Der Krieg. Rote Tränen verlassener Gärten

Der Krieg. Rote Tränen verlassener Gärten

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Ukrinform
Über Schyrokyno steigt schwarzer Rauch auf

Der Hochsommer. Es dunkelt. Leichte Brise treibt die Hitze durch leere Straßen der Frontortschaften in die Steppe. Wir hören entfernte Kampfführung und bleiben nicht weit vom Unfallwagen stehen. In einer Stunde wird es still... Gott sei Dank, alles wurde gut und es gibt für uns keinen Job.  Nun kann man einen Blick hinter verlassene Gärten tun, die mit Süßkirschen, Kirschen und Maulbeere voll sind.

Jeder Schritt in dem zerstörten Haus ist schallend wegen Knackens der Glassplitter und des Spiegelglases unter den Füßen. Auf dem Dachboden donnert der Wind mit Bruchstücken der Blechverkleidung  – sie wurde wie Papier in Stücke gerissen. Wir sammelten Süßkirschen und Maulbeeren in den verlassenen Gärten und etwas hat mich gezwungen, hereinzukommen.

Das warme abendliche Licht spielt an den leeren Wänden, hinter den zerbrochenen Fenstern singen Vögel laut, Dutzende kommen an den reichlich obstbeladenen Bäumen angeflogen. Die Zweige brechen, die Ernte ist in diesem Jahr seht gut.

Ich werfe Kirschen auseinander, presse sie in der Hand zusammen, sehe, wie helle rote Tropfen zu den Füssen fallen. Ich führe einen seltsamen unendlichen Dialog mit Gespenstern oder wer weiß mit wem. Wische Staub von den Fotos, sehe Gesichter der Menschen an, die hier lebten, sorgten für den Garten, jetzt füttert er nur die Vögel. Und uns.

Dein Leben. Einzigartiger Satz von Gewohnheiten, Traditionen,  Beziehungen mit den Menschen. Vielleicht war es für dich einförmig, freudlos, du möchtest Änderungen haben. Oder im Gegenteil – alles war dir recht und jede Änderungen erschraken dich. Das alles ist unwichtig geworden, als die, wer neben dir waren, haben auf ihren Grund und Boden den Krieg kommen lassen. Haben die Fremden eingeladen, die dein Haus und deinen Garten, es ist gut, wenn nicht deine Kinder, zu Waisen gemacht hatten.

Hast du den Krieg gerufen, unbekannter Wirt? Oder bist vielleicht der Ideologie, die sich verdinglicht hatte und begann wie Strahlung zu töten, entflohen, Dokumente und Familienalben liegengelassen zu haben?

Bist du überhaupt am Leben? Offensichtlich erfahren wir nicht dein Schicksal sowie das Schicksal deiner Familie, im deren erhalten gebliebenen Haus wir Schutz gefunden hatten.

Hast du das verstanden oder nicht? Gleich woran du glaubst, zu welchen Ideen hinneigst, aber wenn der Krieg in dein Haus kommt, wird er alles dem Erdboden gleichmachen, die ganze, wie es auch immer ist, von dir errichtete Welt. Oder nicht fertiggebaut. Wie dieses Haus.

Seine Kirschen weinen darüber. Ob diese Wände die Wärme der Familie noch sehen werden? Aber einstweilen haben seltsame Menschen in Uniform allerdings unbewaffnet aus Staub und Bruchstücken ein Buch ausgegraben und sehen es schweigend, jeder mit seinen Gedanken an.

Ich sehe Schlüssel auf dem Fensterbrett und streue Kirschen und Maulbeeren aus. Die roten Tropfen fallen auf das Glas. Nein, sie sind dem Blut absolut nicht ähnlich. Es ist nur Saft. Oder Tränen.

Mein Freund brummt: “Was für eine Leidenschaft zu den Spiegeln?! – Siehst du, wie viele es sie hier gibt, Türen, Fenster – und auch sie verspiegelt...” Jeder von uns hat sich seit langem gewöhnt, so von der durch nichts verdünnten Traurigkeit abzulenken. Viel zu stark ist dieses Getränk, wenn man es oft genießt.

Aber wir sind seltsam. Haben wir wirklich unseren eigenen Schmerzen nicht genug? Wir haben gesehen, was Geschosse und Splitter mit dem menschlichen Körper machen, ist es aber Unsinn, wegen zerstörter Wände traurig zu sein?

«Wie meist du, wer hat das geschrieben?», - fragt die Schwester. Wir bleiben ein nächstes Mal neben diesem Tor stehen. «Das hat der Krieg geschrieben. Das übrige sind nur Einzelheiten», - sage ich, und denke daran, er wird auch uns von innen siegen. Da bei jedem dort die Schlacht, andauert, die unterschätzt aber wohl die wichtigste ist.

Und inzwischen ergreifen Rosen, Weintraube und Baumwinde die Höfe. Die Blumen schauen in die Zimmer hinein.

Hinter dem Rücken ist ein Haus, das einzige in der Straße bestehen geblieben. Ich danke innerlich denjenigen, wer es gebaut hatten, für  starke Mauern und das feste Dach. Möge es meine Freunde bewahren.

Hier keimt das Leben durch den Tod auf.

Und neben dem Tod. Man möchte nur hoffen, dass das Leben siegt.

Die werden siegen, die die Liebe an Ruinen, die der Hass nach sich liess, gebracht hatte. Hatte gebracht, um zu stoppen und diese "Strahlung" nicht weiter zu lassen.

Das Projekt ist von Paramedizinern der Abteilung Engel Taira ins Leben gerufen.

Foto und Text von Olena Hudjakowa

nj

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