Ruslan Chomtschak, Generalstabschef - Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine
Donbass muss man so schnell wie möglich zurückgewinnen
27.11.2019 17:00

Letzte Woche nahm der Generalstabschef - Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Generalleutnant Ruslan Chomtschak, in Brüssel an einer Sitzung des EU-Militärausschusses teil. Der Korrespondent von Ukrinform in Brüssel hat anschießend den Herrn Chomtschak interviewt. Er erzählte über diesen Besuch und schilderte auch seine Vision über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine, im Osten der Ukraine und die Streitkräfte des Landes.

Ruslan Borysowytsch, Ihr erster Besuch in Brüssel geht jetzt zu Ende. Welche Eindrücke haben Sie und welche Schlussfolgerungen zogen Sie aus der ersten Kommunikation mit den europäischen Partnern, was hat Sie interessiert, worüber haben Sie ihnen erzählt?

Für mich persönlich war es der erste Besuch, aber als für einen Beamten, auf der Ebene des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine, haben solche Treffen natürlich bereits stattgefunden. Ich hatte die Hoffnung, das Niveau der Veranstaltung mit eigenen Augen zu sehen und zu hören, worüber sich die Mitglieder des EU-Militärausschusses untereinander und mit den Partnern unterhalten. Es war angenehm zu sehen, dass die Sicherheitslage in der Ukraine ein großes Interesse erweckt. Und gerade diesem Thema war eine gesonderte Sitzung des EU-Militärausschusses gewidmet. Unsere Partner von den Ereignissen in und um die Ukraine sowie dem Stand der Streitkräfte erfahren. Soweit ich selbst gesehen habe und wie mir die Offiziere und Generäle berichtet haben, die mit mir waren, haben sie die gleichgültigen Augen nicht gesehen. Im Gegenteil, sie sahen Interesse, den Wunsch zu hören und zu verstehen, was geschieht, gesehen.

Die Ukraine hat bereits stabile Richtungen der Zusammenarbeit mit der NATO. Die Europäer selbst befinden sich derzeit in einer Phase des defensiven Wandels. Welche Bereiche der Zusammenarbeit hat die Ukraine mit ihnen erörtert?

Fast alle Mitglieder des Militärausschusses der Europäischen Union sind vor allem Vertreter der NATO-Mitgliedstaaten. Auf der Sitzung war übrigens auch der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Marschall Stuart Peach, anwesend. Wir haben uns auch unterhalten. Ich verstehe das so, dass das zwei Strukturen sind, die eng miteinander zusammenarbeiten.

Was die Streitkräfte der Ukraine anbelangt, alle hat das sehr interssiert, sowohl die EU-Vertreter als auch die Partner. Es war wichtig, Unterstützungsworte von denen zu hören, die meine Rede kommentierten. Und das waren die Generalstabschefs Litauens, Lettlands, Rumäniens, der Slowakei und Georgiens - als Partner anderer Länder. Man kann sagen, dass ich mich in der Umgebung von Menschen, die durch die Professionalität, die geistige Verwandtschaft verbunden sind, wohl gefühlt habe. Also wenn es angebracht ist, so zu sagen, war ich in „meinem Kollektiv“.

Wie beurteilen Ihre Kollegen in der EU, und insbesondere in der NATO, die derzeitigen Ereignisse im Donbas? Besonders im Kontext der Truppenentflechtung und der Suche nach friedlichen Alternativen?

In dem Bericht teilte ich mit, dass wir bereits die Truppen an drei Abschnitten abgezogen haben, und dass der erste Schritt, der seit Jahren nicht mehr unternommen werden konnte, gemacht war. Und dies eröffnete der politischen Führung unseres Staates die Möglichkeiten, einen Dialog auf anderen Plattformen zu führen.

Über den Truppenabzug wurden keine Fragen gestellt. Sie als Fachleute verstehen, was das ist und wofür das gemacht wird.

Am 20. November gab es in Sumy ein trauriges Ereignis - der Kommandeur der 128. Brigade Yewhen Korostelew wurde beerdigt. Er wurde ein weiteres Opfer dieses Krieges. Welche Schlussfolgerungen hat der Generalstab aus dieser Tragödie gezogen?

Leider ist das der zweite Brigadekommandeur in diesem Krieg, der getötet wurde und den ich kannte. Mit einem habe ich Ilowajsk verlassen, mit Pawlo Piwowarenko, und wir waren auf einem Weg unterwegs, wir gingen denselben Weg. Ich habe persönlich den Oberst Korostelew zum Brigadekommandeur ernannt. Es ist ein kompetenter, ausgebildeter, erfahrener, anständiger Kampfoffizier. Sehr schade, dass er nicht mehr bei uns ist. Aber diese Person wird so lange bei uns sein, wie wir uns an sie erinnern werden.

Da ich hier (in Brüssel) bin, konnte ich leider nicht persönlich dort sein. Aber ich wandte mich an den Präsidenten, und der Präsident der Ukraine unterzeichnete einen Erlass über die Verleihung ihm posthum des Ordens von Bohdan Chmelnyzkyj der 2. Stufe. Ich habe den Befehlshaber der Landstreitkräfte beauftragt, diese Auszeichnung den Angehörigen des Offiziers zu überreichen. Es ist sehr bedauerlich, dass wir solche Offiziere verlieren. Daher nur Beileidsworte an die Angehörigen. Jetzt haben wir, die Militärangehörigen und alle, die dazu gehören, die Pflicht, den Kindern, den Eltern und der ganzen Familie des Offiziers zu helfen. Wir müssen uns immer an alle erinnern, die ihr Leben bei der Verteidigung der Ukraine geopfert haben.

Yewhen Korostelew wurde nicht das erste Opfer unter ukrainischen Soldaten, schon nachdem der Truppenabzug begonnen hatte. Praktisch täglich kommen die Berichte über den Tod, die Verletzungen unserer Soldaten. Welche Vobeugungsmaßnahmen können getroffen werden, damit dies nicht mehr vorkommt? Es ist klar, dass nicht alles von den Streitkräften abhängt, denn es ist unmöglich, die Handlungen des Feindes zu kontrollieren...

Damit das nicht passiert?

Damit die Menschen nicht sterben.

Verstehen Sie, im Krieg kann so etwas nicht sein. Der Präsident der Ukraine, er nimmt sich aufrichtig jeden Verletzten oder, Gott bewahre, jeden, der gestorben ist, zu Herzen. Er empfindet das als persönlichen Kummer. Das kann ich behaupten, weil bei uns über jeden gesprochen wird, und schon der Präsident stellt mir die Fragen: Was sollen wir tun, was müssen wir sicherstellen, was müssen wir ändern, damit die Menschen nicht sterben?

Leider gibt es keine Tipps für jede mögliche Variante, die auftreten kann. Weil der Krieg herrscht. Yewhen Korostelew wurde bei der Explosion einer Granate getötet. Es ist kein Geheimnis, dass der 410 Kilometer lange Abschnitt heute, der unseren Donbas in kontrollierte und unkontrollierte Gebiete unterteilt, seit mehr als fünf Jahren von allen Seiten vermint wurde. Ich verstehe das so, wenn diese Linie fünf Jahre lang vermint wurde, dann müssen wir sie doppelt so lange entminen.

Wir müssen die Ursache solcher Tragödien, nach der Erfahrung aller Kriege, die waren, der lokalen und nicht lokalen, verstehen. Die Minensicherheit ist ein Problem, das nicht von heute auf morgen gelöst werden kann.

Der Kommandeur der Brigade Yewhen Korostelew wurde bei der Erfüllung einer Kampfaufgabe getötet. Er arbeitete an vorderster Linie, er trat gerade mit der Brigade in den Verantwortungsbereich und hatte diesen angenommen. Er organisierte auch die Arbeit an dem Abschnitt des Abzugs in Petriwske. Ich war da, wir haben uns getroffen und unterhalten. Er wollte mir so ein Emblem geben – ein Teamlogo der Brigade. Ich sagte, gib es dem Helfer des Präsidenten, er ist nicht so oft hier, und ich habe immer noch Zeit ... Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Leider wird er mir dieses Emblem nicht mehr geben. Verstehen Sie... Es gibt so viele solche sentimentale Momente, die man nicht erzählt kann und die nur im Herzen, in der Erinnerung und in der Seele bleiben.

Gerade über solche sentimentalen Momente wollte ich fragen... Jeder Soldat an der Front hat eine gewisse Motivation, das Mutterland zu verteidigen. Jene Prozesse, die jetzt stattfinden, insbesondere der Abzug von Truppen, wie wirkt sich das auf die Moral unseres Militärs aus? Sie sind wahrscheinlich die Person, die es am besten weiß...

Vielleicht. 2016 erfüllte ich als Chef der Antiterroroperation (ATO) die Vereinbarungen zur Truppenentflechtung an den Abschnitten in Petriwske und Solote. Und jetzt, nach drei Jahren, muss ich in einer anderen Position dasselbe tun. Zwei Jahre lang waren diese beiden Abschnitte „neutral“, und im dritten Jahr waren sie wieder von den Truppen besetzt. Und es war eine strategische Entscheidung weder des Generalstabs noch des Befehlshabers der Operation. Eine solche Initiative bestimmter Einheiten.

Ich begrüße eine solche Initiative nicht. Ich habe mein Leben der Armee gewidmet, deshalb ist es für mich, als eine Militärperson wichtig, dass die Militärangehörigen den Befehlen nachkommen.

Während dieses Krieges hatte ich die Erfahrung, sowohl die Militäreinheiten als auch nicht Militäreinheiten zu leiten, daher bin ich mir dessen bewusst und teile, wo die Armee beginnt und wo die Armee endet.

Sie fragen, wie dies bei den Truppen wahrgenommen wird. In der überwiegenden Mehrheit - normal. Weil in der überwiegenden Mehrheit ist die Armee die Militärangehörigen, die verstehen, dass wenn jemand eine Entscheidung trifft, hat er einen Anlass und Gründe dafür.

Was die Entscheidung über die Truppenentflechtung betrifft ... Erstens wurde diese Entscheidung vor Jahren getroffen. Zweitens zeigt diese Entscheidung nicht so sehr das Militär, sondern die Fähigkeit der militärisch-politischen Führung, ihren eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen.

Ich möchte jetzt nicht weiter ins Detail gehen, aber Sie können das Jahr 2016 analysieren, in dem an zwei Abschnitten Truppen abgezogen wurden, und an dem dritten drei Jahre lang nichts geschah - das ist das Dorf Stanyzja Luhanska. Und heute, wo die Truppen schon abgezogen sind und der Präsident hat gestern die Brücke eröffnet, glaube ich nicht, dass sich die Situation dort für die lokale Bevölkerung verschlechtert hat. Unser Endziel ist es, unsere Grenzen und die öffentliche Verwaltung zurückzugewinnen und ein normales Leben für die lokale Bevölkerung zu gewährleisten.

Heute sind wir der ukrainische Staat und die ukrainische Armee – wir gewinnen unsere Gebiete zurück, wir wollen, dass die territoriale Integrität wiederhergestellt wird.

Deshalb würde ich heute wegen des Abzugs nicht groß agiotieren.

Einmal, noch unter der vorherigen Regierung, hatten die Streitkräfte die Aufgabe, bis 2020 das Niveau der gegenseitigen Kompatibilität mit den NATO-Streitkräften zu erreichen. Wie ist die aktuelle Situation mit der Beherrschung der NATO-Standards? Bewegen wir uns vorwärts, gibt es eine Vision, wie wir dieses Ziel erreichen werden?

Wir sind dabei, und es ist schon lange nicht mehr der Anfang des Weges. Und dieser Weg wird kaum enden, in gutem Sinne. Unsere NATO-Partner sagen auch so: sobald Sie sagen, dass Sie bereits alle Fähigkeiten erreicht und alles beherrscht haben, wird das bedeuten, dass man mit euch abschließen kann, weil Sie sich nicht weiterentwickeln werden. Ich unterstütze diese Ansicht. Nur wenn wir mit der Zeit Schritt halten, und es ist besser, vor den ständig auftretenden Herausforderungen und Bedrohungen Schritt zu halten, können wir sagen, dass wir eine verlässliche Armee sind, dass wir das Land verteidigen können, und dann wird der Feind uns in Ruhe lassen, weil er wissen wird, dass er eine Abfuhr bekommt.

Daher sind wir bei der Anpassung an die NATO-Standards heute auf einem breiten Weg, in allen Bereichen. Irgendwo sind die Erfolge größer, irgendwo kleiner, aber nicht, weil wir nicht arbeiten wollten, sondern weil alles seine eigene Reihenfolge hat. Das sechste Jahr des Krieges dauert an und das gibt uns nicht die Möglichkeit, alles zu stoppen und zu sagen, wir müssen uns transformieren. Wenn Krieg herrscht, können wir in keiner Weise die Kampffähigkeit und Kampfbereitschaft unserer Truppen verringern.

Dies ist unsere Besonderheit, und heute habe ich alle Vertreter der Länder informiert, die an der Sitzung des EU-Militärausschusses teilgenommen haben, dass der Krieg andauert und wir uns transformieren. Sie schätzen das auch sehr ernst.

Es gab viele Berichte, dass Russland der Ukraine Schiffe übergeben hat, die im vergangenen November aufgebracht wurden, in einem, milde gesagt, zufriedenstellenden Zusatand. Wurden Sie über diese Situation informiert und inwiefern entspricht sie der Wirklichkeit?

Diese Berichte sind wahr, und niemand sollte einen Zweifel daran haben. Wer auch immer in den letzten fünfeinhalb Jahren die Streitkräfte beschuldigt, dass sie Informationen verbergen oder keine Informationen liefern, ist das nicht wahr, ich spreche aufrichtig.

Ich bin in dieser Position nicht lange, aber angesichts der Erfahrung in früheren Positionen – als Chefinspektor der Streitkräfte oder Stabschef der Landstreitkräfte - kann ich sagen, dass alle Informationen, die wir herausgeben, wahr sind.

Es ist klar, dass die Pressevertreter immer bestrebt sind, mehr zu bekommen und früher vor Ort zu sein, gerade unter dem Feuer, das noch mal nicht begonnen hat. Also müssen wir oft Ansprüche hören – nämlich „ihr müsst“... wir müssen nichts.

Wir haben auch heiße Köpfe, die sagen - Sie müssen sofort Informationen geben. Gut, dann stelle ich die Frage. Wenn ein Feuerwehrmann am Brandort ankommt, rennt er nicht zuerst mit der Kamera zum Mikrofon, er löscht zuerst das Feuer. Wenn ein Chirurg eine traumatisierte oder schwer kranke Person bekommt, rennt er nicht zu den Mikrofonen, er geht zuerst in den Operationssaal, operiert stundenlang, rettet das Leben einer Person und geht erst dann heraus und gib den Kommentar. Warum sollte dann ein professioneller Militärangehäriger, das sein Leben riskiert und sein Heimatland verteidigt, zuerst zum Mikrofon rennen, Kommentare abgeben und erst dann sein Heimatland verteidigen? Unter Kampfbedingungen kostet die Ausplauderung von operativen Informationen das Leben des Militärs.

Ich möchte, dass Sie Ihren Kollegen vermitteln: Ich verstehe, dass die Presse „schneller und schmackhafter“ will. Aber man muss verstehen, dass Krieg eine Frage von Leben und Tod ist, von der Existenz unseres Staates. Welche Fragen können ernster sein als diese? Es gibt keine.

Auf jeden Fall werden alle Informationen gegeben, wir kommunizieren mit jedem, und die Welt muss wissen, und vor allem sollten unsere Menschen in unserem Land wissen, was los ist. Sie müssen verstehen, leider sterben Menschen im Krieg. Auf der anderen Seite zeigt heute die Statistik im Staat, wie viele Menschen im Krieg und wie viele Menschen außerhalb des Krieges sterben, so ist die Zahl der Todesfälle im friedlichen Leben auf das zehn- oder sogar hundert-fache höher. Darüber müssen wir auch reden.

Ich bin in der Armee über 35 Jahre und bin wie jedes Militär bereit, mein Leben für mein Heimatland zu opfern. Das versteht jeder Soldat, er ist sich seinem Pflicht bewusst. Wenn du verteidigst, hälst du eine Waffe in der Hand. Aber dein Feind hat auch das, was den Tod bedeutet. Wenn du professionell vorbereitet, besser ausgebildet bist, wirst du überleben. Anders kann nur ein Zufall helfen, aber es lohnt sich nicht, auf ihn, auf irgendwelches Glück zu hoffen.

Bezüglich der Schiffe, gibt es einen rechtlichen Mechanismus, um Russland einen Anspruch hinsichtlich ihres Zustandes anzumelden?

Es gibt solche Mechanismen. Und an ihnen wird es bereits gearbeitet. Als sie beschlagnahmt wurden, wurde ein Akt verfasst, alles wurde angegeben. Was mir der Kommandeur der Seestreitkräfte berichtet hat, ist sogar beschämend zu kommentieren. Als Militerangehöriger kann ich verstehen, warum Russland Kommunikations- und Navigationsgeräte demontiert hat. Aber wenn mir erzählt wird, dass sie sogar die Klos demontiert haben - das verstehe ich nicht. Wenn mir erzählt wird, dass auf „Jana Kapu“, dem Schlepper, diese Kupferrohre als Nichteisenmetall abmontiert wurden, verstehe ich so, dass das kein Militärpersonal war, sondern Plünderer. Anders kann ich die Kreaturen, die so mit dem Kriegsschiff getan haben, nicht nennen.

Aber unser Präsident hat, nach meinem Wissen, gesagt, dass innerhalb von zwei Monaten alles wiederhergestellt sein wird. Letzte Nacht war er dort, in Otschakow, wohin die Schiffe angelaufen waren. Aber ich bin sicher, dass wir sie sogar schon früher reparieren können.

Setzen wir dieses Marinethema fort. Wir haben immer noch ein Problem mit der Schifffahrt in der Straße von Kertsch. Hat der Generalstab eine konsolidierte Bewertung der Ereignisse im November letzten Jahres? Wie werden die Streitkräfte die Souveränität der Ukraine im Asowschen Meer und über der Kertsch-Straße gewährleisten? Vor kurzem hat Russland offen angeboten, die Krim als russisch als Bedingung für die Grenzziehung anzuerkennen...

Sie stellen mir eine Frage, die über die Befugnisse des Generalstabschefs hinausgeht. Das ist schon eine Frage der Geopolitik, eine Frage von nationaler Bedeutung. Aber!

Es ist klar, dass Russland jetzt das Asowsche Meer als sein Binnenmeer positioniert. Aber nach internationalem Recht ist das Asowsche Meer das gemeinsame Meer. Wollen wir es oder nicht, aber wir werden diesen Nachbarn haben.

Das Asowsche Meer gehört auch uns. Natürlich gibt es viele Rechtsinstitutionen, sowohl in unserem Land als auch in der Welt. Gerichtsklagen liegen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Militärs. Damit befassen sich das Außenministerium, das Justizministerium und andere an dieser Arbeit beteiligten Organe. Wir verstehen, dass die relevanten Entscheidungen, hier in Europa, getroffen werden müssen, die Entscheidung des internationalen Gerichthofes. Sie passieren nicht an einem Tag, sie können Jahre dauern.

Aber das ändert nicht das Wesentliche. Die Krim ist die Ukraine. Manchmal kann man hören - Sie sprechen über den Donbass, aber über die Krim nicht mehr... Meiner Meinung nach, sowohl als Menschen als auch als Militärangehörigen, ist es falsch, über den Donbass und die Krim gleichermaßen zu sprechen, weil die Rückkehr des Donbass und die Rückkehr der Krim in etwas unterschiedlichen Flächen liegen, auch in zeitlichen. Das ist meine persönliche Meinung.

Den Donbass muss man so schnell wie möglich zurückgewinnen und arbeiten daran muss man schon heute. Eine andere Situation gestaltet sich um die Krim – sie ist weder mittels Militär noch auf andere Weise schnell zurückzubekommen. Daran hat die gesamte Gemeinschaft zu arbeiten, auch im internationalen Ausmaß. Ich habe heute auch darüber gesprochen (mit europäischen Partnern), und gestern hatten wir auch Treffen mit den Stabschefs. Nur gemeinsam. Einer vom Militär eines entwickelten europäischen Landes, ich werde es nicht nennen, fragte mich, was ist, kann man schon von der Krim vergessen?

So hat er gefragt?

Ja, diese Frage. Aber auf keinen Fall doch! Man sollte verstehen, dass man die Krim nur gemeinsam zurückgewinnen kann, mit Ihrer Hilfe, wenn Ihre Geschäftsleute dorthin nicht fahren. Im Westen sollten nicht vergessen: auf der Krim werden heute die Krimtataren, Ukrainer täglich verfolgt, und alle, die mit der Annexion der Krim nicht einverstanden sind. Die Russen ziehen in Verletzung aller internationalen Rechtsnormen die Krimer ein, in der russischen Armee zu dienen, während die Besatzungsmacht die Krimer weiter unterdrückt - Durchsuchungen, Verhaftungen, Entführungen, Verfolgung für Überzeugungen...

Damit Sie verstehen, Russland braucht die Krim überhaupt nicht dafür, um sich um die Menschen zu kümmern, die dort leben, und sogar nicht einmal als Ort für den Urlaub für die Russen. Sie wird als russische Militärbasis gesehen, eine mächtige Basis, die zum „Albtraum“ werden soll, sagen wir mal für das ganze Europa, Nordafrika, und soll ihnen, den Russen, die Möglichkeit geben, schon im Mittelmeer zu herrschen. Ich habe mich nicht geirrt - im Mittelmeer. Russland versucht sich bereits so zu positionieren, dass das Schwarzmeerbecken fast sein Binnenwasser ist. Natürlich gibt es noch die Türkei, die dies in keiner Weise zulassen wird, egal wie sich Russland mit ihnen annähern wollen würde. Es gibt da auch NATO-Länder - Rumänien und Bulgarien. Er habe gerade ein Gespräch mit dem rumänischen Stabschef geführt und er unterstützt voll die Zusammenarbeit mit uns. Das Schwarze Meer wird also bald eine Region sein, wo die verschiedenen Kräfte ihre Fähigkeiten und Geduld auf die Probe stellen werden.

Neulich hat der Nordatlantikrat Odessa besucht, wo die Entwicklung der Fähigkeiten der Seefähigkeite der Ukraine erörtert wurde. Wie hilft eine solche Zusammenarbeit bei dem Ausbau der nationalen Seestreitkräfte?

Eine solche Zusammenarbeit wird nicht nur helfen, sie wird diese Arbeit noch mehr beschleunigen. Weil wir ein Konzept, eine Strategie haben, es gibt alle entsprechenden Berechnungen. Aber wenn wir das allein machen werden, wird es Jahrzehnte dauern. Wir verstehen, dass es Jahre dauert, bis ein Schiff oder sogar ein einzelnes Boot gebaut wird.

Es gibt viele Lösungen mit Küstenanlagen, die von der Küste schützen müssen. Wir arbeiten daran. Leider darf nicht alles erzählt werden, denn dann gibt es nichts mehr zu tun, weil der Feind sofort gegen das arbeiten wird, was wir tun wollen.

Aber wir müssen solche modernen Marinekräfte haben. Es geht nicht darum, dass alle Schiffe modern sein müssen. Unter unseren Umständen geht es vor allem um die Ausbildung und das Können des Personals, zu handeln, Entscheidungen zu treffen und sie zu erfüllen.

Es gibt noch ein Problem in den Streitkräften, das seit vielen Jahren besteht - die Sicherheit von Stützpunkten, Munitionslagern und Arsenalen. Kürzlich gab es tragische Ereignisse in Balakleja, wo die Pioniere wieder gestorben sind. Ist dieses Problem, das Problem der Sicherheit von Munitionslagern für die Streitkräfte überhaupt lösbar?

Ich würde gerne korrigieren. Sie sagten, wieder Pioniere gestorben. Aber das war der erste solche Fall. Davor starben Pioniere glücklicherweise nicht bei uns in Arsenalen und Basen.

Ich möchte den Familien der Soldaten, die ihr Leben verloren haben, mein Beileid aussprechen. Die Untersuchung dieser Tragödie in Balakleоa läuft.

Aber jetzt kann ich sagen, in dem Ereignis, das zum Tod der Menschen geführt hat, gibt es konkrete Namen. Einer der Soldaten starb von einem Granatsplitter im Herzen. Wenn er eine kugelsichere Weste anhätte, wie es bei einer Minenräumung hätte sein sollen, wäre er heute unter uns. Es gibt auch viele Fragen an diejenigen, die dort gearbeitet haben, und es waren professionelle Pioniere, die entsprechned ausgebildet und zertifiziert wurden, und nicht das erste Jahr ihre Arbeit gemacht haben. Das sind keine Amateure gewesen, sie waren Profis. Und wahrscheinlich führten diese Professionalität, multipliziert mit „auf gut Glück“, und die Unkontrolliertheit von den Chefs, die bei ihnen waren, zur Tragödie.

Ich kann sicher sagen, dass dieses Ereignis nichts Gemeinsames mit den Fällen in den drei Arsenalen hat, die zuvor explodiert waren. Ich war damals als Chefinspektor der Streitkräfte an der Untersuchung all dieser Arsenale beteiligt, also kann ich diese Ereignisse vergleichen. Hier ist die Fahrlässigkeit von denen vorgefallen, die diese Arbeit kontrollieren und organisieren mussten. Deshalb, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, garantiere ich, dass viele ihre Posten verlieren und, möglicherweise die Streitkräfte verlassen, werden, weil sie das zugelassen haben. Ich werde niemandem solche Fälle verzeihen, weil die Straflosigkeit nur zum größeren Chaos führt.

Sie haben gesagt, dass Sie die NATO-Partner über die Lage in der Ukraine und bei den Streitkräften informiert haben. Ohne Ansprüche auf das Staatsgeheimnis zu erheben, darf ich Sie fragen: Welche Hauptbedrohungen sieht der Generalstab für die Ukraine, und welche Maßnahmen werden ergriffen, um dies zu verhindern?

Ich werde diese Frage als Militärangehöriger beantworten. Denn es gibt viele Bedrohungen für die Ukraine, und nicht alle sind im militärischen Bereich. Die Bedrohungen bleiben alle, die es auch zuvor gab. Unser östlicher Nachbar hat darauf nicht verzichtet, dass die Ukraine ein Einflussbereich werden muss. In den Diskussionen in verschiedenen Fernsehsendungen greift unsere Gesellschaft irgendwie nach der schlechtesten Option, dass Russland mit einer weiten Aggression beginnt. Meiner Meinung nach und auf der Grundlage der Analyse des Generalstabs sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die offene militärische Aggression seitens Russlands nicht zu den ersten Bedrohungen gehört, aber in der Liste der „übrigen“ Optionen ist.

Der Informationsbestandteil eines hybriden Krieges ist nicht weniger tödlich als eine echte Waffe. Was unternimmt der Generalstab für die Entwicklung des eigenen strategischen Kommunikationssystems?

Jetzt findet die Transformation des gesamten Verwaltungssystems auf strategischer und operativer Ebene statt. Wir sind jetzt in dieser Etappe.

Am 5. November wurde vom Verteidigungsminister eine Direktive über eine solche praktische Umwandlung unterzeichnet, denn bisher war das alles hauptsächlich theoretisch - Berechnungen, Schemata, Begründungen usw. Aber jetzt haben wir mit dem praktischen Bestandteil begonnen. Bis Februar müssen wir schon transformiert sein und die Fähigkeiten nach jenen Standards und Prinzipien sammeln, die unsere Partner haben. Im Generalstab wird die Verwaltung der strategischen Kommunikationen sein. Das Verteidigungsministerium wird ihre eigene haben, und der Generalstab seine.

Ich habe bereits eine Vereinbarung mit unseren Partnern, mit dem Generalstabschef von Litauen. Ich hatte Informationen, dass dieser Bereich bei ihnen sehr gut funktioniert. Wir haben uns unterhalten. Wir beabsichtigen, nach Litauen diejenigen zu schicken, die in diesem Bereich arbeiten müssen, damit sie diese Erfahrung sammeln und sehen, wie es in anderen Ländern funktioniert. Ich habe vielen unserer Partner gesagt, dass wir aus ihren Erfahrungen lernen möchten. Man muss nicht ein Fahrrad erfinden, das kann nur zu Zeitverschwendung und unnötigen Fehlern führen. Und heute brauchen wir ein Ergebnis. Jetzt studieren und erschaffen wir, aber ich denke, 2020 wird das Wendejahr sein, in dem alles funktionieren wird.

Interviewt von Dmytro Schkurko, Brüssel

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