 'Patriot' zu bauen, selbstverständlich mit Bildern der Greueltaten der Roten Armee.

Aber das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation hat andere Pläne und baut im Park eine Frontlinie mit Schützengraben und Bunkern, damit die Leute die Atmosphäre des Lebens unter diesen Umständen fühlen könnten. Und ein besonderes Lob für diese Werbung: „Im laufenden Jahr wird es die Möglichkeit geben, mit der Familie einen Tag lang Dienst auf einem U-Boot zu tun, und zu testen, was dort geschieht, vom Überlebenskampf bis Kompott und Nudeln auf Flottenart".

Ich hoffe, dass dieses symbolische U-Boot „Kursk“ genannt wird und der „Überlebenskampf“ komplex wird, inklusive Urlaub des gültigen Präsidenten in Sotschi, während die Besatzung des U-Boots erstickte.

Der russische Kriegswahnsinn wächst. Das schlimmste dabei, dass dieser Wahnsinn gegen Kinder und Jugendliche gerichtet ist und sie für Jahrzehnte vergiftet.

Ich will daran erinnern, dass Schoigu das alles im Vorfeld des Tages des Verteidigers des Vaterlandes sagte. Nach mehreren Jahren hat sich das Volk an den 23. Februar als Feiertag gewöhnt, obwohl das Datum total falsch ist. Am Morgen dieses Tages im Jahr 2018 stellte das deutsche Kaiserreich der hilflosen Sowjetmacht ein Ultimatum, das zur Diskussion angenommen wurde.

Und an der Front geschah nichts. Es gab keine „Niederlage der Deutschen bei Pskow und Narwa am 23. Februar 1918. Es gab einfach weder den 23. noch den 24. Februar. Wir beschweren uns über Kisseljow-Solowjow, sie setzen aber einfach die staatlichen Traditionen fort.

Aber um genau zu sein, wurde Pskow am 24. Februar eingenommen. Doch das waren nicht die Rotarmisten, sondern die Deutschen. Ein kleiner Trupp marschierte in Pskow praktisch ohne Widerstand ein. Weil die Armee von der bolschewistischen Propaganda völlig demoralisiert wurde.

Und hier zeigte Schoigu die Kontinuität. Er erklärte offen, dass es in der russischen Armee „Truppen für Informationsoperationen“ gibt, die eine „kluge, fachmännische und effektive Propaganda“ betreiben.

In der letzten Zeit wollten in Russland und in seinem so genannten Parlament nicht zugeben, dass es im Land Cybertruppen gibt, eine Abteilung Sonderoperationen für Desinformation und Propaganda. Für die Ukrainer ist das aber nach 2014 ein offenes Geheimnis. Doch in der Welt, besonders in Europa, besonders in Deutschland, muss man den Bericht Schoigus aufmerksam lesen.

Oleg Kudrin, Riga

* Die Meinung des Autors des veröffentlichen Textes kann von der Meinung der Nachrichtenagentur abweichen

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