Vincent Gagnon, Sergeant Major der Operation UNIFIER, der kanadischen militärischen Trainingsmission in Ukraine
Die Streitkräfte der Ukraine machen schnell Fortschritte.
25.04.2019 13:45

Innerhalb der letzten vier Jahre haben über 11.000 ukrainische Armeeangehörige und Mitarbeiter der Sicherheitsdienste an der Ausbildung teilgenommen. Die Ausbildung erfolgte gratis durch eine Gruppe von kanadischen Instrukteuren im Rahmen der Operation UNIFIER. Diese Mission, deren Mandat vor kurzem bis 2022 verlängert wurde, ist eine der vielen Beiträge Kanadas zur Verteidigungsfähigkeit der Ukraine.

Seit Beginn der Mission Ende 2015 und bis heute befinden sich knapp 200 kanadische Armeeangehörige in der Ukraine auf einer Rotationsgrundlage. Ukrinform hat mit einem der Leiter des sechsten Rotation, dem  Sergeant Major Vincent Gagnon sprechen können, der eben sein halbjähriges Mandat in der Ukraine abgeschlossen hat.  

SPRACHPROBLEME SIND AM MEISTEN HERAUSFORDERND

Die kanadischen Armeeangehörigen haben bereits innerhalb der vier Jahre die ukrainischen Kollegen ausgebildet. Adaptieren Sie das Ausbildungsprogramm an aktuelle Bedürfnisse?

Binnen der Rotationen, die bereits verlaufen waren, wurde die Mission  wesentlich geändert. Die erste Rotation konzentrierte sich im Internationalen Zentrum für Friedensstiftung und Sicherheit in Jaworiw vorwiegend auf der Gruppenausbildung. In den nächsten Jahren wurden ins Lehrprogramm andere Aspekte, insbesondre die Ausbildungen der Oberoffiziere, der Ingenieure und der Ärzte aufgenommen. Außerdem befinden wir uns zurzeit ukraineweit in neun verschiedenen Ortungen, und nicht in einer.

Sind die Ukrainer am kanadischen Training interessiert?

Ja, sie sind sehr daran interessiert, dass wir anbieten, und zwar: am systematischen Herangehen an die Trainings, die den Übungen ähnlich sind, die andere NATO-Mitgliedsländer durchführen.

Wie ist die größte Schwierigkeit bei der Ausbildung?

Es gibt manche Herausforderungen. Eine von ihnen ist die Sprache. Unsere Abteilung ist französischsprachig, auf Englisch verständigen wir uns als in einer zweiten Sprache. Und die Ukrainer sprechen ukrainisch und englisch, deswegen müssen wir öfter als wir möchten die Dienstleistungen eines Dolmetschers in Anspruch nehmen. Die Kommunikationskomponente stellt also eine gewisse Schwierigkeit dar.

Der Verteidigungsminister Kanadas Harjit Sajjan hat einmal gesagt, dass die OperationUNIFIER ein Prozess des gegenseitigen Erfahrungsaustauschs sei. Was können die Ukrainer den Kanadiern beibringen?

Seit 2014 nehmen die Ukraine regelmäßig an den Kampfoperationen teil. Sie haben frische und spürbare Erfahrung, die wir übernehmen können.

KAMPFMORAL UND ENTSCHLOSSENHEIT DER UKRAINER LÖSEN BEGEISTERUNG AUS

Eine Zeitlang in der Ukraine verbracht zu haben, wie ist Ihre Meinung über die Streitkräfte der Ukraine? Inwiefern sind sie professionell?

Die Streitkräfte der Ukraine machen sehr schnell Fortschritte. Ihre Kampfmoral bleibt sehr hoch. Die ukrainischen Armeeangehörigen haben uns erzählt, dass ihre Ausrüstung, die Unterstützung und die allgemeine Organisation sich verbessern. Das Professionalismus der Mitglieder der Streitkräfte wächst in großem Tempo.

Was ist die stärkste Seite der Streitkräfte der Ukraine?

Meines Erachtens ist das die Entschlossenheit, da sie in den jetzigen andauernden, ausgedehnten Konflikt involviert sind. Deshalb sind die Entschlossenheit und die Kampmoral die ausschlaggebenden Züge der ukrainischen Armeeangehörigen. Sonst könnten sie die Front nicht aufhalten.

Wie sind die wichtigsten Herausforderungen, die heute vor den Streitkräften der Ukraine stehen?

Die Langwierigkeit des Konfliktes. Die Kriegsmüdigkeit der Armeeangehörigen, die Ermüdungsakkumulation melden sich, da die Menschen sich an der Front innerhalb einiger Jahre ständig abwechseln. Allerdings - inwiefern wir das verstehen - sind die Ukrainer sich dessen bewusst, sie bieten immer mehr Hilfe an, um sich davon zu überzeugen, dass die Soldaten sowohl physisch, als auch mental gesund bleiben.  

Gehören Ihrem Team die Kanadier ukrainischer Herkunft an? Wenn ja, nehmen sie ihre sozusagen besondere Rolle wahr?

Wir haben einige Armeeangehörige ukrainischer Herkunft. Sie sprechen Ukrainisch und sind Dolmetscher und Berater. Diese Menschen erfüllen eine aktive Rolle und sind sehr stolz, sozusagen heimkehren zu dürfen.

WIR WERDEN VON ÖFFENTLICHKEIT IMMER FREUDIG EMPFANGEN

Hatten Sie eine Möglichkeit, mit der örtlichen Bevölkerung zu kommunizieren? Wie reagieren die Einwohner auf die Präsenz des kanadischen Militärs?

Wir haben uns in der Uniform durch das Land bewegt. Überall wurden wir sehr positiv empfangen: Es geht um die Westukraine, Kyjiw, andere Regionen. Man hat uns überall sehr positiv empfangen.

Verfügen Sie über die Informationen, ob die kanadischen Trainings  auf dem realen Kampffeld von Nutzen sind?

Ja, das nennen wir "Rückkopplungspfad". Wir führen sowohl kollektive, als auch individuelle Ausbildung durch. So können wir einerseits und andererseits sehen, ob unsere Trainings nützlich sind. Wenn wir nach einer Gruppenausbildung Feedback erhalten, sehen wir, dass die Ausbildung der Mühe wert ist. Das beste Beispiel ist hier der Erwerb der praktischen Fertigkeiten in Militärmedizin: unsere Ausbildungsstunden werden real genutzt - sie retten das Leben der ukrainischen Militärs.   

Kanada hat seine Trainingsmissionen auch in anderen Teilen der Welt. Wodurch unterscheidet sich UNIFIER von ähnlichen Operationen in anderen Ländern?

Kanada hilft wirklich die Möglichkeiten der Sicherheitsdienste in anderen Orten, darunter in Afghanistan, im Irak und einigen Regionen Afrikas zu entwickeln. Der Unterschied der Streitkräfte der Ukraine ist darin, dass sie eine größere, reifere und mehr fortgeschrittene als andere Sicherheitsdienste ist, mit denen wir zuvor gearbeitet haben.     

WIR BEMÜHEN UNS, EINEN MÖGLICHST DAUERHAFTEN EFFEKT ZU LEISTEN

Das ukrainische Militär üben derzeit die kanadischen Trainings in zehn verschiedenen Ortungen aus. Knapp 200 Mitglieder der Kanadas Streitkräfte sind in der Ukraine im Rahmen UNIFIER eingesetzt. Reicht das für die Erfüllung der gestellten Aufgaben aus?

Um das zu erfüllen, was man wünscht, reicht die Leute nie aus. Wir nutzen aber die vorhandenen Ressourcen darunter das Humanvermögen aus, das immer ein Multiplikator der Kräfte ist - ob es sich um die Entwicklung der Standards oder die Aufstellung der Trainingspläne, oder die Einschätzung handelt. Wir sind davon überzeugt, dass einige richtig stationierte Militärs mit notwendigen Fähigkeiten die Arbeit schaffen können, wofür normalerweise eine größere Anzahl der Menschen nötig ist.

Erweisen sie der Oberleitung der Streitkräfte der Ukraine eine Konsultationsunterstützung?

Es wäre gut, diese Frage zu prüfen. Vor sechs Rotationen haben wir mit der Gruppenausbildung begonnen. Und jetzt versuchen wir, einen mehr institutionellen und langwierigen Effekt zu erzielen. So wird die Heranziehung von ranghohen Kommandeuren der Streitkräfte der Ukraine ein weiterer Schritt sein. 

Gibt es irgendwelche Trainingsaspekte, worauf der geltende Mandat der Mission nicht verbreitet wird?

Wir handeln nur im Rahmen der gestellten Aufgaben. Manche unseren Trainingsgruppen erwägen immer größere Möglichkeiten, um einen  gründlicheren Einfluss zu haben. Dabei vergessen wir nie, dass unser Job einen langwierigen Effekt haben soll.

Maksym Nalywajko, Ottawa

nj

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