Wer hat in Wirklichkeit Mariupol, Cherson und Odessa gegründet

Wer hat in Wirklichkeit Mariupol, Cherson und Odessa gegründet

Ukrinform Nachrichten
Wie die wahre Geschichte des Südens der Ukraine sich vom "Reichsmythos" und der russischen Propaganda unterscheidet

Der Mythos über  "Noworossija", über die kulturelle und historische Zugehörigkeit von pontischen Regionen unseres Landes weit mehr zu Russland als zu der Ukraine blüht weiter leider nicht nur im Kopf des Kremls und der Adepten der "Russischen Welt", sondern auch im Kopf mehrerer unserer Mitbürger auf. Die Androhung von diesem Mythos ist heute unter den Bedingungen der Kriege mit Russland und den von ihm unterstützenden Separatisten von "Noworossija" offensichtlich.

Vor kurzem erklärte der Direktor des Instituts für Nationales Gedächtnis Wolodymyr Wjatrowytsch, es sei notwendig, das Gründungsdatum der ukrainischen Städte im Süden und Osten zu "revidieren", um die "Reichsmythen" zu zerpflücken.

Ukrinform führt die Tatsachen an, die die Wahrhaftigkeit der Stellungnahme von Wjatrowytsch bestätigen.

Mariupol, Cherson und Odessa um Jahrhunderte älter als Reichsdatum

Die Haltung der "Russischen Welt" bleibt in den südlichen Regionen ziemlich stark ungeachtet der gescheiterten Versuche des Kremls, die "separatistische" Bewegung außerhalb der östlichen Gebiete des Donbass auf das ganze "Noworossija" zu verbreiten. Man muss nur die Haltung bezüglich der Dekommunisierung, der Sprachfrage und des Verhaltens zu Russland in Betracht ziehen. Der Grund liegt darin, dass die Einwohner dieser Regionen öfters glauben, dass sie Russland zu Dank verpflichtet sind, dass ihre kleine Heimat aufgebaut worden war. Was die Kaiserin Elisabeth betrifft, so wuchsen Brennnessel und Unkraut am Ort des jetzigen Kropywnyzkyj. Vor der Zarin Katharina II. war das Ufer des Flusses Dnipros über und über binsig. Und überhaupt heulten vor Russland die Wölfe in der Steppe und auf der Krim.  

Und diese Vorstellungen, die innerhalb der Jahrhunderte der Russifizierung aufgedrängt wurden, entsprechen der Wirklichkeit gar nicht. Zur Zeit, als Russland mit seinen Reichsambitionen und dem "byzantinischen Projekt" Mitte des XVIII. Jahrhunderts in den Steppen der Ukraine erschien, haben sich Ukrainer und Vertreter anderer Völker jahrhundertelang im Süden niedergelassen. Kosaken-Siedlungen, über die ganze Steppe verstreut, erreichten die Schwarzmeer- und die Asowsche Meer-Küste. Noch im XVI. Jahrhundert war am Ort der modernen Stadt Mariupol die Kosakenburg Kalmius, das Zentrum der Saporoger Heer. Und am Ort von Cherson haben Saporoger Kosaken noch in den 1730er Jahren die Oleksandriw Schanze, das Zentrum der Inhulska Palanka gegründet. Am Ort der Stadt  Dnipro, dem vorrevolutionären Katerynoslaw, noch in Rzeczpospolita waren die Festung Kodak und später die Kodazka Palanka.

Odessiten, die Katharina II. sehr lieben und die ukrainische Sprache nicht sehr mögen, erinnern aus irgendeinem Grund nicht daran, dass litauische Fürste die russische Zarin um knapp 400 Jahre bezüglich der Gründung der Burg und des Hafens am Ort von Odessa zuvorgekommen waren. Die ersten Erwähnungen über Kozjubiiw, mehr bekannt als Khadjibey, werden bereits mit 1415 datiert.

Wie das Russische Reich Noworossija auf Blut baute

Es reicht einige Minuten in "Wikipedia", um sich zu überzeugen, dass das Russische Reich die Siegespalme bezüglich der Bildung der Siedlungen in der Steppe- und Schwarzmeer-Ukraine auf keine Weise beanspruchen kann. Andererseits ist es unmöglich zu verneinen, dass der Süden gerade unter dem Russischen Reich aktiv und mir riesiger Geschwindigkeit kolonisiert wurde. Aber man kann auch nicht ignorieren, dass die für Russland gewöhnlichen Übersiedlungen, die Unterdrückung und Verbrechen dieser aktiven Kolonisation vorangingen.

Die Beseitigung von Saporoger Sitsch durch die Truppen von Katharina II. im Jahr 1775 ist eine gut bekannte tragische Seite der ukrainischen Geschichte. Aber nur wenige Menschen wissen, dass die Zarin sich nur in den Grenzen von Sitsch gehalten hat. Nach der Zerstörung des freien Kosaken-Sitsch blieben auf dem Territorium Saporishshja noch knapp 6.000 Kosakensiedlungen erhalten, die die russischen Truppen innerhalb von nachfolgenden Jahren methodisch vernichteten, das Gebiet für die "Kolonisation" freigemacht zu haben.   

Auch die Krim wurde mit ähnlichen gewaltsamen Methoden auf die Kolonisation vorbereitet. Nach dem Krieg gegen das Osmanische Imperium und der Abtrennung des Krimkhanates 1778 verabschiedete Katharina einen Erlass und über 32.000 Armenier und Griechen wurden gewaltsam aus der Krim in die Steppengebiete verschleppt, was die Krimwirtschaften und die Gesellschaft ruinierte und den Widerstand gegen die russische "Kolonisation" unmöglich machte.

Überall, wohin das Russische Reich kam, zerstörte es bereits  existierende Siedlungen und Gemeinden, um später auf ihren Ruinen neue aufzubauen und als "seine" anzukündigen. Insbesondere wurde dieses Schicksal den großen Kosakendörfern an der Stelle jetzigen Kropywnyzkyl beschert. Sie mussten unter der Kaiserin Elisabeth ihre Heimaterde deswegen verlassen, dass die Reichsregierung im Süden der Ukraine die Serben ansiedeln wollte. Die ganze Geschichte der "Kolonisation" des Südens der Ukraine ist mit solchen Szenarios überfüllt. Und die Mythe über "die russische Kolonisation" steht auf Blut und Tränen vieler tausend Menschen, deren Leben und Familien das Imperium zerstörte.

Ukrainischer Süden war immer ukrainisch

Die Adepten von "Noworossija" mögen am meisten, von den wirtschaftlichen Erfolgen und der führenden Rolle Russlands, der Russen und der "Russischen Welt" in der Geschichte der Entwicklung der Schwarzmeer-Region zu erzählen. Sie ignorieren aber hartnäckig die Tatsache, dass die vorwiegende Mehrheit der Bewohner der Region zu Zeiten des Reichs Ukrainer waren. Das bedeutet, sie haben das Recht, diese Erfolge zu beanspruchen.

Ende des XVIII. Jahrhunderts, als die Region bereits vollkommen neu gewonnen war, betrugen die Ukrainer auf dem Territorium des Asowschen und Noworossijska Gouvernements 74 Prozent der Bevölkerung. Und ungeachtet aller Versuche des Russischen Reichs, die ukrainische Mehrheit mit Kolonisten - deutschen, griechischen und anderen - zu "verdünnen", ist es ihnen nicht gelungen, das zu erreichen. Tatsächlich  drang die "Russische Welt" in den ukrainischen Süden nicht durch Kolonisten und Baumeister der Städte, sondern durch die Russifizierung und das Verbot der ukrainischen Sprache und der Kultur durch. Und leider ist sie so tief durchgedrungen, dass wir bis jetzt seinen Einfluss nicht überwältigen können.

Deshalb müssen wir, indem wir die Geschichte der Großstädte des Südens erzählen, nicht vergessen, dass der Reichserbe sehr spezifisch ist und die Gründer-Imperatoren öfter als Zerstörer auftraten. Diese historische Wahrheit an das Volk zu bringen, ist eine Aufgabe der Staatssicherheit. Russland behauptet doch zuverlässig, dass die ukrainische Zugehörigkeit von Odessa, Dnipro, Mykilaiw ein gewisses historisches Irrsal sei. Da das "große Reich" gekommen sei und Städte und Betriebe in der wilden Steppe aufgebaut hätte, und dann sei der dumme Lenin gekommen und der dümmere Chruschtschow hätte den "Büscheln" all das übergeben.

Jeder Ukrainer soll wissen, dass diese propagandistischen Thesen eine  Erdichtung ist, weil die Geschichte des ukrainischen Südens lange vor den Initiativen der russischen Kaiser und der Kaiserinnen anfängt. Außerdem sind die Steppe und die Schwarzmeerregion irgendwann nicht ukrainisch geworden - infolge der Kolonisation oder irgendwelcher Handlungen der Herrscher - sie waren immer ukrainisch.

Wjatscheslaw Masnyj, Kyjiw

nj

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